Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 18

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 item 18 


 1. Spalte 

Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

verhindern."

    Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

Zusage der italienischen Regierung, daß

unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


 2. Spalte 

Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

in Europa machen.

    Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

angeordnet worden.

    Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

Mann zu unterstützen.

    Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

Hand zu weisen.

                                                   ____________

                                             W e l t h ä n d e l.

                                                                             Hildburghausen, 30. Juli.

    Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage

haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen

gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa

Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,

damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger

Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten

sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,

als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt

eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben

werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,

was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive

Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des

Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn

nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche

Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung

braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung

des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,

daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens

ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den

Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die

Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht

vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem

wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von

verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem

Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig

würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder

außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die

roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben

würden.

    Die deutsche Flotte ist in ihre Heimatshäfen [sic] zurückgekehrt, und

zwar die Nordseeschiffe Dienstag abend nach Wilhelmshaven, die der

Ostsee gestern früh nach Kiel.

    Der "Preußische Staatsanzeiger" teilt mit: Dem Unterstaatssekretär

im Ministerium für Handel und Gewerbe Schreiber ist

bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst der Charakter eines

Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz und dem

Präsidenten des königlichen Eisenbahnzentralamts Sarre in Berlin

der Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberbaurats mit dem

Rang der Räte erster Klasse verliehen worden. Der Geheime

Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern von

Gröning ist an Stelle des zum Präsidenten der Regierung in

Lüneburg beförderten Geheimen Oberregierungsrats Dr. Freiherrn

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 item 18 


 1. Spalte 

Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

verhindern."

    Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

Zusage der italienischen Regierung, daß

unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


 2. Spalte 

Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

in Europa machen.

    Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

angeordnet worden.

    Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

Mann zu unterstützen.

    Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

Hand zu weisen.

                                                   ____________

                                             W e l t h ä n d e l.

                                                                             Hildburghausen, 30. Juli.

    Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage

haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen

gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa

Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,

damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger

Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten

sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,

als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt

eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben

werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,

was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive

Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des

Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn

nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche

Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung

braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung

des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,

daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens

ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den

Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die

Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht

vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem

wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von

verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem

Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig

würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder

außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die

roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben

würden.

    Die deutsche Flotte ist in ihre Heimatshäfen [sic] zurückgekehrt, und

zwar die Nordseeschiffe Dienstag abend nach Wilhelmshaven, die der

Ostsee gestern früh nach Kiel.

    Der "Preußische Staatsanzeiger" teilt mit: Dem Unterstaatssekretär

im Ministerium für Handel und Gewerbe Schreiber ist

bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst der Charakter eines

Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz und dem

Präsidenten des königlichen Eisenbahnzentralamts Sarre in Berlin

der Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberbaurats mit dem

Rang der Räte erster Klasse verliehen worden. Der Geheime

Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern von

Gröning ist an Stelle des zum Präsidenten der Regierung in

Lüneburg beförderten Geheimen Oberregierungsrats Dr. Freiherrn


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  • September 16, 2017 20:17:08 Beate Jochem

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     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.

                                                       ____________

                                                 W e l t h ä n d e l.

                                                                                 Hildburghausen, 30. Juli.

        Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage

    haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen

    gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa

    Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,

    damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger

    Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten

    sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,

    als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt

    eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben

    werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,

    was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive

    Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des

    Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn

    nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche

    Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung

    braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung

    des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,

    daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens

    ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den

    Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die

    Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht

    vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem

    wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von

    verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem

    Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig

    würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder

    außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die

    roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben

    würden.

        Die deutsche Flotte ist in ihre Heimatshäfen [sic] zurückgekehrt, und

    zwar die Nordseeschiffe Dienstag abend nach Wilhelmshaven, die der

    Ostsee gestern früh nach Kiel.

        Der "Preußische Staatsanzeiger" teilt mit: Dem Unterstaatssekretär

    im Ministerium für Handel und Gewerbe Schreiber ist

    bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst der Charakter eines

    Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz und dem

    Präsidenten des königlichen Eisenbahnzentralamts Sarre in Berlin

    der Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberbaurats mit dem

    Rang der Räte erster Klasse verliehen worden. Der Geheime

    Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern von

    Gröning ist an Stelle des zum Präsidenten der Regierung in

    Lüneburg beförderten Geheimen Oberregierungsrats Dr. Freiherrn

  • September 16, 2017 20:13:53 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.

                                                       ____________

                                                 W e l t h ä n d e l.

                                                                                 Hildburghausen, 30. Juli.

        Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage

    haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen

    gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa

    Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,

    damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger

    Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten

    sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,

    als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt

    eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben

    werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,

    was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive

    Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des

    Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn

    nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche

    Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung

    braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung

    des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,

    daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens

    ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den

    Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die

    Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht

    vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem

    wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von

    verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem

    Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig

    würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder

    außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die

    roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben

    würden.

        Die deutsche Flotte ist in ihre Heimatshäfen [sic] zurückgekehrt, und

    zwar die Nordseeschiffe Dienstag abend nach Wilhelmshaven, die der

    Ostsee gestern früh nach Kiel.

        Der "Preußische Staatsanzeiger" teilt mit: Dem Unterstaatssekretär

    im Ministerium für Handel und Gewerbe Schreiber ist

    bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst der Charakter eines

    Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz und dem

    Präsidenten des königlichen Eisenbahnzentralamts Sarre in Berlin

    der Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberbaurats mit dem

    Rang der Räte erster Klasse verliehen worden. Der Geheime

    Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern von

    Gröning ist an Stelle des zum Präsidenten der Regierung in

    Lüneburg beförderten Geheimen Oberregierungsrats Dr. Freiherrn


  • September 16, 2017 20:05:39 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.

                                                       ____________

                                                 W e l t h ä n d e l.

                                                                                 Hildburghausen, 30. Juli.

        Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage

    haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen

    gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa

    Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,

    damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger

    Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten

    sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,

    als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt

    eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben

    werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,

    was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive

    Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des

    Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn

    nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche

    Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung

    braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung

    des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,

    daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens

    ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den

    Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die

    Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht

    vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem

    wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von

    verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem

    Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig

    würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder

    außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die

    roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben

    würden.


  • September 16, 2017 19:59:00 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.

                                                       ____________

                                                 W e l t h ä n d e l.

                                                                                 Hildburghausen, 30. Juli.

        Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage

    haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen

    gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa

    Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,

    damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger

    Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten

    sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,

    als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt

    eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben

    werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,

    was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive

    Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des

    Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn

    nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche

    Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung

    braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung

    des Reichstags nicht eingeholt zu werden.


  • September 15, 2017 20:48:10 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.

                                                       ____________

                                                 W e l t h ä n d e l.

                                                                                 Hildburghausen, 30. Juli.


  • September 15, 2017 20:46:06 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.



  • September 15, 2017 20:45:00 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.

        Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert 

    die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß

    Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000

    Mann zu unterstützen.

        Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale

    Friedensbureau sich regt.  Es hat Depeschen

    an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des

    Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln

    beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der

    Hand zu weisen.



  • September 15, 2017 20:39:26 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.


  • September 15, 2017 20:38:59 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.

        Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung

    abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen

    Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen

    klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger

    friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche

    Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und

    Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung

    angeordnet worden.


  • September 15, 2017 20:34:13 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 

    Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat

    wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins

    Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten

    Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen

    starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck

    in Europa machen.



  • September 15, 2017 20:31:29 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Das

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 



  • September 15, 2017 20:27:35 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die

    Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der

    formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische

    Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten

    wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des

    Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest

    Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie

    begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen

    Parteien in flammenden Worten zum  Ausdruck kommt. Dass

    "Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben

    sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokumentes edelster monarchischer

    Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen

    werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern

    überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I. 

    regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind

    ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen

    Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er

    ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der

    Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen


     2. Spalte 



  • September 15, 2017 20:14:05 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."

        Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-

    Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das

    Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes

    Telegramm:  die Serben haben  heute um 1 Uhr 30 Minuten früh

    die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie

    und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren

    die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die

    Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste

    sind ganz unbedeutend. -  Gestern gelang es einer kleinen

    Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,

    zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen

    waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten

    nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene

    serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren

    gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer

    wegschleppen.  - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter

    und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die

    Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.

    In bewundernswerter Einmütigkeit scharen

    sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten

    Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits

    der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen

    verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,

    die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,

    kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen

    Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen

    Zusage der italienischen Regierung, daß

    unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres

    Kampfes vollauf würdigen.  Das Blatt schließt: Das Ziel des uns

    aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung

    eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert

    gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen

    Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet

    werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung

    seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß

    die serbische Regierung drei Fristen verstreichen

    ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes

    zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag 

    bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige

    Frist zur Beantwortung


  • September 14, 2017 20:53:53 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,

    um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck

    zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder

    daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen

    vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten

    zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine

    sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen

    unter den Nachbarstaaten sich ergeben  mögen. Doch auf

    den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten

    sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu

    verhindern."


  • September 14, 2017 20:48:00 Beate Jochem

     item 18 


     1. Spalte 

    Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch

    die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung

    von den übrigen Mächten bestätigt würde, sollte das


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15725 / 166528
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Contributor
Karl Döbling
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