Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 2

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 item 2 


 1. Spalte 


                     

                    Ein Spion erschossen.

   Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

Luft zu sprengen.

                        Japan rüstet!

   Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

gehende Meldung versichert laut einem Tele-

gramm aus Yokohama, daß der japanische

Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

ratung galt der europäischen Lage. In den

Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

             Russische Spione an der Arbeit.

   Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

Nachrichten bereisen russische Offiziere und

Agenten in großer Zahl unser Land. Die

Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

Krieges beitragen.

          Rumänien für den Dreibund!

   Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

über die Haltung Rumäniens im Falle eines

großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

ein großes Rumänien zulassen würde. Das

würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

zerstören würde, was es mit der anderen ge-

schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

men.  Darum würde es für Rumänien ein

wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

tion.

          Ausweisung des russischen General-

                 konsuls in Hamburg.

   Wie wir erfahren, haben die Hamburger

Behörden den dort residierenden russischen

Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

deren russischen Konsuln in Deutschland die

gleiche Aufforderung erhalten werden.

                   Was geht vor?

   Schanghai, 3. August.  Der englische

Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

angekommen. Die Engländer entfernten auf

ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

als Hilfskreuzer armiert.

            Rechtslehrer Karl Binding über

                           den Krieg.

   Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

sondern seine Helfer würden den politischen

Mord verteidigen.

        Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                         machung.

    Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

angenommen. Man verfährt dabei so rück-

sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

berufung zum Militär einen Teil oder auch

den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

und teilweise auch die Detailisten die Nach-


 2. Spalte 

frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

halten kann.

                  _________________________

             

              Bericht des Parteivorstandes  

           an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                VI.

   Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

wärts betrug

im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                               mithin weniger      51 204,38 Mk.

   Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

1913 folgendes Ergebnis:

                           a)  Eingänge:

Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                33 676,85 Mk.

Zuschuß der Buchhandlung

   Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                 33 777,04 Mk.

                           b)  Ausgänge:

Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                   33 777,04 Mk.

   Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

1913   3574 Exemplare.

                            Parteischule.      

            (Achter Jahresbericht 1913/14.)

   Der siebente Kursus der Parteischule (der

vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

von den Bezirksorganisationen der Partei,

8 Genossen von den Zentralvorständen der

Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

Unter den von den Bezirksorganisationen der

Partei entsandten -schülern befanden sich

7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

22 und 40 Jahren. 

   Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

früheren Kursen von den Schülern öfter über

zu starke Belastung geklagt worden war. Die

Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

technik (Schulz) 56 Stunden.

   Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                Zentralbildungsausschuß.

                            1. Allgemeines.

   Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

stark, wie er hätte sein können. Besonders die


 3.Spalte 

Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

Charakter zurückzuführen.

   Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

stengen Auffassung über den Charakter einer

künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

Anlage nach von vornherein als solchen auf-

zufassen und einzurichten und seine heute be-

liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

   Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

herum. Davon nehmen die Ausgaben für

wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

an solchen Veranstaltungen immer nur ein

kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

Reife und von Willenskraft voraus. Eben

deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

für größere Massen in Frage; sie sollen sich

in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

sie Unterstützungen durch die Organisationen

in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

dem "Kintopp" entzogen worden ist.

   Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

schlagen wird.

                       2. Organisatorisches.

    Die Organisation der Bildungsarbeit nach

Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

kreise und Orte, in denen heute noch keine

Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

sonderen Gründen davon absehen müssen.

Teilweise ist die  politische Organisation noch

zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

der Jahre des Fehlende schaffen.

   Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

sation schon in dem wünschenswerten Maße.

In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

mit der Bezirksorganisation der Partei be-

steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

leider noch oft.

   Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

schüsse untereinander und mit dem Zentral-

bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

   Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

tralbildungsausschusses, soweit er durch die

Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

   Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                    3. Konferenzen.

   Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


 4. Spalte 

gehalten worden. Umständehalber konnte sie

allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

wurde die Konferenz durch den Wunsch der

Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

kanntzumachen.

   Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

statt. Sie haben sich für die Organisation

der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

   Die erste internationale Konferenz für das

Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

 und Holland anwesend. Zur Sicherung der

ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

in anderen Ländern soll eine zweite inter-

nationale Konferenz in Verbindung mit dem

internationalen Sozialistenkongreß in Wien

im August 1914 stattfinden.

                         _____________________

                             Aus der Partei.

   * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

   * Die Bibliothekar-Konferenz, die

der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

nicht statt.

                         ____________________

                            Arbeiterbewegung

   * An die Mitglieder der Gewerk-

schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

ernsten Stunde richtet die Generalkommission

der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

um die dringend notwendige Fortsetzung der

Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die

Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst

ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd

können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,

wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach

wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch

die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß

die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen

weitergezahlt werden.  Die Gewerkschaften wer-

den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften

steht, die bitterste Not der Mitglieder und

ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten

aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,

daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der

Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne

herabzudrücken und unwürdige Anforderungen

an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir

hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-

sationen steht und sie über eine Zeit der

schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die

Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter

Treue bewährt.    Berlin, den 2. August 1914.

