Foto, Militärpass und Kriegstagebuch von Hans Julius Kähler (09.12.1895-19.02.1972) , item 47

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mehr Sorgen. Auch ängstigt sie sich so leicht, auch wenn kein Grund vorliegt. Nun bin ich bloß

neugierig, was Paul vom Soldatenleben hält. Er sehnte sich ebenso danach wie ich. Hoffentlich

bekommt er nicht den Schliff, den ich gehabt habe. Ich bin mit meinem Los immer noch

zufrieden, wenn es auch manchmal verteufelt schwer gefallen ist. Na, ich will Paul's erste

Karte mal abwarten.

3.8.1916: Heute werden wir die 2. Bedingungen schießen. Was mir noch nie passiert ist,

geschah heute, ich habe die Übung nicht ganz erfüllt. Von den 20 Schüssen gingen einige ab.

Hatte statt 8 x 8 cm 6 1/2 x 11 1/2 geschossen. Das war die erste Übung, die ich nicht erfüllt

habe.

Wir sind soeben als II. Abtlg. versetzt worden. Die 1. und 2. Abteilung sind zusammen-

geworfen worden.

6.8.1916: Sonntag. Ich war heute bei Otto Kähler in Königshofen im Lazarett, welches ein

Kapuziner-Kloster ist. Es ist doch schön, wenn man mal einen Verwandten sprechen kann.

Otto hat mir das Kloster gezeigt, das katholisch ist. Diese Pater, daß sind alte Männer in der

Mönchstracht, haben lange Bärte, Kapuzen, lange Röcke usw. haben mich sehr interessiert.

Ebenso das Kloster selbst. Es hat eine eigene Brauerei, Bäckerei und viel andere Gebäude. Am

großartigsten war der parkartige Garten. Ringsherum auf kleinen Anhöhen wächst der Wein,

dann die Klostermauer, umgeben mit Laubengängen, die wieder vom Wein umrankt sind. Alte

Grotten, in denen sich Heiligenbilder aller Art befanden, gab es auch. Auch der Obstgarten war

herrlich und die Bäume schwer beladen.

Heute habe ich eine Karte von Paul bekommen. Er ist in Lübeck beim Inf. Reg. 162. Brot hat er

genug, Essen ist einigermaßen, blaue Anzüge, schon geimpft. Na, hoffentlich geht's gut. Ich

will noch mal aufschreiben, was ich Mutter versprochen habe. Also die Werft zieht von den 50

M noch die 10 M für die Sparkasse ab. Das macht natürlich einen Schaden für Mutter von 10

M monatlich. Da es Mutter schwer fällt, die geliehenen 80 M wieder zurückzubringen, habe ich

ihr versprochen, daß sie das Geld behalten kann. Oder wenn sie später mal wieder etwas über

hat, kann sie mir ja etwas zurücklegen. Jedenfalls kann Mutter tun, was sie will.

8.8.1916: Heute bin ich zum erstenmal in diesem Jahr im Freibad gewesen. Es war eine richtige

Wohltat. Morgen, am Mittwoch, den 9.8.1916 bin ich gerade 1/4 Jahr Soldat. - Donnerstag,

10.8.1916: Das war heute ein angenehmer Dienst. Wir hatten nämlich eine Gedenkfeier

anläßlich der Schlacht bei Mühlhausen, wo die 136iger sich ausgezeichnet hatten. Nach einer

kleinen Ansprache, einem Hurra auf den Kaiser und einigen Liedern folgten Spiele. Ich kann

aber nicht sagen, daß die Feier viel Eindruck auch mich gemacht hat.

