Tagebuch von Margarethe Wirringa, item 15
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"der Friede von Bukarest" haben.
Dienstag, den 30. April bis Donnerstag, d. 30. Mai.
Soeben erhielten wir eine Karte von Johann,
worauf er mitteilt, daß er am 28.5. in
das Vereinslazarett in Neustadt a. der
Orla angekommen ist. Die Karte ist nur
kurze Zeit unterwegs gewesen. Nach einer
seiner vorherigen Mitteilungen, sollte in
diesem Lazarett sein Schultergelenk, das
steif ist, mittels einer Maschine gelenkig
gemacht werden. Er hätte einen Schulter-
durchschuß. Johann erhielt am 13.4. das Eiserne
Kreuz, es wurde uns von der Komp.
zugeschickt samt ein Glückwunschschreiben.
Johann ist bei der E.-Kranz-Verteilung
nicht mehr zugegen gewesen, da er wegen
der Verwundung schon auf Transport
gewesen ist. Hinrich schrieb, daß er einen
Kursus beim Maschinengewehr mache.
Er schickte in d. Monat Mai, beiliegende
Blümchen von den Fluren Frankreichs.
Auch hat er sonst schon einen Maiengruß
gesandt. Hätte nur erst der Krieg ein
Ende. Das Leben geht so eintönig hin, es
ist nur Arbeit u. Sorgen. Die einzigste
Abwechslung ist die, daß uns hin
u. wieder einige Freundinnen sowie die
Flugzeugmatrosen d. hies.. Flugstation,
Willy Mölders u. Willy Vester, von bs.
Oberhausen, Gesellschaft leisten. Ersterer
ist Kea ihr Freund. - Vater u. Kea
haben des Sonntags auch zu arbeiten, nur
sind sie des Abends früher frei als an den
Wochentagen. Mutter und ich haben neben
anderer Arbeit viel zu nähen, stopfen
rechte Seite
und flicken; denn die alten Kleider gehen
alle kaputt und kaufen kann
man nicht alles; vieles ist nicht mehr
zu haben und was noch da ist, ist furchtbar
teuer. Wir haben aber in letzter Zeit
noch allerlei neue Sachen gekauft, trotz
den hohen Preisen. Herti bekam unter
anderem ein neues rotes Kleidchen zu
43 Mk u. ein Schürzchen zu 8,50 Mk.
Beinkleider gibt es auch nicht mehr, ich
mußte deshalb für Herti Knabenhöschen
umändern, welche das Stück 3,50 Mk kosten.
Und das Schlimmste ist, daß man kein
Zwirn hat. Wir hatten uns allerlei im Voraus
gekauft; dann nähen wir viel mit
Häkelgarn, doch das kann man auch
nicht mehr kriegen. Nur gibt es jetzt
noch schwarze Näh- u. bunte Stickseide.
Kürzlich erhielten wir Zwirnkarten. Es
gibt für Kinder bis zu 14 Jahren eine
Rolle. Erwachsene bekommen keins,
wo nur ein Kind ist, bekommt auch
keins. 2 Kinder erhalten eine Rolle.
- Kinder bekommen Rollen.
Wenn man jetzt ein paar neue Schuhe
bekommt, muß man dafür zuvor
alte abliefern. Eigentlich darf keiner mehr
als ein paar gute Schuhe haben. Na, und
wenn man das dann nur hätte! Leider
kann man für Geld u. gute Worte keine
habhaft werden. Man muß sie
erst monatelang im Voraus bestellen.
Ja, das Leben ist sehr, sehr schwierig in
diesem Kriege - in allen Teilen!
Am 7. Mai vermieteten wir Zimmer No.1
an einen Offz.-Stellv., namens Haug,
(aus Hannover)
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"der Friede von Bukarest" haben.
Dienstag, den 30. April bis Donnerstag, d. 30. Mai
Soeben erhielten wir eine Karte von Johann,
worauf er mitteilt, daß er am 28.5. in
das Vereinslazarett in Neustadt a. der
Orla angekommen ist. Die Karte ist nur
kurze Zeit unterwegs gewesen. Nach einer
seiner vorherigen Mitteilungen, sollte in
diesem Lazarett sein Schultergelenk, das
steif ist, mittels einer Maschine gelenkig
gemacht werden. Er hätte einen Schulter-
durchschuß. Johann erhielt am 13.4. das Eiser-
ne Kreuz, es wurde uns von der ...
zugeschickt samt ein Glückwunschschreiben.
