Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 4
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
___________________________________________________
Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld
Zugezogene:
Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38
Kellner Günther Dechandt, Markt 6
Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10
Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1
Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79
Former Emil Kühn, Grünhain 34
Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6
Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6
Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12
Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2
Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7
Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7
*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1
Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10
Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23
Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30
Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18
*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10
Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16
Weggezogene:
Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg
*Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig
Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig
Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen
Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf
Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach
Konditor Ernst Schubert nach Berlin
Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig
Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln
*Schlosser Richard Bauer nach Graba
Maler Louis Niemann nach Hildesheim
Maler Edmund Merz nach Hildesheim
*Maler Max Grüning nach Arnstadt
Kellner Max Ißerstadt nach Köditz
Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg
*Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck
* bedeutet mit Familie
____________________________________________________
Briefkasten.
Schweina. Der Agent ist im Recht. Im Ge-
setz heißt es: "werden bei Versicherungen gleicher
Art von demselben Versicherer für dieselbe Person
mehrere Versicherungsverträge abgeschlossen, so tritt
die Befreiung nur ein, wenn deren Beträge zu-
sammen die Summe von 3000 Mark nicht über-
steigen". - Die Zusammenziehung muß also er-
folgen.
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Verein für Gesundheitspflege.
Temperatur am 1. August, nachmittags 2 Uhr:
Luft 24 Grad, Wasser 20 Grad Celsius.
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Inserate nicht transkribiert
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
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Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
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An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
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Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
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Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
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Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
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Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
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Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
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Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
___________________________________________________
Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld
Zugezogene:
Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38
Kellner Günther Dechandt, Markt 6
Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10
Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1
Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79
Former Emil Kühn, Grünhain 34
Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6
Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6
Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12
Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2
Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7
Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7
*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1
Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10
Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23
Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30
Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18
*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10
Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16
Weggezogene:
Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg
*Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig
Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig
Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen
Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf
Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach
Konditor Ernst Schubert nach Berlin
Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig
Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln
*Schlosser Richard Bauer nach Graba
Maler Louis Niemann nach Hildesheim
Maler Edmund Merz nach Hildesheim
*Maler Max Grüning nach Arnstadt
Kellner Max Ißerstadt nach Köditz
Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg
*Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck
* bedeutet mit Familie
____________________________________________________
Briefkasten.
Schweina. Der Agent ist im Recht. Im Ge-
setz heißt es: "werden bei Versicherungen gleicher
Art von demselben Versicherer für dieselbe Person
mehrere Versicherungsverträge abgeschlossen, so tritt
die Befreiung nur ein, wenn deren Beträge zu-
sammen die Summe von 3000 Mark nicht über-
steigen". - Die Zusammenziehung muß also er-
folgen.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
___________________________________________________
Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld
Zugezogene:
Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38
Kellner Günther Dechandt, Markt 6
Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10
Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1
Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79
Former Emil Kühn, Grünhain 34
Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6
Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6
Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12
Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2
Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7
Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7
*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1
Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10
Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23
Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30
Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18
*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10
Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16
Weggezogene:
Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg
*Fabrikarbeiter Georg Grebner nach Pressig
Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig
Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen
Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf
Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach
Konditor Ernst Schubert nach Berlin
Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig
Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln
*Schlosser Richard Bauer nach Graba
Maler Louis Niemann nach Hildesheim
Maler Edmund Merz nach Hildesheim
*Maler Max Grüning nach Arnstadt
Kellner Max Ißerstadt nach Köditz
Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg
*Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck
*bedeutet mit Familie
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
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An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
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Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
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Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
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Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
___________________________________________________
Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld
Zugezogene:
Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38
Kellner Günther Dechandt, Markt 6
Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10
Referendar Rich. Höfling, Eckardtsanger 1
Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79
Former Emil Kühn, Grünhain 34
Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6
Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6
Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12
Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2
Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7
Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7
*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1
Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10
Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23
Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30
Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18
*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10
Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16
Weggezogene:
Drahtweber Ernst Paschold nach Hamburg
*Fabrikarbeiter Georg Gredner nach Pressig
Kellnerin Hedwig Weiß nach Leipzig
Gelbgießer Balduin Kertscher nach Bremen
Steinsetzer Hermann Emmert nach Reichmannsdorf
Zimmermann Edmund Pöhlmann nach Thierbach
Konditor Ernst Schubert nach Berlin
Kellnerin Ida Mehnert nach Leipzig
Hilfsmonteur Karl Flessa nach Köln
*Schlosser Richard Baue nach Graba
Maler Louis Niemann nach Hildesheim
Maler Edmund Merz nach Hildesheim
*Maler Max Grüning nach Arnstadt
Kellner Max Ißerstadt nach Köditz
Kaufmann Paul Rützel nach Hamburg
*Handarbeiter Ludwig Reukauf nach Pößneck
*bedeutet mit Familie
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
___________________________________________________
Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld
Zugezogene:
Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38
Kellner Günther Dechandt, Markt 6
Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10
Referendar Rich. Höfling, Eckhardtsanger 1
Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79
Former Emil Kühn, Grünhain 34
Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6
Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6
Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12
Friseur Herbert Ziegler, Klostergasse 2
Mechaniker Ernst Forbriger, Unterelangegasse 7
Dreher Kurt Herz, Unterelangegasse 7
*Alteisenhändler Johann Schmidt, Kaiserstr. 1
Kellnerin Anna Goder, Johannisgasse 10
Bahnarbeiter Paul Wohlfarth, Richterstr. 23
Drahtweber Hugo Jakisch, Oberetorgasse 30
Kellner Arthur Heyne, Bahnhofstr. 18
*Schlosser Edmund Schönfelder, Gerbergasse. 10
Schlosser Richard Wackes, Fleischgasse 16
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
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An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
___________________________________________________
Meldeamtliche Nachrichten der Stadt Saalfeld
Zugezogene:
Fabrikarbeiterin Alma Henkel, Grünhain 38
Kellner Günther Dechandt, Markt 6
Koppelknecht Willy Hädrich, Blankenburgerstr. 10
Referendar Rich. Höfling, Eckhardtsanger 1
Kaufmann Rudolf Nowosad, Kaiserstr. 79
Former Emil Kühn, Grünhain 34
Hausdiener Oskar Keilhauer, Markt 6
Kellnerin Ida Frank, Hinter der Mauer 6
Witwe Anna Eyring, Blankenburgerstr. 12
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie der unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
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Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
__________________________________________________
Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
__________________________________________
4. Spalte
ohne sich zu verbessern, ersparte nichts und ist
jetzt froh, bei seinem Schulkameraden ein Unter-
kommen gefunden zu haben. Tobias, in dank-
barer Erinnerung an die Anregung, die er
durch seinen Brief empfangen, hält ihn wie
einen Freund, gibt sich Mühe, ihm sein pran-
gendes, mehr aufs Wort, als auf die Tat
gerichtetes Wesen abzugewöhnen, und "hofft
noch einen rechten Mann aus ihm machen zu
können!" - "Ja, lieber Vater," heißt es zum
Schluß, "ich tausche jetzt nicht mit dem reich-
sten Bauern im Ries. Vergessen kann ich die
Heimat und die guten Leute darin freilich nicht.
Wir reden hier oft miteinander davon, und
wenn wir vergnügt sind, sagen wir zueinander:
wenn jetzt nur der und der auch dabei wär!
- Ich hab auch einen Garten angelegt mit
einer Laube, grad wie de unsre; und wenn
auch die Bäume noch nicht so groß sind, so
ists doch in der Laube schon recht pläsierlich.
In Amerika ist einmal jetzt meine Heimat,
und daß ich wieder nach Deutschland komme,
daran ist vorderhand nicht zu denken. Nun
will ich Euch desto mehr im Gedächtnis be-
halten, von Zeit zu Zeit Nachricht hinüber-
schicken und mich hier so betragen, daß die
Leute in Amerika Respekt kriegen vor den
Riesern."
- E n d e . -
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
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Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selber Schwierigkeiten bereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
Fortsetzung 4.Spalte
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Gewerkschaftskartell
Saalfeld.