Die General-Kommission der Gewerkschaften

Deutschlands.

                            _________________________

                          Aus Sachsen=Meiningen.

 -   Saalfeld. Gestern abend trat der

Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache 

nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-

schlossen, eine Kommission zu  wählen, der die

Erledigung aller die Gemeinde angehenden

durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse

obliegt. Der Kommission werden angehören:

vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-

scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,

Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft


  


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 item 2 


 1. Spalte 


                     

                    Ein Spion erschossen.

   Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

Luft zu sprengen.

                        Japan rüstet!

   Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

gehende Meldung versichert laut einem Tele-

gramm aus Yokohama, daß der japanische

Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

ratung galt der europäischen Lage. In den

Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

             Russische Spione an der Arbeit.

   Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

Nachrichten bereisen russische Offiziere und

Agenten in großer Zahl unser Land. Die

Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

Krieges beitragen.

          Rumänien für den Dreibund!

   Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

über die Haltung Rumäniens im Falle eines

großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

ein großes Rumänien zulassen würde. Das

würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

zerstören würde, was es mit der anderen ge-

schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

men.  Darum würde es für Rumänien ein

wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

tion.

          Ausweisung des russischen General-

                 konsuls in Hamburg.

   Wie wir erfahren, haben die Hamburger

Behörden den dort residierenden russischen

Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

deren russischen Konsuln in Deutschland die

gleiche Aufforderung erhalten werden.

                   Was geht vor?

   Schanghai, 3. August.  Der englische

Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

angekommen. Die Engländer entfernten auf

ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

"Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

als Hilfskreuzer armiert.

            Rechtslehrer Karl Binding über

                           den Krieg.

   Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

sondern seine Helfer würden den politischen

Mord verteidigen.

        Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                         machung.

    Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

angenommen. Man verfährt dabei so rück-

sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

berufung zum Militär einen Teil oder auch

den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

und teilweise auch die Detailisten die Nach-


 2. Spalte 

frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

halten kann.

                  _________________________

             

              Bericht des Parteivorstandes  

           an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                VI.

   Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

wärts betrug

im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                               mithin weniger      51 204,38 Mk.

   Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

1913 folgendes Ergebnis:

                           a)  Eingänge:

Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                33 676,85 Mk.

Zuschuß der Buchhandlung

   Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                 33 777,04 Mk.

                           b)  Ausgänge:

Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                   33 777,04 Mk.

   Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

1913   3574 Exemplare.

                            Parteischule.      

            (Achter Jahresbericht 1913/14.)

   Der siebente Kursus der Parteischule (der

vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

von den Bezirksorganisationen der Partei,

8 Genossen von den Zentralvorständen der

Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

Unter den von den Bezirksorganisationen der

Partei entsandten -schülern befanden sich

7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

22 und 40 Jahren. 

   Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

früheren Kursen von den Schülern öfter über

zu starke Belastung geklagt worden war. Die

Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

technik (Schulz) 56 Stunden.

   Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                Zentralbildungsausschuß.

                            1. Allgemeines.

   Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

stark, wie er hätte sein können. Besonders die


 3.Spalte 

Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

Charakter zurückzuführen.

   Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

stengen Auffassung über den Charakter einer

künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

Anlage nach von vornherein als solchen auf-

zufassen und einzurichten und seine heute be-

liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

   Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

herum. Davon nehmen die Ausgaben für

wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

an solchen Veranstaltungen immer nur ein

kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

Reife und von Willenskraft voraus. Eben

deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

für größere Massen in Frage; sie sollen sich

in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

sie Unterstützungen durch die Organisationen

in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

dem "Kintopp" entzogen worden ist.

   Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

schlagen wird.

                       2. Organisatorisches.

    Die Organisation der Bildungsarbeit nach

Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

kreise und Orte, in denen heute noch keine

Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

sonderen Gründen davon absehen müssen.

Teilweise ist die  politische Organisation noch

zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

der Jahre des Fehlende schaffen.

   Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

sation schon in dem wünschenswerten Maße.

In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

mit der Bezirksorganisation der Partei be-

steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

leider noch oft.

   Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

schüsse untereinander und mit dem Zentral-

bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

   Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

tralbildungsausschusses, soweit er durch die

Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

(1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

(633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

   Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                    3. Konferenzen.

   Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


 4. Spalte 

gehalten worden. Umständehalber konnte sie

allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

wurde die Konferenz durch den Wunsch der

Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

kanntzumachen.

   Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

statt. Sie haben sich für die Organisation

der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

   Die erste internationale Konferenz für das

Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

 und Holland anwesend. Zur Sicherung der

ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

in anderen Ländern soll eine zweite inter-

nationale Konferenz in Verbindung mit dem

internationalen Sozialistenkongreß in Wien

im August 1914 stattfinden.

                         _____________________

                             Aus der Partei.

   * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

   * Die Bibliothekar-Konferenz, die

der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

nicht statt.

