Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 4

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 item 4 _________________________________________________________________________________________

                                       An unsere Leser!

     Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

Hauptsache wieder ein geregelter werden.

________________   _____________________________________________________________________________________________

 1. Spalte 

   Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

rin, daß begreiflicherweise die militärischen

Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

tallgeldes und muß von Jedermann genommen

werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

Manche Industriezweige werden ganz zum 

Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

Massen aus der manchmal recht unüberlegte

Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

die Sparkassen und die Verproviantierung mit

allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

ist es aber auch andererseits, wenn man die

Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

törichten Handlungen abhalten. Sie werden

das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

Vertrauen zerstören kann.

   Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

schauender, dem Allgemeininteresse dienender

Wirksamkeit zu verbinden.

   Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

 konsumgenossenschaftlichen Idee.

   Und das andere ist die Tatsache, daß ja

glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

diesen getragen, aber sie stärken und stützen

auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

außerordentlichen Situation, in der wir uns

befinden, unter Umständen auch außerordent-

liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

 Fortsetzung 2. Spalte oben 

_____________________________________________________________________

                                    Bekanntmachung.

   Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

für jede Sendung erhoben wird.

   Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

sonderen Boten bestellt werden.

                                                     Königliches Meldeamt Meiningen.

_______________________________________________________________________________

                   An die Ortskrankenkassenmitglieder!

   Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                      Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

_________________________________________________________________________________


 2. Spalte 

sonders schwierigen Situation gegenüber be-

finden, so wird ein  Appell um Untersützung

sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

Organisationen.

   Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

Durch dieses wird dann alles weitere veran-

laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

bandes wendet und nicht auf eigene Faust

operiert.

                Mit genossenschaftlichem Gruß

Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                   sumvereine.

       A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

            E. Berger. R. Aßmann.

Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

      H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

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                       Der Sieg des Schwachen.

         Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                  (Schluß.)

   "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

unser Herr, der kein Kind und zusammen über

dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

und zwei Teile von allem, was wir bauen,

gehören uns.

   "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

mußte einen Arzt holen und ich war allein

bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

errettet und er habe mich in seinem Testament

bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

   "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

schreiben! Ich bin schon vor einem halben

Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

 Fortsetzung  3. Spalte 

_______________________________________________________________________

                  Anmeldung zur Stammrolle.

   Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

anzumelden.

   Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

in das Heer. 

Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

__________________________________________________________________________

Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

   Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

Meiningen, den 3. August 1914.

Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

v. Türcke.

_________________________________________________________________________

 Inserate nicht transkribiert 


 3. Spalte 

gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

man gesund ist und ein gesundes Kind hat

und vorwärts kommt, was kann man sonst

noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

mer mehr.

   "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

ist röter und runder als sonst. Gedanken

macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

des Abends oder auch des Nachts, reden wir

von den alten Zeiten und freuen uns über

die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

und lachen laut miteinander.

   "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

Ihr habt mich so gut leiden können in der

letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

ganze Freundschaft von uns und auch den

Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

gessen."

   Daß diese Meldungen dem alten Eber in

der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

tümer des Gutes und überdies Vater eines

Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

Kameraden hätte zubringen können! Denn es

sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

war: daß der Andres bei ihnen sei und als

Knecht diene! 

   Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

 Fortsetzung 4.Spalte 

__________________________________________________

    Gewerkschaftskartell

               Saalfeld.

Mittwoch abend, pünktlich 

7 Uhr im Bürgerbräu

-------- ---Sitzung.----------

   Die Vertrauensleute der ein-

zelnen Betriebe aller Berufe

bezw. deren Ersatzleute und die

Funktionäre der Gewerkschaften

werden aufgefordert, in dieser

Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

scheinen. 

__________________________________________

Unterstützungsverein

         - Saalfeld. - 

Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

            abends.

         Außerordentliche

    Generalversammlung.

           Tagesordnung:

1. Anträge zu den §§ 5 und 6

    des Statuts.

2. Verschiedenes.

                    Der Vorstand.

