Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 95
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durchsuchten oder gegen abgetragene umtauschten, wie sich
später herausstellte. Diese Kerle waren so faul, dass sie
des Nachts nur ein bis zwei Mal kamen um nach
unseren Wunden zu fragen. Besonders drückte uns
nachts oft der Urin, als es dringend Not war, humpelte
der Mann, der einen Gesäss Schuss hatte, und neben
dessen Bett ein Stuhl stand, mit diesem mühsam
von Bett zu Bett. Die bewussten Töpfe prangten dann
zum Erstaunen des Wärters später mitten auf dem Tisch.
So ging es mehrere Tage. Besonders der eine der beiden
Engländer, der sich in seinem Gipsverband kaum bewegen
konnte hatte zu leiden. Da er kein Deutsch sprach noch verstand,
die Wärter sich im Zeichen geben nicht die geringste Mühe
gaben um dem Manne seine Wünsche abzulesen, musste
seine Notdurft ins Bett besorgen. Als die Wärter darob
in derben Ausdrücken schimpften, was der Engländer ja
zum Glück nicht verstand, verbaten sich die im Zimmer
liegenden Churgästen diesen Ton Verwundeten, und seien es auch
Engländer, gegenüber.
Der junge Krieger rechts von mir, ein Pastorssohn
aus Nowawes, welcher ausser seiner Oberschenkelwunde
Fieber hatte, hatte andauernd Wünsche. Ich half ihm so
gut ich konnte, sagte ihm aber dennoch Bescheid. Besser
wurde die Lage, als am 18. X. ein junger Oberarzt die Zimmer
abging. Seitdem 17. waren die Preussen durch das bayrische
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Feldlazarett 298 abgelöst, ohne dass am ersten Tage etwas
besonderes für uns geschah. Am andern Morgen schritt der
besagte, äusserst schneidig aussehende Oberarzt die Zimmer
ab, wunderte sich über unser Aussehen und Aufmachung
der Betten, die nicht bezogen waren, die Hemden so schmutzig
und voll Blut, just wie wir aus Stellung gekommen waren.
Als er erfuhr dass wir schon 3-4 Tage hier lagen, liess er den
Inspektor rufen. Dieser bekam einen gewaltigen Rüffel, ob er
uns hier im Dreck und Speck liegen lassen wolle, anstatt
Wäsche und Hemden auszugeben, oder ob er diese
verschieben wolle. - Kaum 2 Stunden später war alles
blitzsauber. Wir konnten die oft von geronnenem Blute steifen und
schmutzigen Hemden gegen neue vertauschen. Wir bekamen
Kopfkissenbezüge, desgl. fürs Bett und die Decken und eine
weitere Decke zum Zudecken.
Am 16. war ich geröncht worden. Die Splitter wurden
in ihrer Lage durch Kreuze auf der Haut fixiert und
in eine Skizze eingezeichnet. Am 17.X. wurde ich gleich 17.X.
nach dem Frühstück ins Operationszimmer getragen. Der
junge Oberarzt in weisser Schürze und langen
Gummihandschuhen operierte. Er klopfte mir auf den Schenkel und
sagte: " Na Junge, Du hast noch mal die richtigen Stellen
hingehalten!" Ein Sanitätsunteroffizier kam mit der
Maske tropfte Chloroform darauf und nakotisirte
mich. Erst ein Brummen in Schädel und weg war ich.
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durchsuchten oder gegen abgetragene umtauschten, wie sich
später herausstellte. Diese Kerle waren so faul, dass sie
des Nachts nur ein bis zwei Mal kamen um nach
unseren Wunden zu fragen. Besonders drückte uns
nachts oft der Urin, als es dringend Not war, humpelte
der Mann, der einen Gesäss Schuss hatte, und neben
dessen Bett ein Stuhl stand, mit diesem mühsam
von Bett zu Bett. Die bewussten Töpfe prangten dann
zum Erstaunen des Wärters später mitten auf dem Tisch.
So ging es mehrere Tage. Besonders der eine der beiden
Eingländer, der sich in seinem Gipsverband kaum bewegen
konnte hatte zu leiden. Da er kein Deutsch sprach noch verstand,
die Wärter sich im Zeichen geben nicht die geringste Mühe
gaben um dem Manne seine Wünsche abzulesen, musste
seine Notdurft ins Bett besorgen. Als die Wärter darob
in derben Ausdrücken schimpften, was der Engländer ja
zum Glück nicht verstand, verbaten sich die im Zimmer
liegenden Churgästen diesen Ton Verwundeten, und seien es auch
Engländer, gegenüber.