                         ____________________

                            Arbeiterbewegung

   * An die Mitglieder der Gewerk-

schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

ernsten Stunde richtet die Generalkommission

der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

um die dringend notwendige Fortsetzung der

Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die

Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst

ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd

können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,

wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach

wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch

die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß

die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen

weitergezahlt werden.  Die Gewerkschaften wer-

den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften

steht, die bitterste Not der Mitglieder und

ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten

aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,

daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der

Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne

herabzudrücken und unwürdige Anforderungen

an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir

hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-

sationen steht und sie über eine Zeit der

schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die

Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter

Treue bewährt.    Berlin, den 2. August 1914.

Die General-Kommission der Gewerkschaften

Deutschlands.

                            _________________________

                          Aus Sachsen=Meiningen.

 -   Saalfeld. Gestern abend trat der

Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache 

nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-

schlossen, eine Kommission zu  wählen, der die

Erledigung aller die Gemeinde angehenden

durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse

obliegt. Der Kommission werden angehören:

vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-

scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,

Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft


  



Transcription history
  • July 30, 2017 19:44:12 Beate Jochem

     item 2 


     1. Spalte 


                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

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    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

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       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.

                             ____________________

                                Arbeiterbewegung

       * An die Mitglieder der Gewerk-

    schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

    Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

    den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

    geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

    wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

    seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

    ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

    Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

    feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

    losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

    gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

    ernsten Stunde richtet die Generalkommission

    der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

    der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

    stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

    werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

    um die dringend notwendige Fortsetzung der

    Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die

    Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst

    ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd

    können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,

    wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach

    wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch

    die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß

    die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen

    weitergezahlt werden.  Die Gewerkschaften wer-

    den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften

    steht, die bitterste Not der Mitglieder und

    ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten

    aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,

    daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der

    Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne

    herabzudrücken und unwürdige Anforderungen

    an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir

    hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-

    sationen steht und sie über eine Zeit der

    schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die

    Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter

    Treue bewährt.    Berlin, den 2. August 1914.

    Die General-Kommission der Gewerkschaften

    Deutschlands.

                                _________________________

                              Aus Sachsen=Meiningen.

     -   Saalfeld. Gestern abend trat der

    Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache 

    nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-

    schlossen, eine Kommission zu  wählen, der die

    Erledigung aller die Gemeinde angehenden

    durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse

    obliegt. Der Kommission werden angehören:

    vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-

    scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,

    Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft


      


  • July 30, 2017 19:41:16 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.

                             ____________________

                                Arbeiterbewegung

       * An die Mitglieder der Gewerk-

    schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

    Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

    den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

    geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

    wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

    seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

    ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

    Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

    feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

    losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

    gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

    ernsten Stunde richtet die Generalkommission

    der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

    der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

    stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

    werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

    um die dringend notwendige Fortsetzung der

    Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die

    Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst

    ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd

    können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,

    wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach

    wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch

    die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß

    die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen

    weitergezahlt werden.  Die Gewerkschaften wer-

    den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften

    steht, die bitterste Not der Mitglieder und

    ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten

    aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,

    daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der

    Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne

    herabzudrücken und unwürdige Anforderungen

    an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir

    hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-

    sationen steht und sie über eine Zeit der

    schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die

    Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter

    Treue bewährt.    Berlin, den 2. August 1914.

    Die General-Kommission der Gewerkschaften

    Deutschlands.

                                _________________________

                              Aus Sachsen=Meiningen.

     -   Saalfeld. Gestern abend trat der

    Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache 

    nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-

    schlossen, eine Kommission zu  wählen, der die

    Erledigung aller die Gemeinde angehenden

    durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse

    obliegt. Der Kommission werden angehören:

    vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-

    scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,

    Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft


      



  • July 30, 2017 19:41:05 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.

                             ____________________

                                Arbeiterbewegung

       * An die Mitglieder der Gewerk-

    schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

    Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

    den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

    geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

    wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

    seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

    ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

    Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

    feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

    losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

    gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

    ernsten Stunde richtet die Generalkommission

    der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

    der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

    stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

    werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

    um die dringend notwendige Fortsetzung der

    Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die

    Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst

    ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd

    können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,

    wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach

    wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch

    die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß

    die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen

    weitergezahlt werden.  Die Gewerkschaften wer-

    den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften

    steht, die bitterste Not der Mitglieder und

    ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten

    aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,

    daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der

    Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne

    herabzudrücken und unwürdige Anforderungen

    an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir

    hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-

    sationen steht und sie über eine Zeit der

    schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die

    Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter

    Treue bewährt.    Berlin, den 2. August 1914.

    Die General-Kommission der Gewerkschaften

    Deutschlands.

                                _________________________

    Aus Sachsen=Meiningen.

     -   Saalfeld. Gestern abend trat der

    Gemeinderat zu einer nach Lage der Sache 

    nötigen Sitzung zusammen. Es wurde be-

    schlossen, eine Kommission zu  wählen, der die

    Erledigung aller die Gemeinde angehenden

    durch die Kriegslage geschaffenen Erfordernisse

    obliegt. Der Kommission werden angehören:

    vom Gemeinderat die Herren Scheler, Irmi-

    scher, Günther, Machold, Kellner, Wehner,

    Drößiger und Thauer; aus der Bürgerschaft


      



  • July 30, 2017 19:28:22 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.