_____________________________________________

´Freie Sänger.´

Heute Dienstag, abends punkt

8 Uhr: Zusammenkunft im

Vereinslokal.

__________________________________________


 4. Spalte 

ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

barer Erinnerung an die Anregung, die er

durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

Wir reden hier oft miteinander davon, und

wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

 - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

und daß ich wieder nach Deutschland komme,

daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

schicken und mich hier so betragen, daß die

Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

Riesern."   

                       - E n d e .  -

___________________________________________________

Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                     Zugezogene:

Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

Kellner Günther Dechandt, Markt 6

Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1

Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

Former Emil Kühn, Grünhain 34

Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16

                      Weggezogene:

Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg

*Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig

Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig

Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen

Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf

Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach

Konditor Ernst Schubert nach Berlin

Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig

Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln

*Schlosser Richard Bauer nach Graba

Maler Louis Niemann nach Hildesheim

Maler Edmund Merz nach Hildesheim

*Maler Max Grüning nach Arnstadt

Kellner Max Ißerstadt nach Köditz

Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg

*Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck

    * bedeutet mit Familie

____________________________________________________

                       Briefkasten.

Schweina. Der Agent ist im  Recht. Im Ge-

setz heißt es: "werden bei Versicherungen gleicher

Art von demselben Versicherer für dieselbe Person

mehrere Versicherungsverträge abgeschlossen, so tritt

die Befreiung nur ein, wenn deren Beträge zu-

sammen die Summe von 3000 Mark nicht über-

steigen". - Die Zusammenziehung muß also er-

folgen.

_____________________________________________________

            Verein für Gesundheitspflege.

Temperatur am 1. August, nachmittags 2 Uhr:

Luft 24 Grad, Wasser 20 Grad Celsius.

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 Inserate nicht transkribiert 


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 item 4 _________________________________________________________________________________________

                                       An unsere Leser!

     Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

Hauptsache wieder ein geregelter werden.

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 1. Spalte 

   Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

rin, daß begreiflicherweise die militärischen

Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

tallgeldes und muß von Jedermann genommen

werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

Manche Industriezweige werden ganz zum 

Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

Massen aus der manchmal recht unüberlegte

Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

die Sparkassen und die Verproviantierung mit

allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

ist es aber auch andererseits, wenn man die

Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

törichten Handlungen abhalten. Sie werden

das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

Vertrauen zerstören kann.

   Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

schauender, dem Allgemeininteresse dienender

Wirksamkeit zu verbinden.

   Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

 konsumgenossenschaftlichen Idee.

   Und das andere ist die Tatsache, daß ja

glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

diesen getragen, aber sie stärken und stützen

auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

außerordentlichen Situation, in der wir uns

befinden, unter Umständen auch außerordent-

liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

 Fortsetzung 2. Spalte oben 

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                                    Bekanntmachung.

   Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

für jede Sendung erhoben wird.

   Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

sonderen Boten bestellt werden.

                                                     Königliches Meldeamt Meiningen.

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                   An die Ortskrankenkassenmitglieder!

   Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                      Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

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 2. Spalte 

sonders schwierigen Situation gegenüber be-

finden, so wird ein  Appell um Untersützung

sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

Organisationen.

   Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

Durch dieses wird dann alles weitere veran-

laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

bandes wendet und nicht auf eigene Faust

operiert.

                Mit genossenschaftlichem Gruß

Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                   sumvereine.

       A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

            E. Berger. R. Aßmann.

Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

      H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

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                       Der Sieg des Schwachen.

         Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                  (Schluß.)

   "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

unser Herr, der kein Kind und zusammen über

dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

und zwei Teile von allem, was wir bauen,

gehören uns.

   "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

mußte einen Arzt holen und ich war allein

bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

errettet und er habe mich in seinem Testament

bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

   "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

schreiben! Ich bin schon vor einem halben

Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

 Fortsetzung  3. Spalte 

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                  Anmeldung zur Stammrolle.

   Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

anzumelden.

   Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

in das Heer. 

Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

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Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

   Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

Meiningen, den 3. August 1914.

Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

v. Türcke.

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 Inserate nicht transkribiert 


 3. Spalte 

gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

man gesund ist und ein gesundes Kind hat

und vorwärts kommt, was kann man sonst

noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

mer mehr.

   "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

ist röter und runder als sonst. Gedanken

macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

des Abends oder auch des Nachts, reden wir

von den alten Zeiten und freuen uns über

die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

und lachen laut miteinander.

   "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

Ihr habt mich so gut leiden können in der

letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

ganze Freundschaft von uns und auch den

Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

gessen."

   Daß diese Meldungen dem alten Eber in

der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

tümer des Gutes und überdies Vater eines

Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

Kameraden hätte zubringen können! Denn es

sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

war: daß der Andres bei ihnen sei und als

Knecht diene! 

   Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

 Fortsetzung 4.Spalte 

__________________________________________________

    Gewerkschaftskartell

               Saalfeld.

Mittwoch abend, pünktlich 

7 Uhr im Bürgerbräu

-------- ---Sitzung.----------

   Die Vertrauensleute der ein-

zelnen Betriebe aller Berufe

bezw. deren Ersatzleute und die

Funktionäre der Gewerkschaften

werden aufgefordert, in dieser

Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

scheinen. 

__________________________________________

Unterstützungsverein

         - Saalfeld. - 

Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

            abends.

         Außerordentliche

    Generalversammlung.

           Tagesordnung:

1. Anträge zu den §§ 5 und 6

    des Statuts.

2. Verschiedenes.

                    Der Vorstand.

_____________________________________________

´Freie Sänger.´

Heute Dienstag, abends punkt

8 Uhr: Zusammenkunft im

Vereinslokal.

__________________________________________


 4. Spalte 

ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

barer Erinnerung an die Anregung, die er

durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

Wir reden hier oft miteinander davon, und

wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

 - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

und daß ich wieder nach Deutschland komme,

daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

schicken und mich hier so betragen, daß die

Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

Riesern."   

                       - E n d e .  -

___________________________________________________

Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                     Zugezogene:

Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

Kellner Günther Dechandt, Markt 6

Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1

Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

Former Emil Kühn, Grünhain 34

Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16

                      Weggezogene:

Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg

*Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig

Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig

Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen

Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf

Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach

Konditor Ernst Schubert nach Berlin

Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig

Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln

*Schlosser Richard Bauer nach Graba

Maler Louis Niemann nach Hildesheim

Maler Edmund Merz nach Hildesheim

*Maler Max Grüning nach Arnstadt

Kellner Max Ißerstadt nach Köditz

Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg

*Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck

    * bedeutet mit Familie

____________________________________________________

                       Briefkasten.

Schweina. Der Agent ist im  Recht. Im Ge-

setz heißt es: "werden bei Versicherungen gleicher

Art von demselben Versicherer für dieselbe Person

mehrere Versicherungsverträge abgeschlossen, so tritt

die Befreiung nur ein, wenn deren Beträge zu-

sammen die Summe von 3000 Mark nicht über-

steigen". - Die Zusammenziehung muß also er-

folgen.

_____________________________________________________

            Verein für Gesundheitspflege.

Temperatur am 1. August, nachmittags 2 Uhr:

Luft 24 Grad, Wasser 20 Grad Celsius.

_____________________________________________________

 Inserate nicht transkribiert 



Transcription history
  • August 6, 2017 19:31:33 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -

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    Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                         Zugezogene:

    Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

    Kellner Günther Dechandt, Markt 6

    Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

    Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1

    Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

    Former Emil Kühn, Grünhain 34

    Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

    Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

    Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

    Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

    Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

    Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

    *Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

    Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

    Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

    Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

    Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

    *Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

    Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16

                          Weggezogene:

    Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg

    *Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig

    Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig

    Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen

    Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf

    Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach

    Konditor Ernst Schubert nach Berlin

    Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig

    Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln

    *Schlosser Richard Bauer nach Graba

    Maler Louis Niemann nach Hildesheim

    Maler Edmund Merz nach Hildesheim

    *Maler Max Grüning nach Arnstadt

    Kellner Max Ißerstadt nach Köditz

    Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg

    *Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck

        * bedeutet mit Familie

    ____________________________________________________

                           Briefkasten.

