Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 6
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
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Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
Der Attentats-Major in Freiheit.
Wien, 29. Juli.
Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag
traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,
der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag
nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen
serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn
auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-
zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Vujakowitsch
mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic) identisch ist, dessen
sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische
Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die
serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch
am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine
Verhaftung verfügt habe.
Ein Manifest des Zaren angekündigt.
Paris, 30. Juli.
An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-
burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen
Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-
meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung
eines Manifestes des Zaren.
_________________________
Kriegsfurcht und Reisesaison.
Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die
Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-
halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-
mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Ausländer, vor
allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch
für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.
Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen
Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wor-
den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen
Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine
Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer
eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-
orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-
sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in
übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch
immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue
starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.
Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-
schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw., an den Ort
ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden
aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-
siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die
kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,
von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.
Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in
den letzten Tagen der Fall ist, so wird auch das Gros der noch
ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-
mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für
die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-
tungen, für die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,
Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-
leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für
alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu
ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-
gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine
Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-
führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und
Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf
einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese
beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so
rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist
gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach
diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-
sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht
bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen
der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie
gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-
renden Gewerbe und Berufe.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
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Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
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Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
Der Attentats-Major in Freiheit.
Wien, 29. Juli.
Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag
traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,
der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag
nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen
serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn
auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-
zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Vujakowitsch
mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic) identisch ist, dessen
sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische
Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die
serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch
am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine
Verhaftung verfügt habe.
Ein Manifest des Zaren angekündigt.
Paris, 30. Juli.
An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-
burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen
Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-
meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung
eines Manifestes des Zaren.
_________________________
Kriegsfurcht und Reisesaison.
Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die
Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-
halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-
mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Ausländer, vor
allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch
für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.
Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen
Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wor-
den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen
Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine
Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer
eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-
orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-
sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in
übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch
immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue
starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.
Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-
schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw., an den Ort
ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden
aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-
siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die
kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,
von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.
Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in
den letzten Tagen der Fall ist, so wird auch das Gros der noch
ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-
mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für
die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-
tungen, für die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,
Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-
leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für
alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu
ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-
gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine
Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-
führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und
Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf
einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese
beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so
rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist
gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach
diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-
sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht
bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen
der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie
gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-
renden Gewerbe und Berufe.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
Der Attentats-Major in Freiheit.
Wien, 29. Juli.
Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag
traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,
der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag
nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen
serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn
auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-
zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Vujakowitsch
mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic) identisch ist, dessen
sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische
Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die
serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch
am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine
Verhaftung verfügt habe.
Ein Manifest des Zaren angekündigt.
Paris, 30. Juli.
An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-
burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen
Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-
meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung
eines Manifestes des Zaren.
_________________________
Kriegsfurcht und Reisesaison.
Aus zahlreichen Bädern und Kurorten trifft die
Nachricht ein, daß die Besucher in Scharen ihren Aufent-
halt abkürzen und so schleunig wie möglich in die Hei-
mat zurückreisen. Das gilt vor allem für die Auslände, vor
allem für die Oesterreicher und Ungarn, weiter aber auch
für die Russen, die deutsche Bäder ziemlich stark frequentieren.
Aber auch Deutsche, die sich in Tirol oder in böhmischen
Bädern aufhalten, kommen zurück. Ebenso ist beobachtet wir-
den, daß die Kriegsfurcht viele Geschäftsleute aus deutschen
Kurorten nach Hause treibt - kurz, es hat eine allgemeine
Abkürzung der Reise- und Erholungsdauer
eingesetzt, die für die wirtschaftliche Lage der Kur- und Bade-
orte sehr nachteilig wirken muß. Denn wenn auch die Be-
sucherzahl noch nicht so scharf zurückgegangen ist, wie es in
übertriebener Weise schon dargestellt wurde, so muß man doch
immerhin damit rechnen, daß der August, der sonst eine neue
starke Welle an Besuchern bringt, dieses Jahr versagen wird.