                             ____________________

                                Arbeiterbewegung

       * An die Mitglieder der Gewerk-

    schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

    Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

    den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

    geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

    wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

    seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

    ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

    Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

    feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

    losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

    gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

    ernsten Stunde richtet die Generalkommission

    der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

    der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

    stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

    werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

    um die dringend notwendige Fortsetzung der

    Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die

    Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst

    ihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd

    können sie diese Verpflichtungen nur erfüllen,

    wenn diejenigen, die in Arbeit stehen, nach

    wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch

    die Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß

    die Unterstützungen an die Hilfsbedürftigen

    weitergezahlt werden.  Die Gewerkschaften wer-

    den bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften

    steht, die bitterste Not der Mitglieder und

    ihrer Angehörigen zu mildern. Wir erwarten

    aber auch in dieser schicksalsschweren Stunde,

    daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der

    Arbeiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne

    herabzudrücken und unwürdige Anforderungen

    an die Arbeiterschaft gestellt werden. Wir

    hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi-

    sationen steht und sie über eine Zeit der

    schwersten Prüfungen lebensfähig erhält und die

    Solidarität der Arbeiterschaft sich in alter

    Treue bewährt.    Berlin, den 2. August 1914.

    Die General-Kommission der Gewerkschaften

    Deutschlands.



      



  • July 30, 2017 19:14:35 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.

                             ____________________

                                Arbeiterbewegung

       * An die Mitglieder der Gewerk-

    schaften!  Alle Bemühungen der organisierten

    Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten,

    den mörderischen Krieg zu bannen, sind ver-

    geblich gewesen. Der Krieg mit seinen Ver-

    wüstungen des wirtschaftlichen Lebens, mit

    seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut

    ist über die Kulturnationen hereingebrochen.

    Unzählige werden als Opfer auf den Schlacht-

    feldern bleiben. Schwer wird die Arbeits-

    losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie

    gekanntem Umfange hereinbrechen. In dieser 

    ernsten Stunde richtet die Generalkommission

    der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage

    der tagenden Konferenz der Vertreter der Vor-

    stände den Appell an die Mitglieder der Ge-

    werkschaften ihrer Organisation treu zu bleiben,

    um die dringend notwendige Fortsetzung der

    Tätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. Die



      



  • July 30, 2017 19:00:55 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.

                             ____________________


      



  • July 30, 2017 19:00:27 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmten

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

       Innerhalb der einzelnen Bezirke finden fast

    überall jährlich Konferenzen der zum Bezirk

    gehörigen Kreis- und Ortsbildungsausschüsse

    statt. Sie haben sich für die Organisation

    der Bildungsarbeit und zur Klärung der An-

    sichten über einzelne Bildungsaufgaben als

    sehr nützlich erwiesen. -  Einige Konferenzen

    von Fachleuten dienten der Arbeit am Weg-

    weser für Bibliothekare; zur Hebung der prak-

    tischen Arbeit im Bibliothekswesen ist für

    August 1914 eine Konferenz der Arbeiterbiblio-

    thekare Deutschlands in Aussicht genommen.

       Die erste internationale Konferenz für das

    Bildungswesen der organisierten Arbeiter fand

    im Dezember 1913 in Brüssel statt. Vertreten

    waren die Zentralbildungsausschüsse von Bel-

    gien, der Schweiz und Deutschland. Außer-

    dem waren Vertreter aus England, Frankreich 

     und Holland anwesend. Zur Sicherung der

    ersten erfolgreichen Versuche in internationaler

    Verständigung und Unterstützung auf dem Ge-

    biete der Bildungsarbeit und zur Propaganda

    in anderen Ländern soll eine zweite inter-

    nationale Konferenz in Verbindung mit dem

    internationalen Sozialistenkongreß in Wien

    im August 1914 stattfinden.

                             _____________________

                                 Aus der Partei.

       * Aufgehobenes Verbot. Das Ver-

    bot unseres Görlitzer Parteiorgans ist, wie

    nicht anders zu erwarten war, am Sonnabend

    von der Aufsichtsbehörde aufgehoben worden.

       * Die Bibliothekar-Konferenz, die

    der Zentralbildungsausschuß zum 7. und zum

    8. August nach Leipzig einberufen hat, findet

    nicht statt.


      



  • July 30, 2017 18:40:39 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-


     4. Spalte 

    gehalten worden. Umständehalber konnte sie

    allerdings erst im April stattfinden, so daß sie

    eigentlich außerhalb der Berichtsperiode, zu

    der sie sachgemäß gehört, liegt. Diese Kon-

    ferenzen sollen nicht alljährlich stattfinden,

    sondern nur dann, wenn sie aus bestimmtem

    Gründen notwendig sind. In diesem Jahre

    wurde die Konferenz durch den Wunsch der

    Zentrale veranlaßt, die noch in den Anfängen

    befindliche Arbeit der Bezirksbildungsausschüsse

    zu befestigen und sie zugleich mit neuen Unter-

    nehmungen des Zentralbildungsausschusses, be-

    sonders mit Lichtbild- und Kinozentralen, be-

    kanntzumachen.

