Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 6

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 item 6 


 1. Spalte 

Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                              Nächtlicher Kampf.

Semlin, 30. Juli

   Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

Verwundete, und die Serben mußten zurück.

Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

fährt langsam dicht an den Schanzen und der

Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                        Der Erfolg der Beschießung.

                                                                          Athen, 30. Juli.

   Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

ständig unterbrochen.

                           Einnahme Belgrads.

                                                                        Budapest, 30. Juli.

    Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

Belgrad ausgedehnt wurde.

                                   Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                      Paris, 30. Juli. 

   Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

   Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

Iswolski.

============================================================

                                 Die Sonne in der Bogenlampe.

                  Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                    Breslau, 30. Juli.

   In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                           _______________________

   Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

 Fortsetzung 2. Spalte unten 


 2. Spalte 

                                                                                       Paris, 30. Juli.

   Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

   Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                   Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                    Paris, 30. Juli.

   Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                     Paris, 30. Juli.

   Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

Weiterbeförderung warten.

              Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                    Malta, 30. Juli.

   Die englische Mittelmeerflotte soll heute

hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                     London, 30. Juli.

   Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

keine Mobilisierung angeordnet worden.

   Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

werden?

             Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                      London, 30. Juli.

   Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                      London, 30. Juli.

   Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

   Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

König empfangen.

                     Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                      Wien, 30. Juli. 

   Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

   Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                 Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                        Wien, 30. Juli.

   Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

 Fortsetzung 3. Spalte 

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 Fortsetzung von 1. Spalte 

Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

   Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

graben.

   Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

berührt wird.


 3. Spalte 

für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                  Wien, 30. Juli.

   Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                     Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                    Wien, 30. Juli. 

   Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

den Streik

   In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

für Serbien und die Tripleentente statt.

                                 Holland bleibt neutral.

                                                                      Amsterdam, 30. Juli.

   Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

lande während des österreichisch-serbischen Krieges

streng neutral bleiben.

                          Italien für die Dreibundpolitik.

   Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                Spanien wird nervös.

                                                                      Madrid, 30. Juli.

   Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

begeben.

                       Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                      Wien, 29. Juli.

   Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

Verhaftung verfügt habe.

                       Ein Manifest des Zaren angekündigt.

                                                                                   Paris, 30. Juli.

   An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-

burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen

Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-

meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung

eines Manifestes des Zaren.

                                   _________________________

                             Kriegsfurcht und Reisesaison.

   Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die

Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-

halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-

mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Ausländer, vor

allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch

für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.

Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen

Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wor-

den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen

Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine

Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer

eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-

orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-

sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in

übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch

immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue

starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.

Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-

schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw., an den Ort

ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden

aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-

siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die

kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,

von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.

Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in

den letzten Tagen der Fall ist, so wird auch das Gros der noch

ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-

mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für

die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-

tungen, für die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,

Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-

leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für

alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu

ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-

gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine

Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-

führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und

Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf

einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese

beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so

rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist

gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach

diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-

sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht

bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen

der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie

gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-

renden Gewerbe und Berufe.

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 item 6 


 1. Spalte 

Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                              Nächtlicher Kampf.

Semlin, 30. Juli

   Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

Verwundete, und die Serben mußten zurück.

Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

fährt langsam dicht an den Schanzen und der

Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                        Der Erfolg der Beschießung.

                                                                          Athen, 30. Juli.

   Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

ständig unterbrochen.

                           Einnahme Belgrads.

                                                                        Budapest, 30. Juli.

    Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

Belgrad ausgedehnt wurde.

                                   Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                      Paris, 30. Juli. 

   Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

   Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

Iswolski.

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                                 Die Sonne in der Bogenlampe.

                  Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                    Breslau, 30. Juli.

   In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                           _______________________

   Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

 Fortsetzung 2. Spalte unten 


 2. Spalte 

                                                                                       Paris, 30. Juli.

   Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

   Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                   Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                    Paris, 30. Juli.

   Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                     Paris, 30. Juli.

   Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

Weiterbeförderung warten.

              Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                    Malta, 30. Juli.

   Die englische Mittelmeerflotte soll heute

hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                     London, 30. Juli.

   Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

keine Mobilisierung angeordnet worden.

   Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

werden?

             Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                      London, 30. Juli.

   Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                      London, 30. Juli.

   Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

   Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

König empfangen.

                     Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                      Wien, 30. Juli. 

   Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

   Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                 Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                        Wien, 30. Juli.

   Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

 Fortsetzung 3. Spalte 

===============================================================?=

 Fortsetzung von 1. Spalte 

Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

   Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

graben.

   Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

berührt wird.


 3. Spalte 

für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                  Wien, 30. Juli.

   Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                     Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                    Wien, 30. Juli. 

   Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

den Streik

   In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

für Serbien und die Tripleentente statt.

                                 Holland bleibt neutral.

                                                                      Amsterdam, 30. Juli.

   Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

lande während des österreichisch-serbischen Krieges

streng neutral bleiben.

                          Italien für die Dreibundpolitik.

   Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                Spanien wird nervös.

                                                                      Madrid, 30. Juli.

   Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

begeben.

                       Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                      Wien, 29. Juli.

   Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

Verhaftung verfügt habe.

                       Ein Manifest des Zaren angekündigt.

                                                                                   Paris, 30. Juli.

   An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-

burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen

Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-

meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung

eines Manifestes des Zaren.

                                   _________________________

                             Kriegsfurcht und Reisesaison.

   Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die

Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-

halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-

mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Ausländer, vor

allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch

für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.

Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen

Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wor-

den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen

Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine

Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer

eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-

orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-

sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in

übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch

immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue

starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.

Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-

schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw., an den Ort

ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden

aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-

siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die

kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,

von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.

Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in

den letzten Tagen der Fall ist, so wird auch das Gros der noch

ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-

mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für

die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-

tungen, für die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,

Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-

leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für

alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu

ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-

gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine

Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-

führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und

Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf

einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese

beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so

rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist

gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach

diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-

sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht

bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen

der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie

gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-

renden Gewerbe und Berufe.


Transcription history
  • August 12, 2017 17:06:04 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.

                           Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                          Wien, 29. Juli.

       Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

    traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

    der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

    nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

    serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

    auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

    zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

    mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

    sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

    Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

    serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

    am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

    Verhaftung verfügt habe.

                           Ein Manifest des Zaren angekündigt.

                                                                                       Paris, 30. Juli.

       An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-

    burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen

    Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-

    meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung

    eines Manifestes des Zaren.

                                       _________________________

                                 Kriegsfurcht und Reisesaison.

       Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die

    Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-

    halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-

    mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Ausländer, vor

    allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch

    für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.

    Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen

    Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wor-

    den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen

    Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine

    Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer

    eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-

    orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-

    sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in

    übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch

    immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue

    starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.

    Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-

    schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw., an den Ort

    ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden

    aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-

    siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die

    kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,

    von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.

    Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in

    den letzten Tagen der Fall ist, so wird auch das Gros der noch

    ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-

    mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für

    die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-

    tungen, für die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,

    Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-

    leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für

    alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu

    ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-

    gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine

    Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-

    führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und

    Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf

    einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese

    beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so

    rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist

    gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach

    diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-

    sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht

    bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen

    der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie

    gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-

    renden Gewerbe und Berufe.

  • August 12, 2017 17:04:16 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.

                           Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                          Wien, 29. Juli.

       Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

    traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

    der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

    nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

    serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

    auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

    zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

    mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

    sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

    Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

    serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

    am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

    Verhaftung verfügt habe.

                           Ein Manifest des Zaren angekündigt.

                                                                                       Paris, 30. Juli.

       An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-

    burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen

    Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-

    meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung

    eines Manifestes des Zaren.

                                       _________________________

                                 Kriegsfurcht und Reisesaison.

       Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die

    Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-

    halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-

    mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Ausländer, vor

    allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch

    für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.

    Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen

    Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wor-

    den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen

    Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine

    Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer

    eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-

    orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-

    sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in

    übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch

    immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue

    starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.

    Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-

    schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw., an den Ort

    ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden

    aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-

    siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die

    kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,

    von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.

    Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in

    den letzten Tagen der Fall ist, so wird auch das Gros der noch

    ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-

    mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für

    die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-

    tungen, für die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,

    Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-

    leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für

    alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu

    ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-

    gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine

    Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-

    führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und

    Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf

    einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese

    beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so

    rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist

    gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach

    diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-

    sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht

    bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen

    der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie

    gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-

    renden Gewerbe und Berufe.


  • August 12, 2017 17:00:20 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.

                           Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                          Wien, 29. Juli.

       Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

    traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

    der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

    nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

    serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

    auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

    zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

    mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

    sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

    Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

    serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

    am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

    Verhaftung verfügt habe.

                           Ein Manifest des Zaren angekündigt.

                                                                                       Paris, 30. Juli.

       An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-

    burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen

    Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-

    meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung

    eines Manifestes des Zaren.

                                       _________________________

                                 Kriegsfurcht und Reisesaison.

       Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die

    Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-

    halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-

    mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Auslände, vor

    allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch

    für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.

    Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen

    Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wir-

    den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen

    Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine

    Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer

    eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-

    orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-

    sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in

    übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch

    immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue

    starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.

    Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-

    schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw. , an den Ort

    ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden

    aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-

    siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die

    kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,

    von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.

    Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in

    den letzten Tagen de Fall ist, so wird auch das Gros der noch

    ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-

    mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für

    die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-

    tungen, düe die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,

    Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-

    leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für

    alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu

    ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-

    gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine

    Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-

    führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und

    Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf

    einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese

    beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so

    rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist

    gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach

    diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-

    sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht

    bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen

    der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie

    gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-

    renden Gewerbe und Berufe.


  • August 12, 2017 16:37:16 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.

                           Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                          Wien, 29. Juli.

       Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

    traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

    der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

    nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

    serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

    auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

    zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

    mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

    sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

    Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

    serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

    am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

    Verhaftung verfügt habe.

                           Ein Manifest des Zaren angekündigt.

                                                                                       Paris, 30. Juli.

       An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-

    burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen

    Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-

    meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung

    eines Manifestes des Zaren.

                                       _________________________




  • August 12, 2017 16:32:16 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.

                           Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                          Wien, 29. Juli.

       Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

    traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

    der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag

    nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

    serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

    auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

    zweifelhafter Weise festgestellt,  daß der angebliche Vujakowitsch

    mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic)  identisch ist,  dessen 

    sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische 

    Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die

    serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch

    am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine

    Verhaftung verfügt habe.


  • August 12, 2017 16:18:20 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.

                           Der Attentats-Major in Freiheit.

                                                                          Wien, 29. Juli.

       Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag

    traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,

    der sich im Hotel als Major Bujakowitsch ausgab und am Montag

    nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen

    serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn

    auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-

    zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Bujakowitsch

    mit dem Major Vojo 


  • August 12, 2017 16:06:16 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.



  • August 12, 2017 16:05:35 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.

                                    Spanien wird nervös.

                                                                          Madrid, 30. Juli.

       Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-

    nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in

    die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)

    sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen

    spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den

    Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu

    begeben.



  • August 12, 2017 15:59:17 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.


  • August 12, 2017 15:58:23 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.

                              Italien für die Dreibundpolitik.

       Rom, 30. Juli.  Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem

    Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-

    esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-

    bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten

    gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.


  • August 12, 2017 15:53:35 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.

                                     Holland bleibt neutral.

                                                                          Amsterdam, 30. Juli.

       Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-

    lande während des österreichisch-serbischen Krieges

    streng neutral bleiben.


  • August 12, 2017 15:50:29 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik

       In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen

    für Serbien und die Tripleentente statt.