Der junge Krieger rechts von mir, ein Pastorssohn
aus Nowawes, welcher ausser seiner Oberschenkelwunde
Fieber hatte, hatte andauernd Wünsche. Ich half ihm so
gut ich konnte, sagte ihm aber dennoch Bescheid. Besser
wurde die Lage, als am 18. X. ein junger Oberarzt die Zimmer
abging. Seitdem 17. waren die Preussen durch das bayrische
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Feldlazarett 298 abgelöst, ohne am ersten Tage etwas
besonderes für uns geschah. Am andern Morgen schritt der
besagte, äusserst schneidig aussehende Oberarzt die Zimmer
ab, wunderte sich über unser Aussehen und Aufmachung
der Betten, die nicht bezogen waren, die Hemden so schmutzig
und voll Blut, just wie wir aus Stellung gekommen waren.
Als er erfuhr dass wir schon 3-4 Tage hier lagen, liess er den
Inspektor rufen. Dieser bekam einen gewaltigen Rüffel, ob er
uns hier im Dreck und Speck liegen lassen wolle, anstatt
Wäsche und Hemden auszugeben, oder ob er diese
verschieben wolle. - Kaum 2 Stunden später war alles
blitzsauber. Wir konnten die oft von grossenem Blute steifen und
schmutzigen Hemden gegen neue vertauschen. Wir bekamen
Kopfkissenbezüge, desgl. fürs Bett und die Decken und eine
weitere Decke zum Zudecken.
Am 16. war ich geröncht worden. Die Splitter wurden
in ihrer Lage durch Kreuze auf der Haut fixiert und
in eine Skizze eingezeichnet. Am 17.X. wurde ich gleich 17.X.
nach dem Frühstück ins Operationszimmer getragen. Der
junge Oberarzt in weisser Schürze und langen
Gummihandschuhen operierte. Er klopfte mir auf den Schenkel und
sagte: " Na Junge, Du hast noch mal die richtigen Stellen
hingehalten!" Ein Sanitätsunteroffizier kam mit der
Maske tropfte Chloroform darauf und nakotisirte
mich. Erst ein Brummen in Schädel und weg war ich.
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durchsuchten oder gegen abgetragene Umtauschten, wie sich
später herausstellte. Diese Kerle waren so faul, dass sie
des Nachts nur ein bis zwei Mal kamen um nach
unseren Wunden zu fragen. Besonders drückt uns
nachts oft der Urin, als es dringend Not war, humpelte
der Mann, der einen Gesäss Schuss hatte,, und neben
dessen Bett ein Stuhl stand, mit diessem mühsam
von Bett zu Bett. Die bewussten Töpfe prangten dann
zum Erstaunen des Wärters später mitten auf dem Tisch.
So ging es mehrere Tage. Besonders der eine der beiden
Eingländer. der sich in seinem Gipsverband kaum bewegen
konnte hatte zu leiden. Da er kein Deutsch sprach noch verstand,
die Wärter sich im Zeichen geben nicht die geringste Mühe
gaben um dem Manne seine Wünsche abzulesen, musste
seine Notdurft ins Bett besorgen. Als die Wärter darob
in derben Ausdrücken schmipften, was der Engländer ja
zum Glück nicht verstand, verbaten sich die im Zimmer
liegenden Ehargierten diesen Tom Verwundeten, und seien es auch
Engländer, gegenüber.
Der junge Krieger rechts von mir, ein Pastorsohn
aus Nowawes, welcher ausser seiner Oberschenkelwunde
Fieber hatte, hatte andauernd Wünsche. Ich half ihm so
gut ich konnte, sagte ihm aber dennoch Bescheid. Besser
wurde die Lage, als am 18.X. ein junger Oberarzt die Zimmer
abging. Seitdem 17. waren die Breussen durch das bayrische
S. 176
Feldlazarett 298 abgelöst, ohne am ersten Tage etwas
besonderes fr uns geschah. Am andern Morgen schritt der
besagte, äusserst geschneidig aussehende Oberarzt die Zimmer
ab, wunderte sich über unser Aussehen und Aufmachung
der Betten, die nicht besorgen waren, die Hemden so schmutzig
und voll Blut, just wie wir aus Stellung gekommen waren.