Die politische Lage ist derart ernst, daß namentlich die Ge-
schäftswelt, aber auch die Beamten, Offiziere usw. , an den Ort
ihres Berufes gebunden bleiben. Der Zustrom der Fremden
aber, mit dem wir sonst rechnen, wird ebenfalls merklich ver-
siegen, so daß in der Tat die diesjährige Reisesaison, die
kräftig eingesetzt hatte, eine jähe Schwächung erleidet,
von der sie sich in diesem Jahre nicht mehr ganz erholen wird.
Kommt nun noch hinzu, daß das Wetter versagt, wie es in
den letzten Tagen de Fall ist, so wird auch das Gros der noch
ausharrenden Besucher sich ebenfalls noch merklich ver-
mindern. Daß dadurch ein gewaltiger Schaden für
die betroffenen Orte, für die Bade- und Kurverwal-
tungen, düe die Hotels und Pensionen, für die Vergnügungs-,
Theater- und Konzertunternehmungen, für die Ärzte, Kauf-
leute, Handwerker und für deren Angestellte, schließlich für
alle Bewohner der betroffenen Orte entsteht, das ist leicht zu
ersehen. Am schlimmsten daran sind aber zweifellos die An-
gestellten und Arbeiter, da die erste Maßregel eine
Verringerung des Personals ist, die sich am raschesten durch-
führen läßt. Vor allem wird das Kellner-, das Zimmer- und
Küchenpersonal verringert werden, und die Hoffnung auf
einen guten Saisonverdienst ist jäh abgeschnitten. Für diese
beschäftigunglos werdenden Kräfte findet sich jetzt nicht so
rasch eine andere Stellung. Auch in den Großstädten ist
gerade für diese Berufe jetzt um so weniger zu tun, als auch nach
diesen der Fremdenstrom, der sonst gerade im August be-
sonders stark zu sein pflegt, rasch nachlassen wird. Vielleicht
bekommt kein anderer Zweig des Erwerbslebens die Wirkungen
der Kriegsfurcht so rasch und so allgemein zu spüren wie
gerade die auf dem Reise-, Erholungs- und Badeverkehr basie-
renden Gewerbe und Berufe.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
Der Attentats-Major in Freiheit.
Wien, 29. Juli.
Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag
traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,
der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag
nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen
serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn
auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-
zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Vujakowitsch
mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic) identisch ist, dessen
sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische
Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die
serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch
am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine
Verhaftung verfügt habe.
Ein Manifest des Zaren angekündigt.
Paris, 30. Juli.
An den Nachrichten liegt heute morgen die Meldung aus Peters-
burg vor, in der es heißt, Rußland bleibe bei dem festen
Entschluß, Serbien zu verteidigen. Weiter wird ge-
meldet, man erwartet heute am 29. abends die Veröffentlichung
eines Manifestes des Zaren.
_________________________
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
Der Attentats-Major in Freiheit.
Wien, 29. Juli.
Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag
traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,
der sich im Hotel als Major Vujakowitsch ausgab und am Montag
nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen
serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn
auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-
zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Vujakowitsch
mit dem Major Vojo Tankowitsch (sic) identisch ist, dessen
sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische
Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die
serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch
am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine
Verhaftung verfügt habe.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
Der Attentats-Major in Freiheit.
Wien, 29. Juli.
Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Sonntag
traf hier mit der Bahn ein serbischer Offizier mit Frau ein,
der sich im Hotel als Major Bujakowitsch ausgab und am Montag
nach Odessa weiterreiste. Durch Personen, welche diesen
serbischen Offizier von früher her kennen und die ihn
auch während seines Aufenthaltes in Saloniki ansprachen, ist in un-
zweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Bujakowitsch
mit dem Major Vojo
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
Spanien wird nervös.
Madrid, 30. Juli.
Die öffentliche Meinung Spaniens hat die Ueberzeugung gewon-
nen, daß bei weiterer Zuspitzung der Ereignisse Spanien sich in
die Folgen des österreichisch-serbischen Konflikts verwickelt (??)
sehen würde. Die spanische Regierung hat den disponiblen
spanischen Kriegsschiffen auf telegraphischem Wege den
Befehl erteilt, sich sofort nach den Balearischen Inseln zu
begeben.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
Italien für die Dreibundpolitik.
