Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 2
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item 2
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
____________________
Arbeiterbewegung
* An die Mitglieder der Gewerk-
schaften! Alle Bemühungen der organisierten
Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,
den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-
geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-
wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit
seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut
ist über die Kulturnationen hereingebrochen.
Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-
feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-
losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie
gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser
ernsten Stunde richtet die Generalkommission
der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage
der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-
stände den Appell an die Mitglieder der Ge-
werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,
um die dringend notwendige Fortsetzung der
Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die
Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst
ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd
können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,
wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach
wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch
die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß
die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen
weitergezahlt werden. Die Gewerkschaften wer-
den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften
steht, die bitterste Not der Mitglieder und
ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten
aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,
daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der
Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne
herabzudrücken und unwürdige Anforderungen
an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir
hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-
sationen steht und sie über eine Zeit der
schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die
Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter
Treue bewährt. Berlin, den 2. August 1914.
Die General-Kommission der Gewerkschaften
Deutschlands.
_________________________
Aus Sachsen=Meiningen.
- Saalfeld. Gestern abend trat der
Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache
nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-
schlossen, eine Kommission zu wählen, der die
Erledigung aller die Gemeinde angehenden
durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse
obliegt. Der Kommission werden angehören:
vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-
scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,
Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
____________________
Arbeiterbewegung
* An die Mitglieder der Gewerk-
schaften! Alle Bemühungen der organisierten
Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,
den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-
geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-
wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit
seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut
ist über die Kulturnationen hereingebrochen.
Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-
feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-
losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie
gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser
ernsten Stunde richtet die Generalkommission
der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage
der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-
stände den Appell an die Mitglieder der Ge-
werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,
um die dringend notwendige Fortsetzung der
Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die
Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst
ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd
können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,
wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach
wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch
die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß
die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen
weitergezahlt werden. Die Gewerkschaften wer-
den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften
steht, die bitterste Not der Mitglieder und
ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten
aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,
daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der
Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne
herabzudrücken und unwürdige Anforderungen
an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir
hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-
sationen steht und sie über eine Zeit der
schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die
Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter
Treue bewährt. Berlin, den 2. August 1914.
Die General-Kommission der Gewerkschaften
Deutschlands.
_________________________
Aus Sachsen=Meiningen.
- Saalfeld. Gestern abend trat der
Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache
nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-
schlossen, eine Kommission zu wählen, der die
Erledigung aller die Gemeinde angehenden
durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse
obliegt. Der Kommission werden angehören:
vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-
scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,
Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
____________________
Arbeiterbewegung
* An die Mitglieder der Gewerk-
schaften! Alle Bemühungen der organisierten
Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,
den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-
geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-
wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit
seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut
ist über die Kulturnationen hereingebrochen.
Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-
feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-
losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie
gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser
ernsten Stunde richtet die Generalkommission
der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage
der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-
stände den Appell an die Mitglieder der Ge-
werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,
um die dringend notwendige Fortsetzung der
Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die
Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst
ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd
können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,
wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach
wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch
die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß
die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen
weitergezahlt werden. Die Gewerkschaften wer-
den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften
steht, die bitterste Not der Mitglieder und
ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten
aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,
daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der
Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne
herabzudrücken und unwürdige Anforderungen
an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir
hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-
sationen steht und sie über eine Zeit der
schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die
Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter
Treue bewährt. Berlin, den 2. August 1914.
Die General-Kommission der Gewerkschaften
Deutschlands.
_________________________
Aus Sachsen=Meiningen.
- Saalfeld. Gestern abend trat der
Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache
nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-
schlossen, eine Kommission zu wählen, der die
Erledigung aller die Gemeinde angehenden
durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse
obliegt. Der Kommission werden angehören:
vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-
scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,
Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
____________________
Arbeiterbewegung
* An die Mitglieder der Gewerk-
schaften! Alle Bemühungen der organisierten
Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,
den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-
geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-
wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit
seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut
ist über die Kulturnationen hereingebrochen.
Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-
feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-
losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie
gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser
ernsten Stunde richtet die Generalkommission
der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage
der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-
stände den Appell an die Mitglieder der Ge-
werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,
um die dringend notwendige Fortsetzung der
Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die
Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst
ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd
können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,
wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach
wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch
die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß
die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen
weitergezahlt werden. Die Gewerkschaften wer-
den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften
steht, die bitterste Not der Mitglieder und
ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten
aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,
daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der
Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne
herabzudrücken und unwürdige Anforderungen
an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir
hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-
sationen steht und sie über eine Zeit der
schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die
Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter
Treue bewährt. Berlin, den 2. August 1914.