    Schweina. Der Agent ist im  Recht. Im Ge-

    setz heißt es: "werden bei Versicherungen gleicher

    Art von demselben Versicherer für dieselbe Person

    mehrere Versicherungsverträge abgeschlossen, so tritt

    die Befreiung nur ein, wenn deren Beträge zu-

    sammen die Summe von 3000 Mark nicht über-

    steigen". - Die Zusammenziehung muß also er-

    folgen.

    _____________________________________________________

                Verein für Gesundheitspflege.

    Temperatur am 1. August, nachmittags 2 Uhr:

    Luft 24 Grad, Wasser 20 Grad Celsius.

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     Inserate nicht transkribiert 


  • August 6, 2017 19:29:18 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

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                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

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     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -

    ___________________________________________________

    Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                         Zugezogene:

    Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

    Kellner Günther Dechandt, Markt 6

    Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

    Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1

    Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

    Former Emil Kühn, Grünhain 34

    Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

    Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

    Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

    Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

    Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

    Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

    *Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

    Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

    Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

    Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

    Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

    *Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

    Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16

                          Weggezogene:

    Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg

    *Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig

    Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig

    Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen

    Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf

    Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach

    Konditor Ernst Schubert nach Berlin

    Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig

    Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln

    *Schlosser Richard Bauer nach Graba

    Maler Louis Niemann nach Hildesheim

    Maler Edmund Merz nach Hildesheim

    *Maler Max Grüning nach Arnstadt

    Kellner Max Ißerstadt nach Köditz

    Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg

    *Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck

        * bedeutet mit Familie

    ____________________________________________________

                           Briefkasten.

    Schweina. Der Agent ist im  Recht. Im Ge-

    setz heißt es: "werden bei Versicherungen gleicher

    Art von demselben Versicherer für dieselbe Person

    mehrere Versicherungsverträge abgeschlossen, so tritt

    die Befreiung nur ein, wenn deren Beträge zu-

    sammen die Summe von 3000 Mark nicht über-

    steigen". - Die Zusammenziehung muß also er-

    folgen.



  • August 6, 2017 19:24:45 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

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                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

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     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -

    ___________________________________________________

    Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                         Zugezogene:

    Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

    Kellner Günther Dechandt, Markt 6

    Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

    Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1

    Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

    Former Emil Kühn, Grünhain 34

    Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

    Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

    Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

    Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

    Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

    Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

    *Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

    Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

    Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

    Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

    Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

    *Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

    Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16

                          Weggezogene:

    Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg

    *Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig

    Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig

    Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen

    Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf

    Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach

    Konditor Ernst Schubert nach Berlin

    Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig

    Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln

    *Schlosser Richard Bauer nach Graba

    Maler Louis Niemann nach Hildesheim

    Maler Edmund Merz nach Hildesheim

    *Maler Max Grüning nach Arnstadt

    Kellner Max Ißerstadt nach Köditz

    Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg

    *Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck

           *bedeutet mit Familie


  • August 6, 2017 19:23:19 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -

    ___________________________________________________

    Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                         Zugezogene:

    Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

    Kellner Günther Dechandt, Markt 6

    Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

    Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1

    Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

    Former Emil Kühn, Grünhain 34

    Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

    Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

    Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

    Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

    Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

    Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

    *Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

    Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

    Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

    Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

    Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

    *Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

    Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16

                          Weggezogene:

    Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg

    *Fabrikarbeiter Georg Gredner nach Pressig

    Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig

    Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen

    Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf

    Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach

    Konditor Ernst Schubert nach Berlin

    Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig

    Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln

    *Schlosser Richard Baue nach Graba

    Maler Louis Niemann nach Hildesheim

    Maler Edmund Merz nach Hildesheim

    *Maler Max Grüning nach Arnstadt

    Kellner Max Ißerstadt nach Köditz

    Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg

    *Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck

           *bedeutet mit Familie


  • August 6, 2017 19:14:09 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -

    ___________________________________________________

    Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                         Zugezogene:

    Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

    Kellner Günther Dechandt, Markt 6

    Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

    Referendar Rich. Höfling, Eckhardtsanger 1

    Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

    Former Emil Kühn, Grünhain 34

    Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

    Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

    Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12

    Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2

    Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7

    Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7

    *Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1

    Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10

    Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23

    Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30

    Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18

    *Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10

    Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16



  • August 6, 2017 19:07:56 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -

    ___________________________________________________

    Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld

                         Zugezogene:

    Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38

    Kellner Günther Dechandt, Markt 6

    Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10

    Referendar Rich. Höfling, Eckhardtsanger 1

    Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79

    Former Emil Kühn, Grünhain 34

    Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6

    Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6

    Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12


  • August 6, 2017 19:02:00 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie der unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -



  • August 6, 2017 19:01:11 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________


     4. Spalte 

    ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist

    jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-

    kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-

    barer Erinnerung an die Anregung, die er

    durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie

    einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-

    gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat

    gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft

    noch einen rechten Mann aus ihm machen zu

    können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum

    Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-

    sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die

    Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.

    Wir reden hier oft miteinander davon, und

    wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:

    wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!

     - Ich hab auch einen Garten angelegt mit

    einer Laube, grad wie de unsre; und wenn

    auch die Bäume noch nicht so groß sind, so

    ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.

    In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,

    und daß ich wieder nach Deutschland komme,

    daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun

    will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-

    halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-

    schicken und mich hier so betragen, daß die

    Leute in Amerika Respekt kriegen vor den

    Riesern."   

                           - E n d e .  -



  • August 6, 2017 18:48:56 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,

     Fortsetzung 4.Spalte 

    __________________________________________________

        Gewerkschaftskartell

                   Saalfeld.

    Mittwoch abend, pünktlich 

    7 Uhr im Bürgerbräu

    -------- ---Sitzung.----------

       Die Vertrauensleute der ein-

    zelnen Betriebe aller Berufe

    bezw. deren Ersatzleute und die

    Funktionäre der Gewerkschaften

    werden aufgefordert, in dieser

    Sitzung auf alle Fälle mit zu er-

    scheinen. 

    __________________________________________

    Unterstützungsverein

             - Saalfeld. - 

    Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr

                abends.

             Außerordentliche

        Generalversammlung.

               Tagesordnung:

    1. Anträge zu den §§ 5 und 6

        des Statuts.

    2. Verschiedenes.

                        Der Vorstand.

    _____________________________________________

    ´Freie Sänger.´

    Heute Dienstag, abends punkt

    8 Uhr: Zusammenkunft im

    Vereinslokal.

    __________________________________________



  • August 6, 2017 18:32:53 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."

       Daß diese Meldungen dem alten Eber in

    der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.

    Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,

    von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte

    Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-

    gemachte bekommen haben - daß er Eigen-

    tümer des Gutes und überdies Vater eines

    Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch

    kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-

    gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,

    daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach

    Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was

    darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde

    bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen

    Kameraden hätte zubringen können! Denn es

    sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich

    vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht

    gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s

    grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden

    Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe

    war: daß der Andres bei ihnen sei und als

    Knecht diene! 

       Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in

    dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-

    dingt erheben und Deutschland heruntersetzen

    ließ, in Amerika selbe Schwierigkeiten b ereitet

    zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,


  • August 6, 2017 18:21:01 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 

    gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn 

    man gesund ist und ein gesundes Kind hat

    und vorwärts kommt, was kann man sonst

    noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig

    gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,

    und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar

    Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb

    und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr

    bekommen. Unser alter Herr mag noch lange

    leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-

    mer mehr.

       "Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-

    det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er

    hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf

    ist röter und runder als sonst. Gedanken

    macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und

    die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für

    uns nötig haben, er geht seinen Gang fort

    und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,

    des Abends oder auch des Nachts, reden wir

    von den alten Zeiten und freuen uns über

    die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,

    und lachen laut miteinander.

