Kleukens-Archiv / 2) Druckwerke von C. H. und F. W. Kleukens an der Front, item 10

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Tages-Bericht

Großes Hauptquartier, den 2. 10. 17.

WESTEN:

Heeresgruppe Kronzprinz Rupprecht:

In der Mitte der flandrischen Front war der Artilleriekampf stark, zwischen Landgemarck

und Hollebeke mehrfach zu heftigen Trommelfeuerwellen gesteigert. -

Morgens entrissen unsere Sturmtruppen den Engländern am Polygon- Wald, nördlich

der Straße Menin-Ypern, in etwa 500  m Tiefe Kampfgelände, das gegen

mehrmalige starke Gegenangriffe behauptet wurde. Außer erheblichen Verlusten

büßte der Feind Gefangene ein.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz:

Nördlich von Soisson nahm die Kampftätigkeit der Artillerie zu. - Vor Verdun

war der Feuerkampf im Anschluss an ein erfolgreiches Unternehmen auf dem

Ostufer der Maas lebhaft. Bei Bezonvaux brachen morgens Infanterie-Stossgruppen

mit Pionieren bis in die hinteren Linien der französischen Stellung,

zerstörten dort die Grabenanlagen und kehrten mit mehr als 100 Gefangenen

in die eigene Stellung befehlsgemäß zurück.

Im OSTEN und an der MAZEDONISCHEN FRONT blieb bei geringer Gefechtstätigkeit

die Lage unverändert.                                    Der erste Generalquartiermeister:

Ludendorff                                                                                       

 

 

 

 Fortführung des Artikels der Vorangeganenen Seite: 

 linke Spalte 

 Generalstabschef sagte: 'Kann man

nicht die allgemeine Mobilmachung durch

eine teilweise nur gegen Österreich ersetzen?'

Darauf antwortete der Generalstabschef:

'Das ist außerordentlich

schwer.' Der Zar hätte daraus sagen sollen:

Wenn's bloß außerordentlich schwer

ist, so hat's zu geschehen! und jeder vernünftig

denkende Mensch, der die Ereignisse

unvoreingenommen beurteilt, muß

zugeben, daß die Ereignisse dann eine

Wendung genommen hätten, die den Umfang

des Krieges vermindert oder ihn sogar

verhindert hätten. Nur die Aussage :

'In 10 Minuten hatten wir entschieden,

daß es erstmal unmöglich sei, die allgemeine Mobilmachung

aufzuheben und daß diese

Aufhebung für Rußland katastrophal sein

würde', ist interessant. In 10 Minuten haben

also alle, auch die Nichtspezialisten,

eine so komplizietre Frage gelöst, die

selbst für genaue Spezialkenner den Austausch

tiefgründiger Ansichten erfordert

hätte. Mit einem Wort: Der gewaltigste

Vorgang im Leben eines so komplizierten

 rechte Spalte 

Reiches, wie es Rußland ist, wurde in 10

Minuten entschieden unter Führung von

Unerfahrenheit, Tollheit, Oberflächlichkeit,

Leichtsinn und Selbstüberhebung.


ABSCHNITTS-BERICHT

Am 1. 10. im Abschnitt der Division tagsüber

geringe Gefechtstätigkeit. Gegen

Abend zunehmendes beiderseitiges Artilleriefeuer,

vorübergehend Sperrfeuer.

Sonst keine besonderen Ereignisse.

Bei den Nachbardivisionen nichts von Bedeutung.


Wer Kriegsanleihe zeichnet, macht mir

die schönste Geburtstagsgabe !

                                             v. Hindenburgh


PRESSEDIENST:

BERN: Der internat. Gewerkschaftskongress

wurde am Montag vormittag eröffnet.

Aus Italien und Frankreich, die sich

angemeldet hatten, erschien niemand;

den Franzosen waren die Pässe verweigert

worden.

 

 unten mittig: Gedruckt in der Divisions-Druckerei


 

 

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Tages-Bericht

Großes Hauptquartier, den 2. 10. 17.

