Briefe von Walther Huth an seine Eltern und Bekannte , item 8

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...linke Seite

Zeug bekommen, die Schuhmacher sind

weg und daher wird auch kein Zeug in Ordnung

gebracht. Sonst brauche ich mein Geld nur

zum Veressen, bzw. für Butter. Wäsche haben

wir noch nicht empfangen, muß aber in den

nächsten Tagen kommen. Für einige Unterhosen

wäre ich sehr dankbar, da wir immer wie die

Mohren aussehen nach dem Exerzieren. Gestern

haben wir in der Spree gebadet, das war eine

Wohltat ! Meine Sachen können ruhig vorläufig

in Naumburg bleiben. Wenn wir ausrücken,

schicke ich Euch die Schlüssel. Meine Schulbücher

können ja der Bibliothek einverleibt werden.

Hoffentlich wird nun Mutters Arm bald besser,

ich dachte, die Wunde wäre längst zu ! Vater

soll nur ruhig heim bleiben ! Wenn wir Jugend

draußen sind, genügt das doch wohl,

außerdem würde er wohl kaum 3 Stunden

Schwärmbewegungen und Aufmärsche im

Laufschritt aushalten !

Viel Spaß machen mir die Instruktionen

über das Gewehr und die naiven Erklärungen der

Ballistik, einfach lächerlich kindlich, nur kapierens

die Leute noch nicht ! Eben habe ich mal wieder


...rechte Seite

tüchtig gegessen, nun kanns wieder weiter gehen.

Heute ist die Ersatzgardedivision aus unserem

und dem Elisabethenregiment ausgerückt. Morgen

solls nach der Hasenheide gehen und nicht nach

der Pappel, das sind 1 1/2 Stunden zu laufen, na

denn man tau. Affe [Tornister] mit Sandsack,

Patronentaschen mit 2 Holzklötzen. Heute ist bis auf einen

die ganze Stube auf Urlaub in Zivil. Ich gehe

nachher auch zu Lembke zum Abendbrot. Vorgestern

war Lenchen bei mir mit Frl. Klewesen,

aber nur 5 Min., da ich gerade zum Dienst

mußte. Es ist vielleicht unbescheiden, wenn ich

nochmals um Geld bitte, aber ich befinde mich

vis à vis de rien [vor dem nichts] und muß noch 15 M für Stiefel

ausgeben. Seid also bitte nicht böse ! Ich werde

mich im Übrigen einzurichten wissen, aber ohne

gute Fußbekleidung ist ein Grenadier eben

einfach undenkbar. Mit herzl. Grüßen an Euch

alle, auch an Schputti und Putz Euer

                               dankbarer Sohn Walther.

Unter den Fenstern steht Jungberlin und

brüllt fortwährend "Sie ! Sie !" um Brot zu

bekommen. Wenn wir übrig haben, tun wir

ihnen den Gefallen, natürlich nur, wenn recht

                       





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...linke Seite

Zeug bekommen, die Schuhmacher sind

weg und daher wird auch kein Zeug in Ordnung

gebracht. Sonst brauche ich mein Geld nur

zum Veressen, bzw. für Butter. Wäsche haben

wir noch nicht empfangen, muß aber in den

nächsten Tagen kommen. Für einige Unterhosen

wäre ich sehr dankbar, da wir immer wie die

Mohren aussehen nach dem Exerzieren. Gestern

haben wir in der Spree gebadet, das war eine

Wohltat ! Meine Sachen können ruhig vorläufig

in Naumburg bleiben. Wenn wir ausrücken,

schicke ich Euch die Schlüssel. Meine Schulbücher

können ja der Bibliothek einverleibt werden.

Hoffentlich wird nun Mutters Arm bald besser,

ich dachte, die Wunde wäre längst zu ! Vater

soll nur ruhig heim bleiben ! Wenn wir Jugend

draußen sind, genügt das doch wohl,

außerdem würde er wohl kaum 3 Stunden

Schwärmbewegungen und Aufmärsche im

Laufschritt aushalten !

Viel Spaß machen mir die Instruktionen

über das Gewehr und die naiven Erklärungen der

Ballistik, einfach lächerlich kindlich, nur kapierens

die Leute noch nicht ! Eben habe ich mal wieder


...rechte Seite

tüchtig gegessen, nun kanns wieder weiter gehen.