Mittwoch abend, pünktlich
7 Uhr im Bürgerbräu
-------- ---Sitzung.----------
Die Vertrauensleute der ein-
zelnen Betriebe aller Berufe
bezw. deren Ersatzleute und die
Funktionäre der Gewerkschaften
werden aufgefordert, in dieser
Sitzung auf alle Fälle mit zu er-
scheinen.
__________________________________________
Unterstützungsverein
- Saalfeld. -
Mittwoch, den 5. August, 8 Uhr
abends.
Außerordentliche
Generalversammlung.
Tagesordnung:
1. Anträge zu den §§ 5 und 6
des Statuts.
2. Verschiedenes.
Der Vorstand.
_____________________________________________
´Freie Sänger.´
Heute Dienstag, abends punkt
8 Uhr: Zusammenkunft im
Vereinslokal.
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-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
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An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
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Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
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Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
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Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
Daß diese Meldungen dem alten Eber in
der Seele wohl taten, kann man sich vorstellen.
Aber es kam noch besser. Der letzte Brief,
von Tobias geschrieben, berichtet, daß der alte
Herr gleichwohl gestorben, daß sie das Aus-
gemachte bekommen haben - daß er Eigen-
tümer des Gutes und überdies Vater eines
Mädchens geworden sei, "so schön, wie er noch
kein Kind gesehen habe!" Nach diesen aus-
gezeichneten Neuigkeiten folgt das Geständnis,
daß er sich zuerst freilich über die Maßen nach
Deutschland heimgesehnt und weiß nicht was
darum gegeben hätte, wenn er nur eine Stunde
bei den Seinigen oder im Wirtshause bei seinen
Kameraden hätte zubringen können! Denn es
sei ihm in Amerika eben gar nicht heimlich
vorgekommen, und wenn er die Bäbe nicht
gehabt hätte, wäre er verzweifelt. Nun sei´s
grad umgekehrt und es gefalle ihm jeden
Tag besser. - Eine eigene Notiz in dem Briefe
war: daß der Andres bei ihnen sei und als
Knecht diene!
Diesem scheint die Gesinnung, die ihn in
dem Schreiben an die Seinigen Amerika unbe-
dingt erheben und Deutschland heruntersetzen
ließ, in Amerika selbe Schwierigkeiten b ereitet
zu haben. Er wechselte mehrmals die Herren,
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
gut gegen mich und ich gegen ihn, und wenn
man gesund ist und ein gesundes Kind hat
und vorwärts kommt, was kann man sonst
noch verlangen? Unser Herrgott ist gnädig
gegen uns gewesen, das müssen wir anerkennen,
und wir tun´s auch. Wir haben jetzt ein paar
Ochsen, drei Kühe, ein Joch Stiere, ein Kalb
und ein Pferd. Wir werden aber bald mehr
bekommen. Unser alter Herr mag noch lange
leben, wir erwerben uns jetzt schon selber im-
mer mehr.
"Wenn Ihr Euern Tobias jetzt sehen wür-
det, tätet Ihr Euch gewiß verwundern. Er
hat seinen Bart stehen lassen und sein Kopf
ist röter und runder als sonst. Gedanken
macht er sich nicht mehr soviel wie sonst, und
die Schneiderei treibt er nur soviel wirs für
uns nötig haben, er geht seinen Gang fort
und ist ein ganzer Bauer geworden. Zuweilen,
des Abends oder auch des Nachts, reden wir
von den alten Zeiten und freuen uns über
die närrischen Sachen, die uns begegnet sind,
und lachen laut miteinander.
"Wenn ich manchmal wünsche, noch einmal
nach Deutschland zu kommen, ist´s nur, weil
ich Euch nochmal sehe möchte, lieber Schwäher.
Ihr habt mich so gut leiden können in der
letzten Zeit und habt mich so freundlich be-
handelt, wie wir´s beide nicht geglaubt hätten
nach dem ersten Diskurs, den wir miteinander
gehabt haben in Eurem Garten - wißt Ihr´s
noch? Es ist alles viel besser gegangen, als
wir gedacht haben! - Nun lebet wohl und
gebt uns Nachricht von Euch und grüßet unsere
ganze Freundschaft von uns und auch den
Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrerin. Sie
sind doch recht gut gewesen gegen mich, und
ich werd`es ihnen mein Lebtag nicht ver-
gessen."