Johann ist bei der E.-Kranz-Verteilung
nicht mehr zugegen gewesen, da er we-
gen der Verwundung schon auf Transport
gewesen ist. Hinrich schrieb, daß er einen
Kursus beim Maschinengewehr mache.
Er schickte in d. Monat Mai, beiliegende
Blümchen von den Fluren Frankreichs.
Auch hat er sonst schon einen Maiengruß
gesandt. Hätte nur erst der Krieg ein
Ende. Das Leben geht so eintönig hin, es
ist nur Arbeit u. Sorgen. Die einzig-
ste Abwechslung ist die, daß uns hin
u. wieder einige Freundinnen sowie die
Flugzeugmatrosen d. hies.. Flugstation,
Willy Mölders u. Willy Vester, von ...
Oberhausen, Gesellschaft leisten. Ersterer
ist Kea ihr Freund. - Vater u. Kea
haben des Sonntags auch zu arbeiten, nur
sind sie des Abends früher frei als an den
Wochentagen. Mutter und ich haben neben
anderer Arbeit viel zu nähen, stopfen
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und flicken; denn die alten Kleider ge-
hen alle kaputt und kaufen kann
man nicht alles; vieles ist nicht mehr
zu haben und was noch da ist, ist furcht-
bar teuer. Wir haben aber in letzter Zeit
noch allerlei neue Sachen gekauft, trotz
den hohen Preisen. Herti bekam unter
anderem ein neues rotes Kleidchen zu
43 Mk u. ein Schürzchen zu 8,50 Mk.
Beinkleider gibt es auch nicht mehr, ich
mußte deshalb für Herti Knabenhöschen
umändern, welche das Stück 3,50 Mk kosten.
Und das Schlimmste ist, daß man kein
Zwirn hat. Wir hatten uns allerlei im Vor-
aus gekauft; dann nähen wir viel mit
Häkelgarn, doch das kann man auch
nicht mehr kriegen. Nu gibt es jetzt
noch schwarze Näh- u. bunte Stickseide.
Kürzlich erhielten wir Zwirnkarten. Es
gibt für Kinder bis zu 14 Jahren eine
Rolle. Erwachsene bekommen keins,
wo nur ein Kind ist, bekommt auch
keins. 2 Kinder erhalten eine Rolle.
- Kinder bekommen Rollen.
Wenn man jetzt ein paar neue Schuhe
bekommt, muß man dafür zuvor
alte abliefern. Eigentlich darf keiner mehr
als ein paar gute Schuhe haben. Na, und
wenn man das dann nur hätte! Leider
kann man für Geld u. gute Worte kei-
ne habhaft werden. Man muß sie
erst monatelang im Voraus bestellen.
Ja, das Leben ist sehr, sehr schwierig in
diesem Kriege - in allen Teilen!
Am 7. Mai vermieteten wir Zimmer No.1
an einen Offz.-Stellv., namens Haug
(aus Hannover),
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"der Friede von Bukarest" haben.
Dienstag, den 30. April bis Donnerstag, d. 30. Mai
Soeben erhielten wir eine Karte von Johann,
worauf er mitteilt, daß er am 28.5. in
das Vereinslazarett in Neustadt a. der
Orla angekommen ist. Die Karte ist nur
kurze Zeit unterwegs gewesen. Nach einer
seiner vorherigen Mitteilungen, sollte in
diesem Lazarett sein Schultergelenk, das
steif ist, mittels einer Maschine gelenkig
gemacht werden. Er hätte einen Schulter-
durchschuß. Johann erhielt am 13.4. das Eiser-
ne Kreuz, es wurde uns von der ...
zugeschickt samt ein Glückwunschschreiben.
Johann ist bei der E.-Kranz-Verteilung
nicht mehr zugegen gewesen, da er we-
gen der Verwundung schon auf Transport
gewesen ist. Hinrich schrieb, daß er einen
Kursus beim Maschinengewehr mache.