Die General-Kommission der Gewerkschaften
Deutschlands.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
____________________
Arbeiterbewegung
* An die Mitglieder der Gewerk-
schaften! Alle Bemühungen der organisierten
Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,
den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-
geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-
wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit
seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut
ist über die Kulturnationen hereingebrochen.
Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-
feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-
losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie
gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser
ernsten Stunde richtet die Generalkommission
der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage
der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-
stände den Appell an die Mitglieder der Ge-
werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,
um die dringend notwendige Fortsetzung der
Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
____________________
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast
überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk
gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse
statt. Sie haben sich für die Organisation
der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-
sichten über einzelne Bildungsaufgaben als
sehr nützlich erwiesen. - Einige Konferenzen
von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-
weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-
tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für
August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-
thekare Deutschlands in Aussicht genommen.
Die erste internationale Konferenz für das
Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand
im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten
waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-
gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-
dem waren Vertreter aus England, Frankreich
und Holland anwesend. Zur Sicherung der
ersten erfolgreichen Versuche in internationaler
Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-
biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda
in anderen Ländern soll eine zweite inter-
nationale Konferenz in Verbindung mit dem
internationalen Sozialistenkongreß in Wien
im August 1914 stattfinden.
_____________________
Aus der Partei.
* Aufgehobenes Verbot. Das Ver-
bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie
nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend
von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.
* Die Bibliothekar-Konferenz, die
der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum
8. August nach Leipzig einberufen hat, findet
nicht statt.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
4. Spalte
gehalten worden. Umständehalber konnte sie
allerdings erst im April stattfinden, so daß sie
eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu
der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-
ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,
sondern nur dann, wenn sie aus bestimmtem
Gründen notwendig sind. In diesem Jahre
wurde die Konferenz durch den Wunsch der
Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen
befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse
zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-
nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-
sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-
kanntzumachen.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
3. Konferenzen.
Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-
ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-
schüsse untereinander und mit dem Zentral-
bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-
scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in
der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.
Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen
Ueberblick über den Geschäftsverkehr des Zen-
tralbildungsausschusses, soweit er durch die
Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir
in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die
sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-
naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583
(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927
(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)
Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen
sind 525 (295) Karten, 3202 (3009) Briefe,
5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,
48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.
Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-
flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei be-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-
sation schon in dem wünschenswerten Maße.
In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine
gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse
mit der Bezirksorganisation der Partei bes-
steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter
Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts
leider noch oft.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen
des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen
sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-
schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-
schlagen wird.
2. Organisatorisches.
Die Organisation der Bildungsarbeit nach
Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im
wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-
kreise und Orte, in denen heute noch keine
Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-
sonderen Gründen davon absehen müssen.
Teilweise ist die politische Organisation noch
zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-
organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-
mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-
ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In
beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe
der Jahre des Fehlende schaffen.
mäßigkeitsgründe
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter
bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark
herum. Davon nehmen die Ausgaben für
wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg
Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen
kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich
an solchen Veranstaltungen immer nur ein
kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-
teiligt. Die verständnisvolle und gewissenhafte
Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen
setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger
Reife und von Willenskraft voraus. Eben
deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-
arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln
der Allgemeinheit. Die künstlerischen und
unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr
für größere Massen in Frage; sie sollen sich
in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für
sie Unterstützungen durch die Organisationen
in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-
nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die
Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,
so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche
Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-
wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-
vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,
dem "Kintopp" entzogen worden ist.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche
Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger
stengen Auffassung über den Charakter einer
künstlerischen Veranstaltung. Es ist den
Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,
den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen
Anlage nach von vornherein als solchen auf-
zufassen und einzurichten und seine heute be-
liebte Vermischung mit einem künstlerischen
Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-
ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck
sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines
nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.
Sonst wird er von vielen Besuchern nur als
überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt
dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückzuführen.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückgegangen.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
3.Spalte
Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-
ungen an die Kasse des Einzelnen und der
Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-
tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht
vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,
wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-
stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlicher
und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-
wachs auf, doch hat er keine besondere Be-
deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit
erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik
erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche
Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in
früheren Jahren aus verschiedenen Gründen
der statistischen Erhebung mehr oder weniger
entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von
Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen
Charakter zurückgegangen.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
Zur Erledigung der Schulangelegenheiten
haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.
Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus
waren Lehrer und Schüler zufrieden.
Zentralbildungsausschuß.