Hier geht das Gerücht um, daß wir, die IV. Abtlg., bald von Straßburg nach Heuberg in Baden

kommen sollen. Wenn das wahr würde, so wüßte ich tatsächlich nicht, ob ich mich darüber

freuen würde. Es soll dort ja sehr schön sein, auch Essen und Brot reichlich, der Dienst

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mehr Sorgen. Auch ängstigt sie sich so leicht, auch wenn kein Grund vorliegt. Nun bin ich bloß

neugierig, was Paul vom Soldatenleben hält. Er sehnte sich ebenso danach wie ich. Hoffentlich

bekommt er nicht den Schliff, den ich gehabt habe. Ich bin mit meinem Los immer noch

zufrieden, wenn es auch manchmal verteufelt schwer gefallen ist. Na, ich will Paul's erste

Karte mal abwarten.

3.8.1916: Heute werden wir die 2. Bedingungen schießen. Was mir noch nie passiert ist,

geschah heute, ich habe die Übung nicht ganz erfüllt. Von den 20 Schüssen gingen einige ab.

Hatte statt 8 x 8 cm 6 1/2 x 11 1/2 geschossen. Das war die erste Übung, die ich nicht erfüllt

habe.

Wir sind soeben als II. Abtlg. versetzt worden. Die 1. und 2. Abteilung sind zusammen-

geworfen worden.

6.8.1916: Sonntag. Ich war heute bei Otto Kähler in Königshofen im Lazarett, welches ein

Kapuziner-Kloster ist. Es ist doch schön, wenn man mal einen Verwandten sprechen kann.

Otto hat mir das Kloster gezeigt, das katholisch ist. Diese Pater, daß sind alte Männer in der

Mönchstracht, haben lange Bärte, Kapuzen, lange Röcke usw. haben mich sehr interessiert.

Ebenso das Kloster selbst. Es hat eine eigene Brauerei, Bäckerei und viel andere Gebäude. Am

großartigsten war der parkartige Garten. Ringsherum auf kleinen Anhöhen wächst der Wein,

dann die Klostermauer, umgeben mit Laubengängen, die wieder vom Wein umrankt sind. Alte

Grotten, in denen sich Heiligenbilder aller Art befanden, gab es auch. Auch der Obstgarten war

herrlich und die Bäume schwer beladen.

Heute habe ich eine Karte von Paul bekommen. Er ist in Lübeck beim Inf. Reg. 162. Brot hat er

genug, Essen ist einigermaßen, blaue Anzüge, schon geimpft. Na, hoffentlich geht's gut. Ich

will noch mal aufschreiben, was ich Mutter versprochen habe. Also die Werft zieht von den 50

M noch die 10 M für die Sparkasse ab. Das macht natürlich einen Schaden für Mutter von 10

M monatlich. Da es Mutter schwer fällt, die geliehenen 80 M wieder zurückzubringen, habe ich

ihr versprochen, daß sie das Geld behalten kann. Oder wenn sie später mal wieder etwas über

hat, kann sie mir ja etwas zurücklegen. Jedenfalls kann Mutter tun, was sie will.

8.8.1916: Heute bin ich zum erstenmal in diesem Jahr im Freibad gewesen. Es war eine richtige

Wohltat. Morgen, am Mittwoch, den 9.8.1916 bin ich gerade 1/4 Jahr Soldat. - Donnerstag,

10.8.1916: Das war heute ein angenehmer Dienst. Wir hatten nämlich eine Gedenkfeier

anläßlich der Schlacht bei Mühlhausen, wo die 136iger sich ausgezeichnet hatten. Nach einer

kleinen Ansprache, einem Hurra auf den Kaiser und einigen Liedern folgten Spiele. Ich kann

aber nicht sagen, daß die Feier viel Eindruck auch mich gemacht hat.

Hier geht das Gerücht um, daß wir, die IV. Abtlg., bald von Straßburg nach Heuberg in Baden

kommen sollen. Wenn das wahr würde, so wüßte ich tatsächlich nicht, ob ich mich darüber

freuen würde. Es soll dort ja sehr schön sein, auch Essen und Brot reichlich, der Dienst


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  • August 20, 2018 20:41:15 Miriam Bartsch

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    mehr Sorgen. Auch ängstigt sie sich so leicht, auch wenn kein Grund vorliegt. Nun bin ich bloß

    neugierig, was Paul vom Soldatenleben hält. Er sehnte sich ebenso danach wie ich. Hoffentlich

    bekommt er nicht den Schliff, den ich gehabt habe. Ich bin mit meinem Los immer noch

    zufrieden, wenn es auch manchmal verteufelt schwer gefallen ist. Na, ich will Paul's erste

    Karte mal abwarten.