Rom, 30. Juli. Die offiziöse "Tribuna" nimmt in einem
Leitartikel offen Partei für die Dreibundpolitik. Das Inter-
esse Italiens liege heute darin, daß es loyal und voll zum Drei-
bund halte und so viel wie möglich die benachbarten Verbündeten
gegen Angriffe und Intrigen unterstütze und verteidige.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
Holland bleibt neutral.
Amsterdam, 30. Juli.
Das Amtsblatt veröffentlichte eine Erklärung, daß die Nieder-
lande während des österreichisch-serbischen Krieges
streng neutral bleiben.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
In Petersburg, Moskau und Odessa fanden große Kundgebungen
für Serbien und die Tripleentente statt.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
Revolutionäre Unruhen in Warschau?
Wien, 30. Juli.
Die "Arbeiterzeitung" meldet aus Warschau, daß dort eine
revolutionäre Arbeiterbewegung im Gange sei.
Eine große Demonstration der Arbeiterschaft führte zu einem
heftigen Handgemenge zwischen Gendarmerie, Militär und der
Menge. Schon vor zwei Tagen traten 25 000 Arbeiter in
den Streik.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
Wien, 30. Juli.
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen die bisherigen weit an
Stärke und Kriegsbegeisterung. Vor dem Deutschmeisterdenkmal und
dem Kriegsministerium fanden förmliche Verbrüderungsszenen statt.
Auch in den Provinzhauptstädten erreichten die Kundgebungen
patriotischer Begeisterung gestern ihren Höhepunkt. Das Militär
war Gegenstand stürmischer Kundgebungen. Das Landeskomitee
für wirtschaftliche Mobilisierungsvorsorgen hat
sich bis auf weiteres in Permanenz erklärt. In der heutigen
Sitzung wurde festgestellt, daß für die hauptsächlichsten Konsum-
artikel kein Anlaß zu Preissteigerungen besteht. Im
Wiener Gemeinderat kündigte der Bürgermeister an, daß eine
Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Sol-
daten und deren Familien errichtet worden sei, und daß der Ge-
meinderat sich mit 50 000 Kronen an die Spitze der Sammlung stelle.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
3. Spalte
für Kartoffeln, grünes Gemüse usw. verlangten, wurden von der
erbitterten Menge der Buden demoliert und die Vorräte
auf die Straße geworfen. Wiederholt mußte die Wache einschreiten
und verhaftete zwei Frauen. Bei den Tumulten wurden zwei
andere Frauen erheblich verletzt.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt wird.
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, der am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
Ein meteorologisches Observatorium in Oberhof.
Das Projekt eines physikalisch-meteorologischen Ob-
servatoriums in Oberhof sieht, wie unser Thüringer
Korrespondent schreibt, seiner Verwirklichung entgegen. Die Zentral-
stelle, die zur Errichtung des Instituts gebildet ist, hat jetzt einen
Aufruf erlassen. Das Observatorium soll danach eine Mitte bilden
zwischen den Observatorien im Ostseebad Kolberg und in dem 1600
Meter hoch gelegenen Orte Davos. Zur Erforschung der Heilfaktoren
eines Ortes in der Höhenlage von 800 Metern sollen vor allem Unter-
suchungen der Sonnenstrahlen angestellt werden,einmal hinsichtlich
ihrer Wärme,- Licht- und chemischen Intensität und zum anderen
hinsichtlich der Polarisation und Durchlässigkeit der Strahlen, der
Farbzusammensetzung des Gesamt- und des diffusen Lichtes, des
Einflusses der Bewölkung auf die Strahlung und anderes mehr. Des
weiteren sollen Untersuchungen vorgenommen werden über das
Potentialgefälle und die Leitfähigkeit der Luft sowie über ihren
Staub-, Ozon- und Kohlensäuregehalt. Radioaktive Messungen von
Luft, Wasser und Erde sollen sich daran anschließen. Endlich soll
sich das Observatorium auch in den Dienst der physikalisch-meteoro-
logischen Wissenschaft stellen, soweit die moderne Luftschiffahrt davon
berührt wird.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
Eine Erinnerung an 1848. Ein Grenadier des Kaiser-
Franz-Regiments, er am 18. März 1848 als Wachtposten
vor dem Gebäude der Reichsbank getötet wurde und dessen Andenken
König Friedrich Wilhelm IV. geehrt hat, wird zur bevor-
stehenden Hundertjahrfeier des genannten Regiments