     


      



  • July 30, 2017 18:26:20 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.

                        3. Konferenzen.

       Eine Reichskonferenz der Bezirksbildungs-

    ausschüsse ist auch in diesem Jahre wieder ab-

     


      



  • July 30, 2017 18:24:19 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.

       Eine gute Verbindung aller Bildungsaus-

    schüsse untereinander und mit dem Zentral-

    bildungsausschuß stellt das nach Bedarf er-

    scheinende Mitteilungsblatt her, von dem in

    der Berichtzeit 5 Nummern erschienen sind.

       Die nachfolgenden Zahlen ergeben einen

    Ueberblick über den Geschäftsverkehr  des Zen-

    tralbildungsausschusses, soweit er durch die

    Post erfolgt. Des Vergleichs halber setzen wir

    in Klammern die Zahlen des Vorjahres, die

    sich aber nur auf einen Zeitraum von 9 Mo-

    naten erstrecken. Es sind eingegangen: 1583

    (1473) Karten, 3050 (2045) Briefe, 927

    (633) Drucksachen, 465 (93) Pakete, 16 (25)

    Telegramme, 345 Geldsendungen. Ausgegangen

    sind 525 (295) Karten, 3202  (3009) Briefe,

    5745 (3146) Drucksachen, 513 (143) Pakete,

    48 (15) Telegramme, 188 (67) Geldsendungen.

       Der Zentralbildungsausschuß hat im ver-

    flossenen Jahre 5 Vollsitzungen abgehalten.


     


      



  • July 30, 2017 18:15:17 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei be-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.


     


      



  • July 30, 2017 18:14:59 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

       Nicht überall arbeitet die Bildungsorgani-

    sation schon in dem wünschenswerten Maße.

    In einigen Bezirken, besonders dort, wo eine

    gute Fühlung der Bezirksbildungsausschüsse

    mit der Bezirksorganisation der Partei bes-

    steht, wird die Bildungsarbeit in musterhafter

    Weise erledigt; in anderen Bezirken haperts

    leider noch oft.


     


      



  • July 30, 2017 18:11:38 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

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                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

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       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.

       Es ist zu hoffen, daß mit dem Nachlassen 

    des wirtschaftlichen Drucks der in diesen Zahlen

    sich ausprägende kulturelle Aufstieg der deut-

    schen Arbeiter noch ein rascheres Tempo ein-

    schlagen wird.

                           2. Organisatorisches.

        Die Organisation der Bildungsarbeit nach

    Bezirken, Wahlkreisen und Orten kann im

    wesentlichen als abgeschlossen gelten. Wahl-

    kreise und Orte, in denen heute noch keine

    Bildungsausschüsse bestehen, haben aus be-

    sonderen Gründen davon absehen müssen.

    Teilweise ist die  politische Organisation noch

    zu unentwickelt, um eine besondere Bildungs-

    organisation zu tragen, teilweise halten Zweck-

    mäßigkeitsgründe Wahlkreise von der Einsetz-

    ung von Kreisbildungsausschüssen zurück. In

    beiden Fällen wird die Entwicklung im Laufe

    der Jahre des Fehlende schaffen.

    mäßigkeitsgründe

     


      



  • July 30, 2017 17:57:06 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.

       Das Bildungsbudget der deutschen Arbeiter

    bewegt sich gegenwärtig um 900 000 Mark

    herum. Davon nehmen die Ausgaben für

    wissenschaftliche Veranstaltungen, die durchweg

    Zuschüsse der Organisationen erfordern, nur einen

    kleinen Teil ein. Das ist unbegreiflich, da sich

    an solchen Veranstaltungen immer nur ein

    kleiner Teil der organisierten Arbeiter be-

    teiligt.  Die verständnisvolle und gewissenhafte

    Teilnahme an wissenschaftlichen Vortragskursen

    setzt schon einen erheblichen Grad von geistiger

    Reife und von Willenskraft voraus. Eben

    deshalb verdient dieser Zweig der Bildungs-

    arbeit auch die Unterstützung aus den Mitteln 

    der Allgemeinheit. Die künstlerischen und

    unterhaltenden Veranstaltungen kommen mehr

    für größere Massen in Frage; sie sollen sich

    in Einnahme und Ausgabe decken, sodaß für

    sie Unterstützungen durch die Organisationen

    in der Regel gar nicht, sondern nur in Aus-

    nahmefällen in Betracht kommen. Wenn die

    Ausgaben für diese Veranstaltungen steigen,

    so zeigt sich darin insofern eine sehr erfreuliche

    Entwicklung, als jeder Groschen für sie minder-

    wertigen Belustigungen der Arbeiter, Privat-

    vergnügungen, dem Kartenspiel, dem Alkohol,

    dem "Kintopp" entzogen worden ist.