Er schickte in d. Monat Mai, beiliegende
Blümchen von den Fluren Frankreichs.
Auch hat er sonst schon einen Maiengruß
gesandt. Hätte nur erst der Krieg ein
Ende. Das Leben geht so eintönig hin, es
ist nur Arbeit u. Sorgen. Die einzig-
ste Abwechslung ist die, daß uns hin
u. wieder einige Freundinnen sowie die
Flugzeugmatrosen d. hies.. Flugstation,
Willy Mölders u. Willy Vester, von ...
Oberhausen, Gesellschaft leisten. Ersterer
ist Kea ihr Freund. - Vater u. Kea
haben des Sonntags auch zu arbeiten, nur
sind sie des Abends früher frei als an den
Wochentagen. Mutter und ich haben neben
anderer Arbeit viel zu nähen, stopfen
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und flicken; denn die alten Kleider ge-
hen alle kaputt und kaufen kann
man nicht alles; vieles ist nicht mehr
zu haben und was noch da ist, ist furcht-
bar teuer. Wir haben aber in letzter Zeit
noch allerlei neue Sachen gekauft, trotz
den hohen Preisen. Herti bekam unter
anderem ein neues rotes Kleidchen zu
43 Mk u. ein Schürzchen zu 8,50 Mk.
Beinkleider gibt es auch nicht mehr, ich
mußte deshalb für Herti Knabenhöschen
umändern, welche das Stück 3,50 Mk kosten.
Und das Schlimmste ist, daß man kein
Zwirn hat. Wir hatten uns allerlei im Vor-
aus gekauft; dann nähen wir viel mit
Häkelgarn, doch das kann man auch
nicht mehr kriegen. Nu gibt es jetzt
noch schwarze Näh- u. bunte Stickseide.
Kürzlich erhielten wir Zwirnkarten. Es
gibt für Kinder bis zu 14 Jahren eine
Rolle. Erwachsene bekommen keins,
wo nur ein Kind ist, bekommt auch
keins. 2 Kinder erhalten eine Rolle.
- Kinder bekommen Rollen.
Wenn man jetzt ein paar neue Schuhe
bekommt, muß man dafür zuvor
alte abliefern. Eigentlich darf keiner mehr
als ein paar gute Schuhe haben. Na, und
wenn man das dann nur hätte! Leider
kann man für Geld u. gute Worte kei-
ne habhaft werden. Man muß sie
erst monatelang im Voraus bestellen.
Ja, das Leben ist sehr, sehr schwierig in
diesem Kriege - in allen Teilen!
Am 7. Mai vermieteten wir Zimmer No.1
an einen Offz.-Stellv., namens Haug
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"der Friede von Bukarest" haben.
Dienstag, den 30. April bis Donnerstag, d. 30. Mai
Soeben erhielten wir eine Karte von Johann,
worauf er mitteilt, daß er am 28.5. in
das Vereinslazarett in Neustadt a. der
Orla angekommen ist. Die Karte ist nur
kurze Zeit unterwegs gewesen. Nach einer
seiner vorherigen Mitteilungen, sollte in
diesem Lazarett sein Schultergelenk, das
steif ist, mittels einer Maschine gelenkig
gemacht werden. Er hätte einen Schulter-
durchschuß. Johann erhielt am 13.4. das Eiser-
ne Kreuz, es wurde uns von der ...
zugeschickt samt ein Glückwunschschreiben.
Johann ist bei der E.-Kranz-Verteilung
nicht mehr zugegen gewesen, da er we-
gen der Verwundung schon auf Transport
gewesen ist. Hinrich schrieb, daß er einen
Kursus beim Maschinengewehr mache.
Er schickte in d. Monat Mai, beiliegende
Blümchen von den Fluren Frankreichs.
Auch hat er sonst schon einen Maiengruß
gesandt. Hätte nur erst der Krieg ein
Ende. Das Leben geht so eintönig hin, es
ist nur Arbeit u. Sorgen. Die einzig-
ste Abwechslung ist die, daß uns hin
u. wieder einige Freundinnen sowie die
Flugzeugmatrosen d. hies.. Flugstation,
Willy Mölders u. Willy Vester, von ...