nicht vergessen werden. Am Gebäude der Reichsbank in
der Jägerstraße befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
"Grenadier Theyssen vom Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem
Kreise Cochem, Regierungsbezirk Koblenz, fiel hier durch Meuchel-
mord als erstes Opfer der Revolution in Berlin am 18. März 1848
in Erfüllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken
ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dies ist die einzige Gedenktafel,
die ein preußischer König in Berlin gestiftet hat. Der Grenadier
Theyssen liegt auf dem kleinen Soldatenfriedhof um die Invaliden-
säule nahe der Scharnhorststraße neben dem Leutnant v. Zastrow
und 17 anderen am 18.März 1848 gefallenen Militärpersonen be-
graben.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
Historischen Kommission Privatdozent Dr. Würschmidt in Er-
langen betraut, der dabei von Geheimrat Professor Eilh. Wiede-
mann * Erlangen beraten und unterstützt werden wird.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
Fortsetzung 2. Spalte unten
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
Auf den Lebensmittelmärkten spielten sich gestern vormittag,
namentlich in den äußeren Bezirken Wiens, größere Exzesse
ab, die wiederholt das Einschreiten der Wache erforderlich machten.
Mehreren Verkäufern, die ganz willkürlich hohe Preise
Fortsetzung 3. Spalte
===============================================================?=
Fortsetzung von 1. Spalte
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
Exzesse auf den Wiener Lebensmittelmärkten.
Wien, 30. Juli.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
Rückkehr Kaiser Franz Josephs nach Wien.
Wien, 30. Juli.
Zum zweiten Mal unterbricht in diesem Jahre der Kaiser
seinen Aufenthalt in Ischl, um in die Residenz zurückzu-
kehren. Die Nachricht von der Ankunft des Monarchen hat in der
Stadt unbeschreiblichen Jubel hervorgerufen.
Die Begrüßung des greisen Monarchen durch die Wiener Be-
völkerung gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der
Herrscher- und Vaterlandsliebe.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
Marineminister Churchill wurde gestern nachmittag vom
König empfangen.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
London, 30. Juli.
Der Ministerrat ist gestern vormittag um 11 Uhr 30 Minu-
ten zusammengetreten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden.
Marineminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord
Haldane blieben noch einige Zeit mit Premierminister
Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt
hatten. Während der Kabinettsitzung stattete der französische
Botschafter dem Ministerium des Äußern einen Besuch ab.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
Von wem befürchtet denn England angegriffen zu
werden?
Asquith über die englischen Friedensbemühungen.
London, 30. Juli.
Asquith gab im Unterhause eine Erklärung ab. Er sagte,
die Situation sei von äußerstem Ernst und die englische
Regierung tue alles, was in ihren Kräften steht,
um den Krieg zu lokalisieren. Die plötzliche Verschärfung
der europäischen Lage hat in London größte Bestürzung hervorgerufen.
Wo man hinkommt, in den Tramwagen, in den Autobussen, wie in der
ganzen City hört man nur die eine Frage: "Wird der Krieg kommen,
der große europäische Krieg?" In der City haben fünf
Bankfirmen die Zahlungen eingestellt, und auch aus Glasgow
werden drei Konkurse von Bankfirmen gemeldet.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
Konzentrierung der englischen Mittelmeerflotte.
Malta, 30. Juli.
Die englische Mittelmeerflotte soll heute
hier eintreffen. Es werden energische Vorbereitungen ge-
troffen, damit die Flotte sofort nach ihrer Ankunft Koh-
len und Proviant übernehmen kann.
London, 30. Juli.
Amtlich wird gemeldet, daß die militärischen Behörden keine
Maßregeln getroffen haben, die den Charakter einer Mobili-
sierung tragen. Die Befehle, die gegeben wurden, seien lediglich
Vorsichtmaßregeln defensiven Charakters. Die Maßregeln in
der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln, es sei
keine Mobilisierung angeordnet worden.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
Paris, 30. Juli.