      



  • July 30, 2017 17:35:33 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       Allerdings ist diese letztere wenig erfreuliche

    Tatsache zugleich die Folge einer einer weniger

    stengen Auffassung über den Charakter einer

    künstlerischen Veranstaltung.  Es ist den 

    Bildungsausschüssen dringend zu empfehlen,

    den reinen Unterhaltungsabend seiner ganzen

    Anlage nach von vornherein als solchen auf-

    zufassen und einzurichten und seine heute be-

    liebte Vermischung mit einem künstlerischen 

    Abend zu vermeiden. Ein Abend zur künstler-

    ischen Erbauung der Arbeiter muß Selbstzweck

    sein. Er darf nicht nur die Einleitung eines

    nachfolgenden geselligen Abends mit Tanz sein.

    Sonst wird er von vielen Besuchern nur als

    überschüssiger Ballast betrachtet und verfehlt

    dadurch seinen hohen volkserzieherischen Zweck.



      



  • July 28, 2017 21:13:53 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückzuführen.

       



      



  • July 28, 2017 21:13:27 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische (sic) Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen (sic) an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlerischer

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückgegangen.

       



      



  • July 28, 2017 21:11:35 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die


     3.Spalte 

    Bildungsveranstaltungen, die größere Anforder-

    ungen an die Kasse des Einzelnen und der

    Organisation stellen, die wissenschaftlichen Vor-

    tragskurse, haben sich gegen das Vorjahr nicht

    vermehrt. Ihre Zahl ist sogar zurückgegangen,

    wenn auch die Zahl der Besucher teilweise ge-

    stiegen ist. Die Veranstaltungen künstlicher

    und unterhaltsamer Art weisen zwar einen Zu-

    wachs auf, doch hat er keine besondere Be-

    deutung, da dieser Zweig der Bildungsarbeit

    erst von Jahr zu Jahr fester durch die Statistik

    erfaßt wird. Infolgedessen werden jetzt manche

    Veranstaltungen mit aufgeführt, die sich in

    früheren Jahren aus verschiedenen Gründen

    der statistischen Erhebung mehr oder weniger 

    entzogen. Darauf ist auch die Zunahme von

    Veranstaltungen ohne besonderen künstlerischen

    Charakter zurückgegangen.

       



      



  • July 28, 2017 21:04:33 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       Zur Erledigung der Schulangelegenheiten

    haben drei Lehrerkonferenzen stattgefunden.

    Mit dem Ergebnis des diesjährigen Kursus

    waren Lehrer und Schüler zufrieden.

                    Zentralbildungsausschuß.

                                1. Allgemeines.

       Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die

    Bildungsarbeit zurückgewirkt. Zwar ist ein

    eigentlicher und allgemeiner Rückschritt nicht zu

    bemerken. Doch ist der Fortschritt nicht so

    stark, wie er hätte sein können. Besonders die

       



      



  • July 28, 2017 21:00:27 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 

       Der Lehrplan hat den Unterrichtsstoff gegen-

    über dem Vorjahre eingeschränkt, da in den

    früheren Kursen von den Schülern öfter über

    zu starke Belastung geklagt worden war. Die

    Stundenzahl wurde deshalb von 778 im Vor-

    jahre auf 720 herabgesetzt, und zwar wurden

    hauptsächlich die Stunden über Arbeiterrecht,

    Strafrecht, Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik vermindert. Es entfielen auf Wirt-

    schaftsgeschichte und Nationalökonomie (Rosa

    Luxemburg) 240, auf Geschichte der gesell-

    schaftlichen Entwicklung (Cunow) 96, auf

    deutsche Geschichte (Conrady) 96, auf Geschichte

    des Sozialismus (Dunker) 72, auf material-

    ische Geschichtsauffassung (Cunow) 24, auf das

    Erfurter Programm (Wurm) 48, auf Arbeiter-

    recht (Stadthagen) 56, auf Strafrecht (Heine-

    mann) 16, auf Rhetorik, Stilistik und Zeitungs-

    technik (Schulz) 56 Stunden.

       



      



  • July 28, 2017 20:36:38 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________

                 

                  Bericht des Parteivorstandes  

               an den Parteitag zu Würzburg 1914.

                                    VI.

       Der Warenumsatz de Buchhandlung Vor-

    wärts betrug

    im letzten Geschäftsjahre   . . . . . . . . . . . . . . 767 948,68 Mk.

    im Vorjahre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   819 153,06 "

                                                   mithin weniger      51 204,38 Mk.

       Die "Kommunale Praxis" zeitigte im Jahre

    1913 folgendes Ergebnis:

                               a)  Eingänge:

    Abonnements  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 406,80 Mk.

    Inserate und Beilagen  . . . . . . . . . . . . . . . . . .        269,85 "

                                                                                    33 676,85 Mk.

    Zuschuß der Buchhandlung

       Vorwärts  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .       100,39  "

                                                                                     33 777,04 Mk.