  • August 12, 2017 15:47:03 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.

                         Revolutionäre Unruhen in Warschau?

                                                                                        Wien, 30. Juli. 

       Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine

    revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.

    Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem

    heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der

    Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in

    den Streik. 


  • August 12, 2017 15:39:21 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.

                                                                                      Wien, 30. Juli.

       Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an

    Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und

    dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.

    Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen

    patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär

    war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee

    für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat

    sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen

    Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-

    artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im 

    Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine

    Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-

    daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-

    meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.


  • August 12, 2017 15:24:48 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.



  • August 12, 2017 15:24:36 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


     3. Spalte 

    für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der

    erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte

    auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten

    und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei

    andere Frauen erheblich verletzt.



  • August 12, 2017 15:20:32 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


  • August 12, 2017 15:19:57 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.

       Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.

    Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-

    servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer

    Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-

    stelle,  die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen

    Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden

    zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600

    Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren

    eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-

    suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich

    ihrer Wärme,-  Licht- und chemischen Intensität und zum anderen

    hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der

    Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des

    Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des

    weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das

    Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren

    Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von

    Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll

    sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-

    logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon

    berührt wird.


  • August 12, 2017 15:00:12 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

       Eine Erinnerung an 1848.  Ein Grenadier des Kaiser-

    Franz-Regiments, er am 18. März 1848 als Wachtposten

    vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken

    König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-

    stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments

    nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in

    der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

    "Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem

    Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-

    mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848

    in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken 

    ehrt  König Friedrich Wilhelm  IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,

    die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier

    Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-

    säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow

    und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-

    graben.


  • August 12, 2017 14:49:25 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 

    Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-

    langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-

    mann * Erlangen beraten und unterstützt werden wird.


  • August 10, 2017 22:18:33 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der

     Fortsetzung 2. Spalte unten 


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 


  • August 10, 2017 22:17:12 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

                                                                                            Wien, 30. Juli.

       Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,

    namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse

    ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.

    Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise

     Fortsetzung 3. Spalte 

    ===============================================================?=

     Fortsetzung von 1. Spalte 


  • August 10, 2017 22:12:57 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                         Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.

                     Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.

    Wien, 30. Juli.


  • August 10, 2017 22:11:59 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.

                    Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.

                                                                                          Wien, 30. Juli. 

       Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser

    seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-

    kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der

    Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.

       Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-

    völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der

    Herrscher- und Vaterlandsliebe.


  • August 10, 2017 22:03:22 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.

       Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom

    König empfangen.


  • August 10, 2017 22:02:36 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.


  • August 10, 2017 22:01:45 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-

    ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.

    Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord

    Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister

    Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt

    hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische

    Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.


  • August 10, 2017 21:56:43 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.

       Von wem befürchtet denn England angegriffen zu

    werden?

                 Asquith über die englischen Friedensbemühungen.

                                                                                          London, 30. Juli.

       Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,

    die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische

    Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,

    um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung

    der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.

    Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der

    ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,

    der große europäische Krieg?" In der City haben fünf

    Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow

    werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.


  • August 10, 2017 21:47:38 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.

                  Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.

                                                                                        Malta, 30. Juli.

       Die englische Mittelmeerflotte soll heute

    hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-

    troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-

    len und Proviant übernehmen kann.

                                                                                         London, 30. Juli.

       Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine

    Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-

    sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich

    Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in

    der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei

    keine Mobilisierung angeordnet worden.



  • August 10, 2017 21:38:44 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.




  • August 10, 2017 21:37:24 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.

                                                                                         Paris, 30. Juli.

       Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer

    mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-

    regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-

    kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische

    Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen

    die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf

    Weiterbeförderung warten.




  • August 10, 2017 21:31:47 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincaré.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.




  • August 10, 2017 21:30:41 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincare.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincare empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.




  • August 10, 2017 21:29:37 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 

                       Das Kabinett nachts bei Poincare.

                                                                                        Paris, 30. Juli.

       Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine

    Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren

    seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-

    sidenten Poincare empfangen. Die Minister unterbreiteten dem

    Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-

    stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.




  • August 10, 2017 21:18:27 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 



  • August 10, 2017 21:18:17 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung

    über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 



  • August 10, 2017 21:17:35 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.

       Paris, 30. Juli.   Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen

    hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des

    Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Ungerredung

    über die Möglichkeiten ener Lokalisierung des

    österreichiscn-serbischen Konfliktes. 



  • August 10, 2017 21:10:51 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


     2. Spalte 

                                                                                           Paris, 30. Juli.

       Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-

    mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf

    den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die

    nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.



  • August 10, 2017 21:01:36 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


  • August 10, 2017 21:01:02 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.

                                               _______________________

       Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische

    Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-

    schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-

    schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der

    durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der

    Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der


  • August 10, 2017 20:54:11 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte. 

    Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-

    den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische

    Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen

    Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der

    neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei

    Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt

    hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,

    für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-

    wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue

    Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker

    einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.


  • August 10, 2017 20:46:19 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

    ============================================================

                                     Die Sonne in der Bogenlampe.

                      Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.

                                                                                        Breslau, 30. Juli.

       In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-

    sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch

    seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer

    Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend

    einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-

    schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der

    effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat

    ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-

    lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur

    von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-

    lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht

    darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck 

    brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut

    wie keine elektrischen Lichtbogen bildete,  bedurfte es lang-

    wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig

    zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"

    oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere

    Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke

    (bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine

    dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.


  • August 10, 2017 20:28:43 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincarés in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

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  • August 10, 2017 20:27:29 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.

                                       Die Ankunft Poincares in Paris.

                                                                                          Paris, 30. Juli. 

       Präsident Poincare ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten

    auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem

    russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das

    Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

       Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident

    Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter

    Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter

    Iswolski.

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  • August 10, 2017 20:18:40 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.



  • August 10, 2017 20:14:23 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.



  • August 9, 2017 21:00:01 Beate Jochem

     item 6 


     1. Spalte 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.



  • August 9, 2017 20:57:15 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

                                                                            Budapest, 30. Juli.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.



  • August 9, 2017 20:54:43 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.

                               Einnahme Belgrads.

        Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer

    in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der

    Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-

    noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als

    Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment

    serbischen Boden.  Die Belgrader Bevölkerung war

    bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-

    personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den

    einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant

    Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-

    lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-

    wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-

    krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle

    wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die

    Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf

    Belgrad ausgedehnt wurde.



  • August 9, 2017 20:03:17 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.



  • August 9, 2017 20:01:53 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.

                            Der Erfolg der Beschießung.

                                                                              Athen, 30. Juli.

       Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige

    Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind

    zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt- 

    viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das

    Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die

    Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind

    beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei

    Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-

    folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein

    Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-

    ständig unterbrochen.



  • August 9, 2017 19:53:43 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.



  • August 9, 2017 19:50:29 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.



  • August 9, 2017 19:48:52 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,

    sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-

    rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-

    tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren

    beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und

    Verwundete, und die Serben mußten zurück.

    Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr

    begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor

    Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.

    Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der

    Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er

    fährt langsam dicht an den Schanzen und der

    Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.

    Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den

    Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen

    Schanzen wieder stark von serbischer Infan-

    terie bestzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des

    Schleppers den Zweck, die serbischen  Stellungen zu er-

    kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von

    den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der

    "Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem

    Avisoboot der Donauflottilie. Auch der Kommandant

    dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Angeln des

    Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.



  • August 9, 2017 19:37:31 Beate Jochem

     

     item 6 

    Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und

    einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie

    heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die

    Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht

    leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.

                                  Nächtlicher Kampf.

    Semlin, 30. Juli

       Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,

    die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-

    werfers eines Monitors, der beständig die Brücken



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15725 / 166516
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Karl Döbling
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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