Die Bevölkerung an der französischen Ostgrenze wird immer
mehr von Unruhe erfaßt. In Nancy hat die allgemeine Er-
regung zu einem Sturm auf Bankfilialen und Spar-
kassen geführt. Das Publikum weigerte sich, französische
Banknoten anzunehmen. Da der Zugverkehr stockt, müssen
die aus dem Urlaub zurückberufenen Soldaten oft stundenlang auf
Weiterbeförderung warten.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincaré.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincaré empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincare.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincare empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Viviani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
Das Kabinett nachts bei Poincare.
Paris, 30. Juli.
Ministerpräsident Viviani hatte gestern abend um 10 Uhr eine
Besprechung im Ministerium des Inneren mit mehreren
seiner Kollegen. Darauf wurde das Kabinett vom Prä-
sidenten Poincare empfangen. Die Minister unterbreiteten dem
Präsidenten eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nacht-
stunde im Auswärtigen Amt noch eingelaufen waren.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Unterredung
über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
Paris, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen
hatte gestern vormittag mit dem stellvertretenden Minister des
Aeußeren Bienvenu-Martin neuerdings eine Ungerredung
über die Möglichkeiten ener Lokalisierung des
österreichiscn-serbischen Konfliktes.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
2. Spalte
Paris, 30. Juli.
Die französische Regierung erklärt, daß sie ihre Be-
mühungen um die Beilegung des Konfliktes fortsetzte und auf
den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, damit es begreife, daß die
nationale Einmütigkeit niemals vollständiger als jetzt sein müßte.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
_______________________
Abschluß der "Geschichte" der Wissenschaften. Die Historische
Kommission an der bayerischen Akademie der Wissen-
schaften will jetzt das Unternehmen der Geschichte der Wissen-
schaften zum Abschluß bringen. Es fehlt noch die Vollendung der
durch den Tod Professor Gerlands verwaisten Geschichte der
Physik. Mit dieser wurde in der letzten Plenarversammlung der
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
============================================================
Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
Bis jetzt erreichte die Kratertemperatur der in freier Luft brennen-
den Bogenlampe 4200 Grad absolut (nach Lummer die höchste irdische
Temperatur). Diese Temperatur ist nun durch die Lummerschen
Versuche um mindestens 3000 Grad überschritten worden. Von der
neuen Entdeckung, die Professor Lummer in einem demnächst bei
Vieweg u. Sohn in Braunschweig erscheinenden Buch niedergelegt
hat, verspricht man sich vor allem große Vorteile für die Industrie,
für die Laboratorien und chemischen Fabriken; auch im Beleuchtungs-
wesen, besonders bei den Scheinwerfern der Marine dürfte die neue
Leuchtkraft von großer Bedeutung sei. Doch warnte der Entdecker
einstweilen selbst vor allzu großen Hoffnungen.
-
item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
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Die Sonne in der Bogenlampe.
Eine neue Errungenschaft Professor Lummers.
Breslau, 30. Juli.
In der naturwissenschaftlichen Sektion der Schlesischen Ge-
sellschaft für vaterländische Kultur hielt der durch
seine Entdeckung der Verflüssigung der Kohle bekannte Breslauer
Physiker, Geheimrat Professor Dr. Otto Lummer gestern abend
einen überaus interessanten Vortrag über seine neuesten For-
schungsresultate auf dem Gebiete der Herstellung der
effektiven Sonnentemperatur. Der Vortragende hat
ein Verfahren ersonnen, durch das er die Temperatur des Bogen-
lampenkraters nicht nur bis zur effektiven Sonnentemperatur
von etwa sechstausend Grad steigern kann, sondern noch erheb-
lich darüber hinaus. Das Lummersche Verfahren besteht
darin, die Bogenlampe unter erhöhten äußeren Druck
brennen zu lassen. Da Reinkohle bei relativ hohem Druck so gut
wie keine elektrischen Lichtbogen bildete, bedurfte es lang-
wieriger Versuche, um eine geeignete Kohle ausfindig
zu machen, die die von Lummer definierten "wahren"
oder "wirklichen" Lichtbogen lieferte und die für längere
Zeit ihre maximale Leuchtkraft bei jedem der versuchten Ueberdrucke
(bis zu 22 Atmosphären) auf den Krater ausübte und diesen auf eine
dem jeweiligen Ueberdruck entsprechende erhöhte Temperatur steigerte.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincarés in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincaré ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
Die Ankunft Poincares in Paris.