WESTEN:

Heeresgruppe Kronzprinz Rupprecht:

In der Mitte der flandrischen Front war der Artilleriekampf stark, zwischen Landgemarck

und Hollebeke mehrfach zu heftigen Trommelfeuerwellen gesteigert. -

Morgens entrissen unsere Sturmtruppen den Engländern am Polygon- Wald, nördlich

der Straße Menin-Ypern, in etwa 500  m Tiefe Kampfgelände, das gegen

mehrmalige starke Gegenangriffe behauptet wurde. Außer erheblichen Verlusten

büßte der Feind Gefangene ein.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz:

Nördlich von Soisson nahm die Kampftätigkeit der Artillerie zu. - Vor Verdun

war der Feuerkampf im Anschluss an ein erfolgreiches Unternehmen auf dem

Ostufer der Maas lebhaft. Bei Bezonvaux brachen morgens Infanterie-Stossgruppen

mit Pionieren bis in die hinteren Linien der französischen Stellung,

zerstörten dort die Grabenanlagen und kehrten mit mehr als 100 Gefangenen

in die eigene Stellung befehlsgemäß zurück.

Im OSTEN und an der MAZEDONISCHEN FRONT blieb bei geringer Gefechtstätigkeit

die Lage unverändert.                                    Der erste Generalquartiermeister:

Ludendorff                                                                                       

 

 

 

 Fortführung des Artikels der Vorangeganenen Seite: 

 linke Spalte 

 Generalstabschef sagte: 'Kann man

nicht die allgemeine Mobilmachung durch

eine teilweise nur gegen Österreich ersetzen?'

Darauf antwortete der Generalstabschef:

'Das ist außerordentlich

schwer.' Der Zar hätte daraus sagen sollen:

Wenn's bloß außerordentlich schwer

ist, so hat's zu geschehen! und jeder vernünftig

denkende Mensch, der die Ereignisse

unvoreingenommen beurteilt, muß

zugeben, daß die Ereignisse dann eine

Wendung genommen hätten, die den Umfang

des Krieges vermindert oder ihn sogar

verhindert hätten. Nur die Aussage :

'In 10 Minuten hatten wir entschieden,

daß es erstmal unmöglich sei, die allgemeine Mobilmachung

aufzuheben und daß diese

Aufhebung für Rußland katastrophal sein

würde', ist interessant. In 10 Minuten haben

also alle, auch die Nichtspezialisten,

eine so komplizietre Frage gelöst, die

selbst für genaue Spezialkenner den Austausch

tiefgründiger Ansichten erfordert

hätte. Mit einem Wort: Der gewaltigste

Vorgang im Leben eines so komplizierten

 rechte Spalte 

Reiches, wie es Rußland ist, wurde in 10

Minuten entschieden unter Führung von

Unerfahrenheit, Tollheit, Oberflächlichkeit,

Leichtsinn und Selbstüberhebung.


ABSCHNITTS-BERICHT

Am 1. 10. im Abschnitt der Division tagsüber

geringe Gefechtstätigkeit. Gegen

Abend zunehmendes beiderseitiges Artilleriefeuer,

vorübergehend Sperrfeuer.

Sonst keine besonderen Ereignisse.

Bei den Nachbardivisionen nichts von Bedeutung.


Wer Kriegsanleihe zeichnet, macht mir

die schönste Geburtstagsgabe !

                                             v. Hindenburgh


PRESSEDIENST:

BERN: Der internat. Gewerkschaftskongress

wurde am Montag vormittag eröffnet.

Aus Italien und Frankreich, die sich

angemeldet hatten, erschien niemand;

den Franzosen waren die Pässe verweigert

worden.

 

 unten mittig: Gedruckt in der Divisions-Druckerei


 

 


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  • August 15, 2017 15:59:46 Tina Emm

    Tages-Bericht

    Großes Hauptquartier, den 2. 10. 17.