       "Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal

    nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil

    ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.

    Ihr habt mich so gut leiden können in der

    letzten Zeit und habt mich so freundlich be-

    handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten

    nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander

    gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s 

    noch? Es ist alles viel besser gegangen, als

    wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und

    gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere

    ganze Freundschaft von uns und auch den

    Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie

    sind doch recht gut gewesen gegen mich, und

    ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-

    gessen."


  • August 6, 2017 18:04:44 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung  3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 


  • August 4, 2017 19:21:55 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________

     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 


  • August 4, 2017 19:21:45 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________


     Inserate nicht transkribiert 


     3. Spalte 


  • August 4, 2017 19:19:55 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________


     Inserate nicht transkribiert 


  • August 4, 2017 19:19:01 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

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                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.

    _________________________________________________________________________


     Inserate nicht transkribiert 


  • August 4, 2017 19:18:16 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam

       Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der

    Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-

    polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-

    pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-

    geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark

    oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.

    Meiningen, den 3. August 1914.

    Herzogl. Staatsministerium,  Abt. des Innern.

    v. Türcke.


  • August 4, 2017 19:10:45 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 

    Saalfeld, den 4. August 1914.                           Der Magistrat.  Adam.

    __________________________________________________________________________

    Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

    Saalfeld, den 4. August 1914.                            Der Magistrat.  Adam


  • August 4, 2017 19:06:42 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

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                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.

       "Aber nun muß ich Euch doch das Beste

    schreiben! Ich bin schon vor einem halben

    Jahr niedergekommen mit einem Buben, der

    dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-

    sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-

    vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.

    Mein Mann hat eine außerordentliche Freude

    an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es

    uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir

    sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist

     Fortsetzung 3. Spalte 

    _______________________________________________________________________

                      Anmeldung zur Stammrolle.

       Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893

    und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-

    freiwilligen Dienst mit missing   versehene Militärpflichtigen

    werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-

    papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens

    binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle

    anzumelden.

       Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-

    straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen

    in das Heer. 


  • August 4, 2017 18:50:24 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.


  • August 4, 2017 18:49:45 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.

    ===============================================


                           Der Sieg des Schwachen.

             Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr

                                      (Schluß.)

       "Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,

    sondern haben eine Farm angenommen. Wir 

    haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,

    auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und

    unser Herr, der kein Kind und zusammen über

    dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,

    was wir wollen; er nimmt nur einen Teil

    und zwei Teile von allem, was wir bauen,

    gehören uns.

       "Es ist noch nicht lange her, da überfiel

    den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobia

    mußte einen Arzt holen und ich war allein

    bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für

    seine Füße und pflegte ihn, und er wurde

    besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben

    errettet und er habe mich in seinem Testament

    bedacht mit eintausend Dollars, macht nach

    bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-

    den; das bekomme ich, wenn er stirbt.


  • August 4, 2017 18:36:01 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.

                    Mit genossenschaftlichem Gruß

    Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-

                       sumvereine.

           A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.

                E. Berger. R. Aßmann.

    Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.

          H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.


  • August 4, 2017 18:32:01 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.


  • August 4, 2017 18:31:02 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.

       Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-

    eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die

    sie nicht allein bewältigen zu können glauben,

    ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-

    sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.

    Durch dieses wird dann alles weitere veran-

    laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen

    Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt

    werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit

    aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-

    lich, daß jeder Vebandsverein, der Hilfe sucht,

    sich an das Sekretariat seines Revisionsver-

    bandes wendet und nicht auf eigene Faust

    operiert.


  • August 4, 2017 18:24:36 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.

    _________________________________________________________________________________


     2. Spalte 

    sonders schwierigen Situation gegenüber be-

    finden, so wird ein  Appell um Untersützung

    sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden

    sich die deutschen Konsumvereine natürlich in

    den kommenden Zeiten ganz besonders ange-

    legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu

    üben. Diese Solidarität auch wirksam werden

    zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der

    Organisationen.