Paris, 30. Juli.
Präsident Poincare ist heute mittag um 1 Uhr 20 Minuten
auf dem Nordbahnhof eingetroffen und von den Ministern und dem
russischen Botschafter Iswolski empfangen worden. Das
Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang.
Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte Ministerpräsident
Vivrani Unterredungen mit dem deutschen Botschafter
Freiherrn v. Schoen und dem russischen Botschafter
Iswolski.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
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item 6
1. Spalte
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
-
item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Budapest, 30. Juli.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
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item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
Einnahme Belgrads.
Die Oesterreicher haben Belgrad besetzt. Nach einer
in den Straßen angeschlagenen Kundgebung sind bei der
Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szol-
noker 68. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als
Erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment
serbischen Boden. Die Belgrader Bevölkerung war
bis auf 30 000 bis 40 000 Mann geflüchtet. Von Amts-
personen war nur der Bürgermeister zugegen, der den den
einmarschierenden Truppen befehlenden Oberstleutnant
Leben und Vermögen der in der Stadt gebliebenen fried-
lichen Bevölkerung anempfahl. Der Oberstleutnant ant-
wortete: Keinem friedlichen Bürger werde ein Haar ge-
krümmt werden! Bis mittags hatten die Truppen alle
wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die
Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf
Belgrad ausgedehnt wurde.
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item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
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Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
Der Erfolg der Beschießung.
Athen, 30. Juli.
Aus Nisch sind hier Nachrichten über das gestrige
Bombardement von Belgrad eingetroffen. Danach sind
zahlreiche Bomben in verschiedene Stadt-
viertel gefallen, zwei Granaten schlugen in das
Lyzeum ein, ein Schrapnell in das Grand Hotel. Die
Französisch-Serbische Bank und viele andere Gebäude sind
beschädigt. Ein Artillerieduell entspann sich bei
Wichnitza, fünf Kilometer von Belgrad entfernt. In-
folge des Kampfes an der Savebrücke wurde ein
Brückenpfeiler gesprengt. Der Verkehr ist voll-
ständig unterbrochen.
-
item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
-
item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie besetzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottille. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Kugeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
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item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken bewacht,
sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vor-
rücken. Die Serben wurden durch die österreichische Ar-
tillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren
beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und
Verwundete, und die Serben mußten zurück.
Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr
begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. Zwei der vor
Semlin liegenden Monitore warfen los und verschwanden.
Dafür erscheint der Schlepper "Alkotmany" auf der
Donau und wagt sich auf serbisches Gebiet hinüber. Er
fährt langsam dicht an den Schanzen und der
Stadt Belgrad vorbei und kehrt dann wieder zurück.
Die Serben eröffnen ein wütendes Feuer auf den
Dampfer, und man kann feststellen, daß die zerschossenen
Schanzen wieder stark von serbischer Infan-
terie bestzt sind. Offenbar hatte die kühne Fahrt des
Schleppers den Zweck, die serbischen Stellungen zu er-
kunden. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers sind von
den serbischen Kugeln tödlich getroffen worden. Der
"Alkotmany" war von einem kleinen Boot begleitet, einem
Avisoboot der Donauflottilie. Auch der Kommandant
dieses Kriegsfahrzeugs, das sich mutig den Angeln des
Feindes ausgesetzt hat, soll gefallen sein.
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item 6
Auf der Kriegsinsel sollen aber bereits drei Tote und
einige Verwundete liegen. Man will versuchen, sie
heute zu bergen. An diesem ersten Tage haben sich die
Oesterreicher in einem wenn auch kleinen, so doch nicht
leichten Kampfe mit mutigem Elan geschlagen.
Nächtlicher Kampf.
Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals,
die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Schein-
werfers eines Monitors, der beständig die Brücken
Description
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Berlin, Saalfeld, Leipzig
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- ID
- 15725 / 166516
- Contributor
- Karl Döbling
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