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
3. Spalte
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären. Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
_________________________________________________________________________
Inserate nicht transkribiert
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
Alle Ausländer haben sich binnen 24 Stunden bei der
Ortspolizeibehörde persönlich zu melden. Die Orts-
polizeibehörde hat über die erfolgte Anmeldung einen gestem-
pelten Ausweis zu erteilen. Die Unterlassung der hiermit an-
geordneten Anmeldung wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark
oder Haft bis zu 6 Wochen bestraft.
Meiningen, den 3. August 1914.
Herzogl. Staatsministerium, Abt. des Innern.
v. Türcke.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam.
__________________________________________________________________________
Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.
Saalfeld, den 4. August 1914. Der Magistrat. Adam
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
"Aber nun muß ich Euch doch das Beste
schreiben! Ich bin schon vor einem halben
Jahr niedergekommen mit einem Buben, der
dem Tobias gleichsieht, aber nach meiner An-
sicht "stockhafter" wird. Nach seinem Groß-
vater hab´ich ihn Balthasar taufen lassen.
Mein Mann hat eine außerordentliche Freude
an ihm, und seit wir das Kind haben, ist es
uns erst, als ob wir hier daheim wären.Wir
sind jetzt vollkommen zufrieden. Tobias ist
Fortsetzung 3. Spalte
_______________________________________________________________________
Anmeldung zur Stammrolle.
Die zurückgestellten Gestellungspflichtigen der Geburtsjahre 1893
und 1984, sowie sämtliche gegen Berechtigung zum einjährig-
freiwilligen Dienst mit
versehene Militärpflichtigenwerden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorlage ihrer Legimitations-
papiere bzw. Losungs- oder Berechtigungsscheine sofort und längstens
binnen 2 Tagen im Stadtschreiberamt zur Rekrutierungsstammrolle
anzumelden.
Unterlassung der Anmeldung wird nach gesetzlicher Vorschrift be-
straft eventl. auch durch sofortige Einstellung der säumigen Personen
in das Heer.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobias
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
===============================================
Der Sieg des Schwachen.
Erzählung aus dem Ries von Melchior Meyr
(Schluß.)
"Wir sind nämlich jetzt nicht mehr in Diensten,
sondern haben eine Farm angenommen. Wir
haben uns Vieh angeschafft, und Samenkorn,
auch einen Wagen um fünfzig Dollars, und
unser Herr, der kein Kind und zusammen über
dreihundert Acker Land hat, läßt uns machen,
was wir wollen; er nimmt nur einen Teil
und zwei Teile von allem, was wir bauen,
gehören uns.
"Es ist noch nicht lange her, da überfiel
den Herrn plötzlich eine Krankheit; der Tobia
mußte einen Arzt holen und ich war allein
bei ihm; ich machte ihm warmes Wasser für
seine Füße und pflegte ihn, und er wurde
besser. Nun sagt er, ich hätte ihm sein Leben
errettet und er habe mich in seinem Testament
bedacht mit eintausend Dollars, macht nach
bayrischem Gelde zweitausendfünfhundert Gul-
den; das bekomme ich, wenn er stirbt.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
Mit genossenschaftlichem Gruß
Die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Kon-
sumvereine.
A .Seifert. H. Lorenz. E. Würsel.
E. Berger. R. Aßmann.
Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine.
H. Kaufmann. Dr. Aug. Müller. H. Bästlein.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Verbandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
_______________________________________________________________________________
An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
_________________________________________________________________________________
2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
Wir möchten daher zum Schlusse jene Ver-
eine, die sich Aufgaben gegenüber sehen, die
sie nicht allein bewältigen zu können glauben,
ersuchen, das zuständige Revisionsverbands-
sekretariat mit ihrer Angelegenheit zu betrauen.
