Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 94
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S.173
zusammen gezimmert, dann lag ich wie alle übrigen 15
Mann auf einem mit einer Decke überzogenen
Strohsack, eine weitere diente als Zudecke. Meine Sachen
hatte ich so ziemlich alle mitgebracht, selbst die neuen
Stiefeln, die so sehr begehrt waren, gab ich erst hier
in Verwahrung, leider - denn hier wurden mir dieselben
umgetauscht gegen ein Paar völlig abgetragene, aber ich
brauchte ja vorläufig keine mehr. - Beim Ausziehen der
Stiefel entdeckte ich eine weitere Verwundung über der
linken Ferse. Meinen arg zerfetzten Rock behielt ich
als Kopfkissen, die linke Tasche war durchlocht und
einer Zigarettenschachtel, welche noch in meinem Besitz
ist, eine Ecke arg lediert, ebenso war der linke untere
Rockhinterteil völlig zerfetzt. So hatte ich bei der
Verwundung ungemein Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass
die Granate wahrscheinlich zwischen meinen Beinen hindurch
neben mir explodierte. Ich erhielt 5 Stecksplitter und
2 Streifschüsse, alle in die linke Seite, und zwar die beiden
grössten Splitter, ein fingerlanges Stück in den Rücken,
ein daumenkuppengrosses Stück in den Oberschenkel, dann
je ein kleineres über die linke Ferse, überm Knie und
in den linken Unterarm, je einen Streifschuss im Rücken
und linken Oberarm; mehrere andere Splitter zwischen
Rock und Tornister. - Nun war man geborgen und
in Pflege, freilich konnte es noch längere Zeit dauern
S. 174
bis man zur Operation an die Reihe kommt, denn die
Ärzte hatten alle Hände voll zu tun und von Morgen bis
zum Abend hörte man das Jammern besonders Geplagter.
Im Zimmer lagen etwa 16 Mann. Zunächst ein
Sergant, dem ein Granatsplitter den Mittelfinger der
linken Hand zeriss, die Granate platzte unter seinem Pferde.
Dann ein Anderer mit Oberarmknochenschuss, diesen beiden
waren Gestelle errichtet die teils an der Wand, teils an der
Decke befestigt waren, sodass sich beide nur wenig
bewegen konnten. Dann war noch ein Anderer mit
Gesässschuss. Rechts von mir lag ein junger Krieger mit
Oberschenkelschuss, links ein Enländer mit gleicher
Verwundung im Gipsverband. Keiner der Leute konnte aufstehen,
und des Nachts war ein leises Wimmern zu hören,
dass bei Tage von Unterhaltungen verschlungen wurde.
Die Verpflegung ging, die Pflege der Krankenwärter,
besonders des Nachts war äusserst schlecht, stundenlang
kümmerte sich überhaupt niemand, ferner rauchten
die Sanitäter andauernd, während man uns das so
beliebte Zeitvertreibungsmittel vorenthielt. Erst auf
Beschwerden, die noch öfters vorkamen, wurde diesem Übelstand
abgeholfen. Das man uns neue Wäsche brachte, oder Wasser
zum Waschen, oder die Decken oder Strohsäcke zurechtrückte
daran dachte niemand, vor allem nicht die Wärter, die
anscheinend die in Verwahrung genommenen Sachen
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zusammen gezimmert, dann lag ich wie alle übrigen 15
Mann auf einem mit einer Decke überzogenen
Strohsack, eine weitere diente als Zudecke. Meine Sachen
hatte ich so ziemlich alle mitgebracht, selbst die neuen
Stiefeln, die so sehr begehrt waren, gab ich erst hier
in Verwahrung, leider - denn hier wurden mir dieselben
umgetauscht gegen ein Paar völlig abgetragene, aber ich
brauchte ja vorläufig keine mehr. - Beim Ausziehen der
Stiefel entdeckte ich eine weitere Verwundung über der
linken Ferse. Meinen arg zerfetzten Rock behielt ich
als Kopfkissen, die linke Tasche war durchlocht und
einer Zigarettenschachtel, welche noch in meinem Besitz
ist, eine Ecke arg lediert, ebenso war der linke untere
Rockhinterteil völlig zerfetzt. So hatte ich bei der