    WESTEN:

    Heeresgruppe Kronzprinz Rupprecht:

    In der Mitte der flandrischen Front war der Artilleriekampf stark, zwischen Landgemarck

    und Hollebeke mehrfach zu heftigen Trommelfeuerwellen gesteigert. -

    Morgens entrissen unsere Sturmtruppen den Engländern am Polygon- Wald, nördlich

    der Straße Menin-Ypern, in etwa 500  m Tiefe Kampfgelände, das gegen

    mehrmalige starke Gegenangriffe behauptet wurde. Außer erheblichen Verlusten

    büßte der Feind Gefangene ein.

    Heeresgruppe Deutscher Kronprinz:

    Nördlich von Soisson nahm die Kampftätigkeit der Artillerie zu. - Vor Verdun

    war der Feuerkampf im Anschluss an ein erfolgreiches Unternehmen auf dem

    Ostufer der Maas lebhaft. Bei Bezonvaux brachen morgens Infanterie-Stossgruppen

    mit Pionieren bis in die hinteren Linien der französischen Stellung,

    zerstörten dort die Grabenanlagen und kehrten mit mehr als 100 Gefangenen

    in die eigene Stellung befehlsgemäß zurück.

    Im OSTEN und an der MAZEDONISCHEN FRONT blieb bei geringer Gefechtstätigkeit

    die Lage unverändert.                                    Der erste Generalquartiermeister:

    Ludendorff                                                                                       

     

     

     

     Fortführung des Artikels der Vorangeganenen Seite: 

     linke Spalte 

     Generalstabschef sagte: 'Kann man

    nicht die allgemeine Mobilmachung durch

    eine teilweise nur gegen Österreich ersetzen?'

    Darauf antwortete der Generalstabschef:

    'Das ist außerordentlich

    schwer.' Der Zar hätte daraus sagen sollen:

    Wenn's bloß außerordentlich schwer

    ist, so hat's zu geschehen! und jeder vernünftig

    denkende Mensch, der die Ereignisse

    unvoreingenommen beurteilt, muß

    zugeben, daß die Ereignisse dann eine

    Wendung genommen hätten, die den Umfang

    des Krieges vermindert oder ihn sogar

    verhindert hätten. Nur die Aussage :

    'In 10 Minuten hatten wir entschieden,

    daß es erstmal unmöglich sei, die allgemeine Mobilmachung

    aufzuheben und daß diese

    Aufhebung für Rußland katastrophal sein

    würde', ist interessant. In 10 Minuten haben

    also alle, auch die Nichtspezialisten,

    eine so komplizietre Frage gelöst, die

    selbst für genaue Spezialkenner den Austausch

    tiefgründiger Ansichten erfordert

    hätte. Mit einem Wort: Der gewaltigste

    Vorgang im Leben eines so komplizierten

     rechte Spalte 

    Reiches, wie es Rußland ist, wurde in 10

    Minuten entschieden unter Führung von

    Unerfahrenheit, Tollheit, Oberflächlichkeit,

    Leichtsinn und Selbstüberhebung.


    ABSCHNITTS-BERICHT

    Am 1. 10. im Abschnitt der Division tagsüber

    geringe Gefechtstätigkeit. Gegen

    Abend zunehmendes beiderseitiges Artilleriefeuer,

    vorübergehend Sperrfeuer.

    Sonst keine besonderen Ereignisse.

    Bei den Nachbardivisionen nichts von Bedeutung.


    Wer Kriegsanleihe zeichnet, macht mir

    die schönste Geburtstagsgabe !

                                                 v. Hindenburgh


    PRESSEDIENST:

    BERN: Der internat. Gewerkschaftskongress

    wurde am Montag vormittag eröffnet.

    Aus Italien und Frankreich, die sich

    angemeldet hatten, erschien niemand;

    den Franzosen waren die Pässe verweigert

    worden.

     

     unten mittig: Gedruckt in der Divisions-Druckerei


     

     


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    ID
    1770 / 20870
    Source
    http://europeana1914-1918.eu/...
    Contributor
    Harald Ernstberger Kleukens Archiv Darmstadt
    License
    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


    October 2, 1917
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