                               b)  Ausgänge:

    Redaktion   . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .     6 713,91 Mk. 

    Mitarbeiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .    6 102,78 "

    Druck und Buchbinderei  . . . . . . . . . . . . . . . . .   17 344,25 "

    Expedition und Agitation   . . . . . . . . . . . . . . . .      3 545,30 "

    Remittenden  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .           70,80 " 

                                                                                       33 777,04 Mk.

       Die Abonnentenzahl betrug am 31.Dezember

    1913   3574 Exemplare.

                                Parteischule.      

                (Achter Jahresbericht 1913/14.)

       Der siebente Kursus der Parteischule (der

    vorjährige Kursus ist versehentlich als siebenter

    Kursus bezeichnet worden) dauerte vom 1. Ok-

    tober 1913 bis zum 31. März 1914.)(sic) Es

    haben 30 Genossen und 1 Genossin, also im

    ganzen 31 Teilnehmer, den Kursus besucht.

    Davon waren 21 Genossen und 1 Genossin

    von den Bezirksorganisationen der Partei,

    8 Genossen von den Zentralvorständen der

    Gewerkschaften und 1 Genosse von der Zentral-

    stelle für die arbeitende Jugend entsandt.

    Unter den von den Bezirksorganisationen der

    Partei entsandten -schülern befanden sich

    7 Angestellte der Partei und ein Gewerkschafts-

    beamter. Der Bauarbeiterverband hatte zwei

    Mitglieder, der Bergarbeiter-, Holzarbeier-,

    Textil-, ransportarbeiter-, Dachdecker- und

    Friseurgehilfenverband (letztere beiden zum

    ersten Male) hatten je ein Mitglied entsandt.

    Das Alter der Schüler bewegte sich zwischen

    22 und 40 Jahren. 


       



      



  • July 28, 2017 20:06:24 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.

                      _________________________



  • July 28, 2017 20:06:04 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Erhöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerischen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Verpfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.



  • July 28, 2017 20:05:05 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-


     2. Spalte 

    frage nach Lebensmitteln geradezu schamlos

    aus, indem sie Wucherpreise fordern. Der

    Preis des Mehles ist in den letzten Tagen

    von 25 auf 40 Pfg. pro Pfund hinaufgegangen.

    Noch schlimmer ist der Wucher mit anderen

    Gegenständen, insbesondere mit Salz. In

    Wilmersdorf bei Berlin wurde das Geschäft

    eines Kolonialwarenhändlers durch die Polizei

    geschlossen, weil der Besitzer zu skandalöse

    Preise nahm. Er wurde zur Vernehmung auf

    das Polizeipräsidium gebracht. Auch in Ber-

    lin soll sich die Polizei bereits ins Mittel ge-

    legt haben. Der militärische Oberbefehlshaber

    in Berlin, v. Kessel, hat angeordnet, daß zur

    Sicherung des Lebensmittelbedarfs aus dem

    Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin die

    Ausfuhr von Mehl und Getreide jeder Art,

    wie von Schlachtvieh und frischem Fleisch ver-

    boten ist. Die Reichsbank erhöhte den Dis-

    kont auf 6 Prozent. Die Dresdener Bank

    nahm eine noch empfindlichere Ehöhung vor.

    Das Reichsbankdirektorium gibt aber bekannt,

    daß während der Dauer von kriegerusíschen Ver-

    wicklungen Vorsorge getroffen ist, daß jeder-

    mann gegen Vepfändung von Wertpapieren

    oder geeigneten Kaufmannswaren Geld er-

    halten kann.



  • July 28, 2017 19:51:25 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betrieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-



  • July 28, 2017 19:50:55 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.

        Von vielen Seiten kommen schon Meldungen

    über Arbeiterentlassungen. Teilweise haben

    diese Entlassungen schon sehr großen Umfang

    angenommen. Man verfährt dabei so rück-

    sichtlos, daß nicht einmal den Arbeitern ge-

    kündigt und ihnen so wenigstens noch für die

    Kündigungsfrist der Lohn garantiert wird;

    sie werden Knall und Fall auf die Straße ge-

    setzt. Nur ganz ausnahmsweise haben sich

    einzelne Bankinstitute oder hier und da ein

    Betieb, wie z. B. die Zeißwerke in Jena, ver-

    pflichtet, ihren Angestellten während der Ein-

    berufung zum Militär einen Teil oder auch

    den vollen Lohn weiter zu zahlen. Auf der

    anderen Seite macht sich die Lebensmittel-

    steigerung immer härter fühlbar. Von denen,

    die noch in der Lage sind, kleine Vorräte an-

    zuschaffen, werden die Lebensmittelgeschäfte

    förmlich gestürmt. Viele Geschäfte mußten

    zeitweilig schließen. Leider nützen die Grossisten

    und teilweise auch die Detailisten die Nach-



  • July 28, 2017 19:42:00 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.

            Wirtschaftliche Folgen der Mobil-

                             machung.


  • July 28, 2017 19:40:12 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.