Oberhausen, Gesellschaft leisten. Ersterer
ist Kea ihr Freund. - Vater u. Kea
haben des Sonntags auch zu arbeiten, nur
sind sie des Abends früher frei als an den
Wochentagen. Mutter und ich haben neben
anderer Arbeit viel zu nähen, stopfen
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und flicken; denn die alten Kleider ge-
hen alle kaputt und kaufen kann
man nicht alles; vieles ist nicht mehr
zu haben und was noch da ist, ist furcht-
bar teuer. Wir haben aber in letzter Zeit
noch allerlei neue Sachen gekauft, trotz
den hohen Preisen. Herti bekam unter
anderem ein neues rotes Kleidchen zu
43 Mk u. ein Schürzchen zu 8,50 Mk.
Beinkleider gibt es auch nicht mehr, ich
mußte deshalb für Herti Knabenhöschen
umändern, welche das Stück 3,50 Mk kosten.
Und das Schlimmste ist, daß man kein
Zwirn hat. Wir hatten uns allerlei im Vor-
aus gekauft; dann nähen wir viel mit
Häkelgarn, doch das kann man auch
nicht mehr kriegen. Nu gibt es jetzt
noch schwarze Näh- u. bunte Stickseide.
Kürzlich erhielten wir Zwirnkarten. Es
gibt für Kinder bis zu 14 Jahren eine
Rolle. Erwachsene bekommen keins,
wo nur ein Kind ist, bekommt auch
keins. 2 Kinder erhalten eine Rolle.
- Kinder bekommen Rollen.
Wenn man jetzt ein paar neue Schuhe
bekommt, muß man dafür zuvor
alte abliefern. Eigentlich darf keiner mehr
als ein paar gute Schuhe haben. Na, und
wenn man das dann nur hätte! Leider
kann man für Geld u. gute Worte kei-
ne habhaft werden. Man muß sie
erst monatelang im Voraus bestellen.
Ja, das Leben ist sehr, sehr schwierig in
diesem Kriege - in allen Teilen!
Am 7. Mai vermieteten wir Zimmer No.1
an einen Offz.-Stellv., namens Haug
(aus Hannover),
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Dienstag, den 30. April bis Donnerstag, d. 30. Mai
Soeben erhielten wir eine Karte von Johann,
worauf er mitteilt, daß er am 28.5. in
das Vereinslazarett in Neustadt a. der
Orla angekommen ist. Die Karte ist nur
kurze Zeit unterwegs gewesen. Nach einer
seiner vorherigen Mitteilungen, sollte in
diesem Lazarett sein Schultergelenk, das
steif ist, mittels einer Maschine gelenkig
gemacht werden. Er hätte einen Schulter-
durchschuß. Johann erhielt am 13.4. das Eiser-
ne Kreuz, es wurde uns von der ...
zugeschickt samt ein Glückwunschschreiben.
Johann ist bei der E.-Kranz-Verteilung
nicht mehr zugegen gewesen, da er we-
gen der Verwundung schon auf Transport
gewesen ist. Hinrich schrieb, daß er einen
Kursus beim Maschinengewehr mache.
Er schickte in d. Monat Mai, beiliegende
Blümchen von den Fluren Frankreichs.
Auch hat er sonst schon einen Maiengruß
gesandt. Hätte nur erst der Krieg ein
Ende. Das Leben geht so eintönig hin, es
ist nur Arbeit u. Sorgen. Die einzig-
ste Abwechslung ist die, daß uns hin
u. wieder einige Freundinnen sowie die
Flugzeugmatrosen d. hies.. Flugstation,
Willy Mölders u. Willy Vester, von ...
Oberhausen, Gesellschaft leisten. Ersterer
ist Kea ihr Freund. - Vater u. Kea
haben des Sonntags auch zu arbeiten, nur
sind sie des Abends früher frei als an den
Wochentagen. Mutter und ich haben neben
anderer Arbeit viel zu nähen, stopfen
right page
und flicken; denn die alten Kleider ge-
hen alle kaputt und kaufen kann
man nicht alles; vieles ist nicht mehr
zu haben und was noch da ist, ist furcht-
bar teuer. Wir haben aber in letzter Zeit
noch allerlei neue Sachen gekauft, trotz
den hohen Preisen.
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Norderney
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- Contributor
- Johanna Senkowski
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