Durch dieses wird dann alles weitere veran-
laßt, gegebenenfalls seitens der dazu berufenen
Organe für gemeinsame Hilfsaktionen gesorgt
werden. Die Einheitlichkeit und Wirksamkeit
aller Hilfsmaßnahmen macht es aber erforder-
lich, daß jeder Vebandsverein, der Hilfe sucht,
sich an das Sekretariat seines Revisionsver-
bandes wendet und nicht auf eigene Faust
operiert.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
_____________________________________________________________________
Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
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An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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2. Spalte
sonders schwierigen Situation gegenüber be-
finden, so wird ein Appell um Untersützung
sicherlich nicht erfolglos sein, denn das werden
sich die deutschen Konsumvereine natürlich in
den kommenden Zeiten ganz besonders ange-
legen sein lassen: gegenseitige Solidarität zu
üben. Diese Solidarität auch wirksam werden
zu lassen, wenn es sein muß, ist Aufgabe der
Organisationen.
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
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Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
Königliches Meldeamt Meiningen.
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An die Ortskrankenkassenmitglieder!
Infolge des Schließens des größten Teiles der Betriebe melden
sich, um ihre Rechte an die Ortskrankenkasse nicht zu verlieren, die
arbeitlos Gewordenen als freiwillige Mitglieder. Der Andrang ist
aber derart, daß die ordnungsgemäßige Erledigung der Geschäfte nicht
möglich ist. Wir ersuchen deshalb die Arbeiter, für jeden Be-
trieb eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die
sich freiwillig weiter versichern wollen. Auf alle Fälle ist an-
zugeben, in welcher Klasse die Weiterversicherung erfolgen soll. Diese
Liste ist dann an die Ortskrankenkasse einzureichen.
Das Gewerkschaftskartell Saalfeld.
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
Fortsetzung 2. Spalte oben
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Bekanntmachung.
Besonders dringende Briefe müssen als Eilbriefsendungen auf-
gegeben werden, die als solche postdienlich besonders gekennzeichnet
und behandelt werden. Derartige Sendungen unterliegen der ver-
ordnungsmäßigen Eilbestellgebühr, die bei Vorauszahlung im Orts-
bestellbezirk 25 Pfg., im Landbestellbezirk 60 Pfg. für jede Sendung
beträgt und bei Entrichtung durch den Empfänger in Höhe von 25 Pfg.
für jede Sendung erhoben wird.
Besonders dringliche Paketsendungen müssen vom Absender als
dringende Pakete gegen die besondere Gebühr von je 1 Mark und
die Eilbestellgebühr, im Ortsbestellbezirk 40 Pfg., im Landbestellbezirk
90 Pfg. für jedes Paket, eingeliefert werden. Die Pakete werden
alsdann mit den raschesten Beförderungsgelegenheiten, d. h. auch mit
Zügen, in denen andere Pakete nicht befördert werden, Beförderung
erhalten und am Bestimmungsorte sofort nach der Ankunft mit be-
sonderen Boten bestellt werden.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen, aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und Stärke der
konsumgenossenschaftlichen Idee.