1. Allgemeines.
Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die
Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein
eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu
bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so
stark, wie er hätte sein können. Besonders die
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-
über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den
früheren Kursen von den Schülern öfter über
zu starke Belastung geklagt worden war. Die
Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-
jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden
hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,
Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-
schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa
Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-
schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf
deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte
des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-
ische Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das
Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-
recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-
mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-
technik (Schulz) 56 Stunden.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
_________________________
Bericht des Parteivorstandes
an den Parteitag zu Würzburg 1914.
VI.
Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-
wärts betrug
im letzten Geschäftsjahre . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.
im Vorjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 819 153,06 "
mithin weniger 51 204,38 Mk.
Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre
1913 folgendes Ergebnis:
a) Eingänge:
Abonnements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 406,80 Mk.
Inserate und Beilagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269,85 "
33 676,85 Mk.
Zuschuß der Buchhandlung
Vorwärts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100,39 "
33 777,04 Mk.
b) Ausgänge:
Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 713,91 Mk.
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 102,78 "
Druck und Buchbinderei . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 344,25 "
Expedition und Agitation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 545,30 "
Remittenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70,80 "
33 777,04 Mk.
Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember
1913 3574 Exemplare.
Parteischule.
(Achter Jahresbericht 1913/14.)
Der siebente Kursus der Parteischule (der
vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter
Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-
tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es
haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im
ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.
Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin
von den Bezirksorganisationen der Partei,
8 Genossen von den Zentralvorständen der
Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-
stelle für die arbeitende Jugend entsandt.
Unter den von den Bezirksorganisationen der
Partei entsandten -schülern befanden sich
7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-
beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei
Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,
Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und
Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum
ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.
Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen
22 und 40 Jahren.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
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1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerischen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Verpfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
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1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
2. Spalte
frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos
aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der
Preis des Mehles ist in den letzten Tagen
von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.
Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen
Gegenständen, insbesondere mit Salz. In
Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft
eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei
geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse
Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf
das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-
lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-
legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber
in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur
Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem
Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die
Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,
wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-
boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-
kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank
nahm eine noch empfindlichere Ehöhung vor.
Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,
daß während der Dauer von kriegerusíschen Ver-
wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-
mann gegen Vepfändung von Wertpapieren
oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-
halten kann.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
Von vielen Seiten kommen schon Meldungen
über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben
diese Entlassungen schon sehr großen Umfang
angenommen. Man verfährt dabei so rück-
sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-
kündigt und ihnen so wenigstens noch für die
Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;
sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-
setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich
einzelne Bankinstitute oder hier und da ein
Betieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-
pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-
berufung zum Militär einen Teil oder auch
den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der
anderen Seite macht sich die Lebensmittel-
steigerung immer härter fühlbar. Von denen,
die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-
zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte
förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten
zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten
und teilweise auch die Detailisten die Nach-
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen der Mobil-
machung.
-
1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-
ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen
Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-
gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage
gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?
Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-
wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen
auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,
der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-
barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt nicht
nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden
vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung
gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,
sondern seine Helfer würden den politischen
Mord verteidigen.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
Rechtslehrer Karl Binding über
den Krieg.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
Schanghai, 3. August. Der englische
Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-
laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.
Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und
der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung
angekommen. Die Engländer entfernten auf
ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-
teile der Geschütze und übergaben die Schiffe
einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach
Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen
gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in
Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer
"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden
als Hilfskreuzer armiert.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
Was geht vor?
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1. Spalte
Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
Ausweisung des russischen General-
konsuls in Hamburg.
Wie wir erfahren, haben die Hamburger
Behörden den dort residierenden russischen
Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-
lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-
deren russischen Konsuln in Deutschland die
gleiche Aufforderung erhalten werden.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-
Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
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ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
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bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des
Krieges beitragen.
Rumänien für den Dreibund!
Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel
über die Haltung Rumäniens im Falle eines
großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-
mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei
daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre
ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das
mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,
nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,
ein großes Rumänien zulassen würde. Das
würde bedeuten, daß es mit der einen Hand
zerstören würde, was es mit der anderen ge-
schaffen habe. Rumänien an die Reihe kom-
men. Darum würde es für Rumänien ein
wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es
eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle
annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen
Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-
tion.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
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Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-
merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an
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Krieges beitragen.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die
Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
Russische Spione an der Arbeit.
Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen
Nachrichten bereisen russische Offiziere und
Agenten in großer Zahl unser Land. Die
Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß
aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben
den amtlichen Organen das gesamte Volk un-
bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-
sonen unschädlich zu machen.
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Ein Spion erschossen.
Konstanz. In Friedrichshafen wurde ein
russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-
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Luft zu sprengen.
Japan rüstet!
Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-
gehende Meldung versichert laut einem Tele-
gramm aus Yokohama, daß der japanische
Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-
ratung galt der europäischen Lage. In den
Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.
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- Contributor
- Karl Döbling
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