       Die "Frankfurter Zeitung" hat Karl Bin-

    ding, dessen Ansehen als Lehrer des öffentlichen

    Rechts in der gesamten Kulturwelt fest be-

    gründet ist, zu einer Aeußerung über die Frage

    gebeten: Muß Rußland Serbien unterstützen?

    Der Rechtslehrer hat darauf folgendes geant-

    wortet: Alle völkerrechtlichen Verträge beruhen

    auf der völkerrechtlichen Loyalität. Ein Staat,

    der unerhörte Verbrechen gegen einen Nach-

    barstaat geflissentlich unterstützt, verwirkt  nicht

    nur durch groben Bruch des Völkerrechts jeden

    vertragsmäßigen Anspruch auf Unterstützung

    gegen den verbrecherisch angegriffenen Staat,

    sondern seine Helfer würden den politischen

    Mord verteidigen.


  • July 28, 2017 19:33:11 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.

                Rechtslehrer Karl Binding über

                               den Krieg.


  • July 28, 2017 19:31:53 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?

       Schanghai, 3. August.  Der englische

    Kreuzer "Yarmouth" ist in Schanghai einge-

    laufen, um Kohlen und Proviant einzunehmen.

    Der englische Panzerkreuzer "Minotaur" und

    der russische Kreuzer "Askold" sind in Wusung

    angekommen. Die Engländer entfernten auf

    ihren Kanonenbooten im Yangtse die Verschluß-

    teile der Geschütze und übergaben die Schiffe

    einer Privatfirma. Die Besatzung wurde nach

    Hongkong zur Bemannung von Reserveschiffen

    gesandt. Die Tätigkeit auf den Werften in

    Hongkong ist sehr lebhaft. Die Dampfer

    "Empreß", "Russia" und "Aldenkem" werden

    als Hilfskreuzer armiert.


  • July 28, 2017 19:25:51 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.

                       Was geht vor?


  • July 28, 2017 19:25:03 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

              Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.

              Ausweisung des russischen General-

                     konsuls in Hamburg.

       Wie wir erfahren, haben die Hamburger

    Behörden den dort residierenden russischen

    Generalkonsul aufgefordert, Hamburg zu ver-

    lassen. Es ist anzunehmen, daß auch die an-

    deren russischen Konsuln in Deutschland die

    gleiche Aufforderung erhalten werden.


  • July 28, 2017 19:22:09 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

                   Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Nach der Zerstörung Oesterreich-

    Ungarns würde Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.


  • July 28, 2017 19:20:21 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

                   Rumänien für den Dreibund!

       Die Zeitung "Seara" weist jeden Zweifel

    über die Haltung Rumäniens im Falle eines

    großen Krieges zurück. Die Gefahr für Ru-

    mänien liege bei Rußland. Sein Platz sei  

    daher an der Seite des Dreibundes. Es wäre

    ein Wahnsinn zu glauben, daß Rußland, das

    mit aller Macht Oesterreich-Ungarn bekämpfe,

    nur um ein panslawistisches Ideal zu erreichen,

    ein großes Rumänien zulassen würde. Das

    würde bedeuten, daß es mit der einen Hand

    zerstören würde, was es mit der anderen ge-

    schaffen habe. Rumänien an die Reihe kom-

    men.  Darum würde es für Rumänien ein

    wahrer nationaler Selbstmord sein, wenn es

    eine Rußland günstige Haltung im Kriegsfalle 

    annähme. Es wäre ein Verbrechen gegen

    Rumänien, ein Verbrechen gegen die Zivilisa-

    tion.


  • July 28, 2017 19:10:11 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen. Durch rege Auf-

    merksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an

    seiner Stelle zum glücklichen Ausgang des

    Krieges beitragen.

          


  • July 28, 2017 19:08:20 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

                 Russische Spione an der Arbeit.

       Amtlich wird erklärt: Nach zuverlässigen

    Nachrichten bereisen russische Offiziere und

    Agenten in großer Zahl unser Land. Die

    Sicherheit des deutschen Reiches fordert, daß

    aus patriotischem Pflichtgefühl heraus neben

    den amtlichen Organen das gesamte Volk un-

    bedingt dazu mitwirkt, solche gefährlichen Per-

    sonen unschädlich zu machen.

          


  • July 28, 2017 19:03:31 Beate Jochem

     1. Spalte 

                         

                        Ein Spion erschossen.

       Konstanz.  In Friedrichshafen wurde ein

    russischer Spion erschossen, der in Friedrichs-

    hafen versucht hat, die Luftschiffhalle in die

    Luft zu sprengen.

                            Japan rüstet!

       Eine über Hamburg der "Köln. Ztg." zu-

    gehende Meldung versichert laut einem Tele-

    gramm aus Yokohama, daß der japanische

    Ministerrat zusammengetreten sei. Die Be-

    ratung galt der europäischen Lage. In den

    Marinekreisen herrscht eine lebhafte Tätigkeit.

          


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    Berlin, Saalfeld, Leipzig

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15725 / 166512
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Karl Döbling
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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