Und das andere ist die Tatsache, daß ja
glücklicherweise die einzelne Genossenschaft nicht
allein steht. sie ist ein Glied der Organi-
sation. Revisionsverband, Zentralverband,
Großeinkaufsgesellschaft und Verlagsgesellschaft
deutscher Konsumvereine sind aufgebaut auf
den einzelnen Genossenschaften; sie werden von
diesen getragen,aber sie stärken und stützen
auch umgekehrt wieder die Einzelgenossen-
schaften. Es ist selbstverständlich, daß in der
außerordentlichen Situation, in der wir uns
befinden, unter Umständen auch außerordent-
liche Mittel angewendet werden müssen. Sollte
daher eine Genossenschaft sich einer ganz be-
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
________________ _____________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu verbinden.
Wir wissen, daß die Schwierigkeiten der
gegenwärtigen Situation für die Konsum-Ge-
nossenschaften groß sind, aber mit Umsicht,
Mut und Selbstvertrauen sind sie zu über-
winden. Die konsumgenossenschaftliche Orga-
nisation ist so gefestigt, daß sie getrosten Muts
den kommenden schweren Zeiten entgegensehen
kann, sofern nur keine Kopflosigkeit einreißt,
die zu unüberlegten Handlungen führt. Das
ist das eine: Zutrauen in die Macht und
Stärke der konsumgenossenschaftlichen Idee.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
Bei alledem soll natürlich auch in Kriegs-
zeiten das höchste Gebot des Konsumgenossen-
schafters Beachtung finden: Die Sorgfalt eines
ordentlichen Geschäftsmannes zu wahren. Die
Aufgabe, die den Konsumvereinen gesetzt ist,
besteht eben darin, die Wahrnehmung geschäft-
licher Grundsätze mit großzügiger, weitaus-
schauender, dem Allgemeininteresse dienender
Wirksamkeit zu unterbinden.
-
item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
stehen, sich das Vertrauen, das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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1. Spalte
Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen aus der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt. -
Von den Leitern der Konsumvereine muß er-
wartet werden. daß sie durch geeignete Maß-
nahmen den naiven Ausbrüchen verängstigter
Seelen entgegenwirken, zur Ruhe und Be-
sonnenheit mahnen und die Mitglieder von
törichten Handlungen abhalten. Sie werden
das dann erfolgreich können, wenn sie es ver-
tehen, sich das Vertrauen. das ihnen in an-
deren Zeiten so reichlich entgegengebracht wird,
auch in Kriegszeiten zu bewahren. Insbeson-
dere ängstlichen Sparern gegenüber, die ihre
Spargelder abheben, ist mit Takt und Um-
sicht zu verfahren, weil kleinliches und fehler-
haftes Verhalten auf diesem Gebiete leicht das
Vertrauen zerstören kann.
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit der sonst an ihr gewöhnten
Promptheit den privaten Postverkehr bewäl-
tigen, Briefe bleiben liegen oder kommen ver-
spätet an, Papiergeld tritt an Stelle des Me-
tallgeldes und muß von Jedermann genommen
werden. Dazu treten dann noch die Folgen,
die aus den wirtschaftlichen Störungen ent-
springen, die der Krieg mit sich bringt. -
Manche Industriezweige werden ganz zum
Stillliegen kommen, an Arbeitslosigkeit und
ihren Begleiterscheinungen wird es nicht fehlen.
Hinzu kommt die aufgeregte Stimmung der
Massen auf der manchmal recht unüberlegte
Handlungen resultieren, wie der Sturm auf
die Sparkassen und die Verproviantierung mit
allen möglichen Nahrungsmitteln in großen
Mengen; ferner der Drang nach Metallgeld,
das Entziehen des Geldes aus dem Verkehr
und Aufbewahrung im Strumpf, in der Bett-
lade. So töricht dies auch ist, so erklärlich
ist es aber auch andererseits, wenn man die
Schwierigkeiten der Lage ins Auge faßt.
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item 4 _________________________________________________________________________________________
An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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Zum Teil beruhen diese Schwierigkeiten da-
rin, daß begreiflicherweise die militärischen
Notwendigkeiten in Kriegszeiten allen anderen
vorausgehen. Schon durch die Inanspruch-
nahme aller Verkehrsanstalten ganz oder doch
nahezu ausschließich durch die Militärbehörden,
entstehen Schwierigkeiten mehr technischer Art;
der Eisenbahn- und Schiffsverkehr stockt, die
Post kann nicht mit
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An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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An unsere Leser!
Solange die Mobilmachung noch nicht vollständig beendet
ist, wird es sich nicht vermeiden lassen, daß in der Zustellung der
Zeitung an die einzelnen Filialen hier und da eine Verzögerung
eintritt, die wir zu entschuldigen bitten. Ist die Mobilmachung
vollständig beendet, dann wird sicher der Eisenbahnverkehr in der
Hauptsache wieder ein geregelter werden.
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item 4
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- 15725 / 166514
- Contributor
- Karl Döbling
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