Als er erfuhr dass wir schon 3-4 Tage hier lagen, liess er den
Inspektor rufen. Dieser bekam einen gewaltigen Rüffel, ob er
uns hier im Dreck und Speck liegen lassen wolle, anstatt
Wäsche und Hemden auszugeben, oder ob er diese
verschieben wolle. - Kaum 2 Stunden später war alles
blitzsauber. Wir konnten die oft von grossenem Blute steifen und
schmutzigen Hemden gegen neue vertauschen. Wir bekamen
Kopfkissenbezüge, desgl. fürs Bett und die Decken und eine
weitere Decke zum Zudecken.
Am 16. war ich geröngt worden. Die Splitter wurden
in ihrer Lage durch Kreuze auf der Haupt fixiert und
in eine Skizze eingezeichnet. Am 17.X. wurde ich gleich
nach dem Frühstück ins Operationszimmer getragen. Der
junge Oberarzt in weisser Schürze und langen
Gummihandschuhen operierte. Er klopfte mir auf den Schenkel und
sagte: " Da Junge, Du hast noch mal die richtigen Stellen
hingehalten! - Ein Sanitätsunteroffizier kam mit der
Maske tropfte Chloroform darauf und nakotisirte
mich. Erst ein Brummen in Schädel und weg war ich.
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durchsuchten oder gegen abgetragene Umtauschten, wie sich
später herausstellte. Diese Kerle waren so faul, dass sie
des Nachts nur ein bis zwei Mal kamen um nach
unseren Wunden zu fragen. Besonders drückt uns
nachts oft der Urin, als es dringend Not war, humpelte
der Mann, der einen Gesäss Schuss hatte,, und neben
dessen Bett ein Stuhl stand, mit diessem mühsam
von Bett zu Bett. Die bewussten Töpfe prangten dann
zum Erstaunen des Wärters später mitten auf dem Tisch.
So ging es mehrere Tage. Besonders der eine der beiden
Eingländer. der sich in seinem Gipsverband kaum bewegen
konnte hatte zu leiden. Da er kein Deutsch sprach noch verstand,
die Wärter sich im Zeichen geben nicht die geringste Mühe
gaben um dem Manne seine Wünsche abzulesen, musste
seine Notdurft ins Bett besorgen. Als die Wärter darob
in derben Ausdrücken schmipften, was der Engländer ja
zum Glück nicht verstand, verbaten sich die im Zimmer
liegenden Ehargierten diesen Tom Verwundeten, und seien es auch
Engländer, gegenüber.
Der junge Krieger rechts von mir, ein Pastorsohn
aus Nowawes, welcher ausser seiner Oberschenkelwunde
Fieber hatte, hatte andauernd Wünsche. Ich half ihm so
gut ich konnte, sagte ihm aber dennoch Bescheid. Besser
wurde die Lage, als am 18.X. ein junger Oberarzt die Zimmer
abging. Seitdem 17. waren die Breussen durch das bayrische
S. 176
Feldlazarett 298 abgelöst, ohne am ersten Tage etwas
besonderes fr uns geschah. Am andern Morgen schritt der
besagte, äusserst geschneidig aussehende Oberarzt die Zimmer
ab, wunderte sich über unser Aussehen und Aufmachung
der Betten, die nicht besorgen waren, die Hemden so schmutzig
und voll Blut, just wie wir aus Stellung gekommen waren.
Als er erfuhr dass wir schon 3-4 Tage hier lagen, liess er den
Inspektor rufen. Dieser bekam einen gewaltigen Rüffel, ob er
uns hier im Dreck und Speck liegen lassen wolle, anstatt
Wäsche und Hemden auszugeben, oder ob er diese
verschieben wolle. - Kaum 2 Stunden später war alles
blitzsauber. Wir konnten die oft von grossenem Blute steifen und
schmutzigen Hemden gegen neue vertauschen. Wir bekamen
Kopfkissenbezüge, desgl. fürs Bett und die Decken und eine
weitere Decke zum Zudecken.
Am 16. war ich geröngt worden. Die Splitter wurden
in ihrer Lage durch Kreuze auf der Haupt fixiert und
in eine Skizze eingezeichnet. Am 17.X. wurde ich gleich
nach dem Frühstück ins Operationszimmer getragen. Der
junge Oberarzt in weisser Schürze und langen
Gummihandschuhen operierte. Er klopfte mir auf den Schenkel und
-
S. 175
durchsuchten oder gegen abgetragene Umtauschten, wie sich
später herausstellte. Diese Kerle waren so faul, dass sie
des Nachts nur ein bis zwei Mal kamen um nach
unseren Wunden zu fragen.
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- Heike Knothe
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