    3.8.1916: Heute werden wir die 2. Bedingungen schießen. Was mir noch nie passiert ist,

    geschah heute, ich habe die Übung nicht ganz erfüllt. Von den 20 Schüssen gingen einige ab.

    Hatte statt 8 x 8 cm 6 1/2 x 11 1/2 geschossen. Das war die erste Übung, die ich nicht erfüllt

    habe.

    Wir sind soeben als II. Abtlg. versetzt worden. Die 1. und 2. Abteilung sind zusammen-

    geworfen worden.

    6.8.1916: Sonntag. Ich war heute bei Otto Kähler in Königshofen im Lazarett, welches ein

    Kapuziner-Kloster ist. Es ist doch schön, wenn man mal einen Verwandten sprechen kann.

    Otto hat mir das Kloster gezeigt, das katholisch ist. Diese Pater, daß sind alte Männer in der

    Mönchstracht, haben lange Bärte, Kapuzen, lange Röcke usw. haben mich sehr interessiert.

    Ebenso das Kloster selbst. Es hat eine eigene Brauerei, Bäckerei und viel andere Gebäude. Am

    großartigsten war der parkartige Garten. Ringsherum auf kleinen Anhöhen wächst der Wein,

    dann die Klostermauer, umgeben mit Laubengängen, die wieder vom Wein umrankt sind. Alte

    Grotten, in denen sich Heiligenbilder aller Art befanden, gab es auch. Auch der Obstgarten war

    herrlich und die Bäume schwer beladen.

    Heute habe ich eine Karte von Paul bekommen. Er ist in Lübeck beim Inf. Reg. 162. Brot hat er

    genug, Essen ist einigermaßen, blaue Anzüge, schon geimpft. Na, hoffentlich geht's gut. Ich

    will noch mal aufschreiben, was ich Mutter versprochen habe. Also die Werft zieht von den 50

    M noch die 10 M für die Sparkasse ab. Das macht natürlich einen Schaden für Mutter von 10

    M monatlich. Da es Mutter schwer fällt, die geliehenen 80 M wieder zurückzubringen, habe ich

    ihr versprochen, daß sie das Geld behalten kann. Oder wenn sie später mal wieder etwas über

    hat, kann sie mir ja etwas zurücklegen. Jedenfalls kann Mutter tun, was sie will.

    8.8.1916: Heute bin ich zum erstenmal in diesem Jahr im Freibad gewesen. Es war eine richtige

    Wohltat. Morgen, am Mittwoch, den 9.8.1916 bin ich gerade 1/4 Jahr Soldat. - Donnerstag,

    10.8.1916: Das war heute ein angenehmer Dienst. Wir hatten nämlich eine Gedenkfeier

    anläßlich der Schlacht bei Mühlhausen, wo die 136iger sich ausgezeichnet hatten. Nach einer

    kleinen Ansprache, einem Hurra auf den Kaiser und einigen Liedern folgten Spiele. Ich kann

    aber nicht sagen, daß die Feier viel Eindruck auch mich gemacht hat.

    Hier geht das Gerücht um, daß wir, die IV. Abtlg., bald von Straßburg nach Heuberg in Baden

    kommen sollen. Wenn das wahr würde, so wüßte ich tatsächlich nicht, ob ich mich darüber

    freuen würde. Es soll dort ja sehr schön sein, auch Essen und Brot reichlich, der Dienst


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  • 48.57704||7.7250687||

    Königshofen

  • 48.583148||7.747882||

    Straßburg

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Location(s)
  • Story location Straßburg
  • Document location Königshofen
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ID
1864 / 22064
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Jürgen Kähler
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


August 3, 1916 – August 10, 1916
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