Heute ist die Ersatzgardedivision aus unserem

und dem Elisabethenregiment ausgerückt. Morgen

solls nach der Hasenheide gehen und nicht nach

der Pappel, das sind 1 1/2 Stunden zu laufen, na

denn man tau. Affe [Tornister] mit Sandsack,

Patronentaschen mit 2 Holzklötzen. Heute ist bis auf einen

die ganze Stube auf Urlaub in Zivil. Ich gehe

nachher auch zu Lembke zum Abendbrot. Vorgestern

war Lenchen bei mir mit Frl. Klewesen,

aber nur 5 Min., da ich gerade zum Dienst

mußte. Es ist vielleicht unbescheiden, wenn ich

nochmals um Geld bitte, aber ich befinde mich

vis à vis de rien [vor dem nichts] und muß noch 15 M für Stiefel

ausgeben. Seid also bitte nicht böse ! Ich werde

mich im Übrigen einzurichten wissen, aber ohne

gute Fußbekleidung ist ein Grenadier eben

einfach undenkbar. Mit herzl. Grüßen an Euch

alle, auch an Schputti und Putz Euer

                               dankbarer Sohn Walther.

Unter den Fenstern steht Jungberlin und

brüllt fortwährend "Sie ! Sie !" um Brot zu

bekommen. Wenn wir übrig haben, tun wir

ihnen den Gefallen, natürlich nur, wenn recht

                       






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  • January 13, 2017 22:48:07 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    Zeug bekommen, die Schuhmacher sind

    weg und daher wird auch kein Zeug in Ordnung

    gebracht. Sonst brauche ich mein Geld nur

    zum Veressen, bzw. für Butter. Wäsche haben

    wir noch nicht empfangen, muß aber in den

    nächsten Tagen kommen. Für einige Unterhosen

    wäre ich sehr dankbar, da wir immer wie die

    Mohren aussehen nach dem Exerzieren. Gestern

    haben wir in der Spree gebadet, das war eine

    Wohltat ! Meine Sachen können ruhig vorläufig

    in Naumburg bleiben. Wenn wir ausrücken,

    schicke ich Euch die Schlüssel. Meine Schulbücher

    können ja der Bibliothek einverleibt werden.

    Hoffentlich wird nun Mutters Arm bald besser,

    ich dachte, die Wunde wäre längst zu ! Vater

    soll nur ruhig heim bleiben ! Wenn wir Jugend

    draußen sind, genügt das doch wohl,

    außerdem würde er wohl kaum 3 Stunden

    Schwärmbewegungen und Aufmärsche im

    Laufschritt aushalten !

    Viel Spaß machen mir die Instruktionen

    über das Gewehr und die naiven Erklärungen der

    Ballistik, einfach lächerlich kindlich, nur kapierens

    die Leute noch nicht ! Eben habe ich mal wieder


    ...rechte Seite

    tüchtig gegessen, nun kanns wieder weiter gehen.

    Heute ist die Ersatzgardedivision aus unserem

    und dem Elisabethenregiment ausgerückt. Morgen

    solls nach der Hasenheide gehen und nicht nach

    der Pappel, das sind 1 1/2 Stunden zu laufen, na

    denn man tau. Affe [Tornister] mit Sandsack,

    Patronentaschen mit 2 Holzklötzen. Heute ist bis auf einen

    die ganze Stube auf Urlaub in Zivil. Ich gehe

    nachher auch zu Lembke zum Abendbrot. Vorgestern

    war Lenchen bei mir mit Frl. Klewesen,

    aber nur 5 Min., da ich gerade zum Dienst

    mußte. Es ist vielleicht unbescheiden, wenn ich

    nochmals um Geld bitte, aber ich befinde mich

    vis à vis de rien [vor dem nichts] und muß noch 15 M für Stiefel

    ausgeben. Seid also bitte nicht böse ! Ich werde

    mich im Übrigen einzurichten wissen, aber ohne

    gute Fußbekleidung ist ein Grenadier eben

    einfach undenkbar. Mit herzl. Grüßen an Euch

    alle, auch an Schputti und Putz Euer

                                   dankbarer Sohn Walther.

    Unter den Fenstern steht Jungberlin und

    brüllt fortwährend "Sie ! Sie !" um Brot zu

    bekommen. Wenn wir übrig haben, tun wir

    ihnen den Gefallen, natürlich nur, wenn recht

                           





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  • 52.52174115006715||13.39077554100038||

    Berlin, Alexanderkaserne

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    Coswig (bei Dresden)

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2656 / 33615
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Friedrich-Carl Hoffmann
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