Verwundung ungemein Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass
die Granate wahrscheinlich zwischen meinen Beinen hindurch
neben mir explodierte. Ich erhielt 5 Stecksplitter und
2 Streifschüsse, alle in die linke Seite, und zwar die beiden
grössten Splitter, ein fingerlanges Stück in den Rücken,
ein daumekuppengrosses Stück in den Oberschenkel, dann
je ein kleineres über die linke Ferse, überm Knie und
in den linken Unterarm, je einen Streifschuss im Rücken
und linken Oberarm; mehrere andere Splitter zwischen
Rock und Tornister. - Nun war man geborgen und
in Pflege, freilich konnte es noch längere Zeit dauern
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bis man zur Operation an die Reihe kommt, denn die
Ärzte hatten alle Hände voll zu tun und von Morgen bis
zum Abend hörte man das Jammern besonders Geplagter.
Im Zimmer lagen etwa 16 Mann. Zunächst ein
Sergant, dem ein Granatsplitter den Mittelfinger der
linken Hand zeriss, die Granate platzte unter seinem Pferde.
Dann ein Anderer mit Oberarmknochenschuss, diesen beiden
waren Gestelle errichtet die teils an der Wand, teils an der
Decke befestigt waren, sodass sich beide nur wenig
bewegen konnten. Dann war noch ein Anderer mit
Gesässschuss. Rechts von mir lag ein junger Krieger mit
Oberschenkelschuss, links ein Enländer mit gleicher
Verwundung im Gipsverband. Keiner der Leute konnte aufstehen,
und des Nachts war ein leises Wimmern zu hören,
dass bei Tage von Unterhaltungen verschlungen wurde.
Die Verpflegung ging, die Pflege der Krankenwärter,
besonders des Nachts war äusserst schlecht, stundenlang
kümmerte sich überhaupt niemand, ferner rauchten
die Sanitäter andauernd, während man uns das so
beliebte Zeitvertreibungsmittel vorenthielt. Erst auf
Beschwerden, die noch öfters vorkamen, wurde diesem Übelstand
abgeholfen. Das man uns neue Wäsche brachte, oder Wasser
zum Waschen, oder die Decken oder Strohsäcke zurechtrückte
daran dachte niemand, vorallem nicht die Wärter, die
anscheinend die in Verwahrung genommenen Sachen
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S.173
zusammen gezimmert, dann lag ich wie alle übrigen 15
Mann auf einem mit einer Decke überzogenen
Strohsack, eine weitere diente als Zudecke. Meine Sachen
hatte ich so ziemlich alle mitgebracht, selbst die neuen
Stiefeln, die so sehr begehrt waren, gab ich erst hier
in Verwahrung, leider - denn hier wurden mir dieselben
umgetauscht gegen ein Paar völlig abgetragene, aber ich
brauchte ja vorläufig keine mehr. - Beim Ausziehen der
Stiefel entdeckte ich eine weitere Verwundung über der
linken Ferse. Meinen arg zerfetzten Rock behielt ich
als Kopfkissen, die linke Tasche war durchlocht und
einer Zigarettenschachtel, welche noch in meinem Besitz
ist, eine Ecke arg lediert, ebenso war die linke untere
Rockhinterteil völlig zerfetzt. So hatte ich bei der
Verwundung ungemein Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass
die Granate wahrscheinlich zwischen meinen Beinen hindurch
neben mir explodierte. Ich erhielt 5 Stecksplitter und
2 Streifschüsse, alle in die linke Seit, und zwar die beiden
grössten Splitter, ein Fingerlanges Stück in den Rücken,
ein Daumekappen grosses Stück in den Oberschenkel, dann
je ein kleineres über die linke Ferse, übern Kie und
in den linken Unterarm, je einen Streifschuss im Rücken
und linken Oberarm; mehrere andere Splitter zwischen
Rock und Tornister. - Nun war man geborgen und
in Pflege, freilich konnte es noch längere Zeit dauern
S. 174
bis man zur Operation an die Reihe kommt, denn die
Ärzte hatten alle Hände voll zu tun und von Morgen bis
zum Abend hörte man das Jammern besonders Geplagter.