  • August 4, 2017 18:20:33 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.

                                                         Königliches Meldeamt Meiningen.

    _______________________________________________________________________________

                       An die Ortskrankenkassenmitglieder!

       Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden

    sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die

    arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist

    aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht

    möglich ist.  Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-

    trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die

    sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-

    zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese

    Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.

                                                          Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.


  • August 4, 2017 18:11:30 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-

     Fortsetzung 2. Spalte oben 

    _____________________________________________________________________

                                        Bekanntmachung.

       Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-

    gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet

    und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-

    ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-

    bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung

    beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.

    für jede Sendung erhoben wird.

       Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als

    dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und

    die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk

    90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden

    alsdann mit den raschesten  Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit

    Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung

    erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-

    sonderen Boten bestellt werden.


  • August 4, 2017 17:58:36 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen, aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-






  • August 4, 2017 17:57:39 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der

     konsumgenossenschaftlichen Idee.

       Und das andere ist die Tatsache, daß ja

    glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht

    allein steht. sie ist ein Glied der Organi-

    sation.  Revisionsverband, Zentralverband,

    Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft

    deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf

    den einzelnen Genossenschaften; sie werden von

    diesen getragen,aber sie stärken und stützen

    auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-

    schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der

    außerordentlichen Situation, in der wir uns

    befinden, unter Umständen auch außerordent-

    liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte

    daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-






  • August 4, 2017 17:50:37 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu verbinden.

       Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der

    gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-

    nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,

    Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-

    winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-

    nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts

    den kommenden schweren Zeiten entgegensehen

    kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,

    die zu unüberlegten Handlungen führt. Das

    ist das eine: Zutrauen in die Macht und

    Stärke der konsumgenossenschaftlichen Idee.





  • August 4, 2017 17:45:09 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.

       Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-

    zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-

    schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines

    ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die

    Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,

    besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-

    licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-

    schauender, dem Allgemeininteresse dienender

    Wirksamkeit zu unterbinden.



  • August 4, 2017 17:39:22 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.


  • August 4, 2017 17:38:29 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen aus der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. - 

    Von den Leitern der Konsumvereine muß er-

    wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-

    nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter

    Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-

    sonnenheit mahnen und die Mitglieder von

    törichten Handlungen abhalten. Sie werden

    das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-

    tehen, sich das Vertrauen. das ihnen in an-

    deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,

    auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-

    dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre

    Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-

    sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-

    haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das 

    Vertrauen zerstören kann.


  • August 4, 2017 17:30:12 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten

    Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-

    tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-

    spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-

    tallgeldes und muß von Jedermann genommen

    werden. Dazu treten dann noch die Folgen,

    die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-

    springen, die der Krieg mit sich bringt.  - 

    Manche Industriezweige werden ganz zum 

    Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und

    ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.

    Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der

    Massen auf der manchmal recht unüberlegte

    Handlungen resultieren, wie der Sturm auf

    die Sparkassen und die Verproviantierung mit

    allen möglichen Nahrungsmitteln in großen

    Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,

    das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr 

    und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-

    lade. So töricht dies auch ist,  so erklärlich

    ist es aber auch andererseits, wenn man die

    Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt.


  • August 4, 2017 17:16:26 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    ________________   _____________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

       Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-

    rin, daß begreiflicherweise die militärischen

    Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen

    vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-

    nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch 

    nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,

    entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;

    der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die

    Post kann nicht mit


  • August 1, 2017 21:14:47 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

    _____________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 


  • August 1, 2017 21:14:28 Beate Jochem

     item 4 _________________________________________________________________________________________

                                           An unsere Leser!

         Solange die Mobilmachung  noch nicht vollständig beendet

    ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der

    Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung

    eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung

    vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der

    Hauptsache wieder ein geregelter werden.

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  • August 1, 2017 21:08:12 Beate Jochem

     item 4 

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    Berlin, Saalfeld, Leipzig

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15725 / 166514
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Karl Döbling
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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