Im Zimmer lagen etwa 16 Mann. Zunächst ein
Sergant, dem ein Granatsplitter den Mittelfinger der
linken Hand zeriss, die Granate platzte unter seinem Pferde.
Dann ein Anderer, mit Oberarmknochenschuss, diesen beiden
waren Gestelle errichtet die teils an der Wand, teils an der
Decke befestigt waren, sodass sich beide nur wenig
bewegen konnten. Dann war noch ein Anderer mit
Gesässschuss. Rechts von mir lag ein junger Krieger mit
Oberschenkelschuss, links ein Enländer mit gleicher
Verwundung im Gipsverband. Keiner der Leute konnte aufstehen,
und des Nachts war ein leieses Wimmern zu hören,
dass bei Tage von Unterhaltungen verschlungen wurde.
Die Verpflegung gin, die Pflege der Krankenwärter,
besonders des Nachts war äusserst schlecht, stundenlang
kümmerste sich überhaupt niemand, ferner rauchten
die Sanitäter dauernd während man uns das so
beliebte Zeitvertreibungsmittel vorenthielt. Erst auf
Beschwerden, die noch öfters vorkamen, wurde diesem Übelstand
abgeholfen. Das man uns neue Wäsche brachte, oder Wasser
zum Waschen, oder die Decken oder Strohsäcke zurechtrückte
daran dachte niemand, vorallem nicht die Wärter, die
anscheinend die in Verwahrung genommenen Sachen
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S.173
zusammen gezimmert, dann lag ich wie alle übrigen 15
Mann auf einem mit einer Decke überzogenen
Strohsack, eine weitere diente als Zudecke. Meine Sachen
hatte ich so ziemlich alle mitgebracht, selbst die neuen
Stiefeln, die so sehr begehrt waren, gab ich erst hier
in Verwahrung, leider - denn hier wurden mir dieselben
umgetauscht gegen ein Paar völlig abgetragene, aber ich
brauchte ja vorläufig keine mehr. - Beim Ausziehen der
Stiefel entdeckte ich eine weitere Verwundung über der
linken Ferse. Meinen arg zerfetzten Rock behielt ich
als Kopfkissen, die linke Tasche war durchlocht und
einer Zigarettenschachtel, welche noch in meinem Besitz
ist, eine Ecke arg lediert, ebenso war die linke untere
Rockhinterteil völlig zerfetzt. So hatte ich bei der
Verwundung ungemein Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass
die Granate wahrscheinlich zwischen meinen Beinen hindurch
neben mir explodierte. Ich erhielt 5 Stecksplitter und
2 Streifschüsse, alle in die linke Seit, und zwar die beiden
grössten Splitter, ein Fingerlanges Stück in den Rücken,
ein Daumekappen grosses Stück in den Oberschenkel, dann
je ein kleineres über die linke Ferse, übern Kie und
in den linken Unterarm, je einen Streifschuss im Rücken
und linken Oberarm; mehrere andere Splitter zwischen
Rock und Tornister. - Nun war man geborgen und
in Pflege, freilich konnte es noch längere Zeit dauern
S. 174
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S.173
zusammen gezimmert, dann lag ich wie alle übrigen 15
Mann auf einem mit einer Decke überzogenen
Strohsack, eine weitere diente als Zudecke.
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- 15873 / 169065
- Contributor
- Heike Knothe
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