Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 18
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item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
____________
W e l t h ä n d e l.
Hildburghausen, 30. Juli.
Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage
haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen
gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa
Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,
damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger
Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten
sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,
als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt
eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben
werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,
was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive
Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des
Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn
nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche
Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung
braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung
des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,
daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens
ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den
Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die
Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht
vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem
wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von
verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem
Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig
würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder
außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die
roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben
würden.
Die deutsche Flotte ist in ihre Heimatshäfen [sic] zurückgekehrt, und
zwar die Nordseeschiffe Dienstag abend nach Wilhelmshaven, die der
Ostsee gestern früh nach Kiel.
Der "Preußische Staatsanzeiger" teilt mit: Dem Unterstaatssekretär
im Ministerium für Handel und Gewerbe Schreiber ist
bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst der Charakter eines
Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz und dem
Präsidenten des königlichen Eisenbahnzentralamts Sarre in Berlin
der Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberbaurats mit dem
Rang der Räte erster Klasse verliehen worden. Der Geheime
Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern von
Gröning ist an Stelle des zum Präsidenten der Regierung in
Lüneburg beförderten Geheimen Oberregierungsrats Dr. Freiherrn
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item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
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W e l t h ä n d e l.
Hildburghausen, 30. Juli.
Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage
haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen
gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa
Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,
damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger
Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten
sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,
als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt
eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben
werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,
was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive
Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des
Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn
nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche
Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung
braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung
des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,
daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens
ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den
Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die
Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht
vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem
wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von
verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem
Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig
würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder
außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die
roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben
würden.
Die deutsche Flotte ist in ihre Heimatshäfen [sic] zurückgekehrt, und
zwar die Nordseeschiffe Dienstag abend nach Wilhelmshaven, die der
Ostsee gestern früh nach Kiel.
Der "Preußische Staatsanzeiger" teilt mit: Dem Unterstaatssekretär
im Ministerium für Handel und Gewerbe Schreiber ist
bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst der Charakter eines
Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Exzellenz und dem
Präsidenten des königlichen Eisenbahnzentralamts Sarre in Berlin
der Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberbaurats mit dem
Rang der Räte erster Klasse verliehen worden. Der Geheime
Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern von
Gröning ist an Stelle des zum Präsidenten der Regierung in
Lüneburg beförderten Geheimen Oberregierungsrats Dr. Freiherrn
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item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
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W e l t h ä n d e l.
Hildburghausen, 30. Juli.
Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage
haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen
gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa
Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,
damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger
Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten
sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,
als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt
eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben
werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,
was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive
Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des
Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn
nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche
Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung
braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung
des Reichstags nicht eingeholt zu werden. Aber abgesehen davon,
daß die Begründung der sozialdemokratischen Forderung barer Nonsens
ist, wäre es natürlich eine unverantwortliche Torheit, den
Reichstag jetzt einzuberufen, nur um den redegierigen Genossen die
Gelegenheit zu geben, ihre antinationalen Hetzereien ohne die Furcht
vor einer gerechten Bestrafung vom Stapel zu lassen. Außerdem
wäre auch die Einberufung des Reichstags zwecklos, da, wie von
verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, der Reichstag bei seinem
Wiederzusammentritt, falls Überschreitungen des Etats notwendig
würden, zweifellos ohne Bedenken diese Etatsüberschreitungen oder
außeretatsmäßigen Ausgaben bewilligen würde, wenn sich auch die
roten 111 "Volksvertreter" mit Händen und Füßen dagegen sträuben
würden.
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item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
____________
W e l t h ä n d e l.
Hildburghausen, 30. Juli.
Die Schwierigkeiten der gegenwärtigen internationalen Lage
haben die Drahtzieher der Sozialdemokratie ganz aus dem Häuschen
gebracht. Die rote "Leipziger Volkszeitung", das Leiborgan Rosa
Luxemburgs, verlangt sogar die Einberufung des deutschen Reichstags,
damit der die Stimmung des Volkes "in verfassungsmäßiger
Form" zum Ausdruck bringe. Allerdings scheint es dem roten
sächsischen Hauptorgan weniger um die Kundgebung dieser Stimmung,
als darum zu tun zu sein - wie es auch ganz unverblümt
eingesteht - daß den Herren Reichstagsgenossen Gelegenheit gegeben
werde, unter dem Schutz der Immunität das auszusprechen,
was sie sonst nicht sagen dürfen. Das ist denn doch eine gar zu naive
Dreistigkeit! - Außerdem scheinen die Verfassungskenntnisse des
Leipziger Genossenblattes höchst fragwürdiger Natur zu sein, denn
nach der Verfassung steht dem deutschen Kaiser die völkerrechtliche
Vertretung des deutschen Volkes zu und zu einer etwaigen Kriegserklärung
braucht ebenfalls nach der Verfassung die Einwilligung
des Reichstags nicht eingeholt zu werden.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
____________
W e l t h ä n d e l.
Hildburghausen, 30. Juli.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Panas, dementiert
die ihm vom Pariser "Matin" zugeschriebene Äußerung, daß
Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100 000
Mann zu unterstützen.
Zum Schluß mag darauf hingewiesen sein, daß auch das internationale
Friedensbureau sich regt. Es hat Depeschen
an Kaiser Wilhelm und den österreichisch-ungarischen Minister des
Äußeren Grafen Berchtold gerichtet mit der Bitte, zu vermitteln
beziehungsweise eine friedliche Beilegung des Konfliktes nicht von der
Hand zu weisen.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der bend
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
Rußland hat noch immer keine bestimmte Erklärung
abgegeben, wie es sich dem österreichisch-serbischen
Krieg gegenüber zu verhalten gedenke. Die allgemeinen Friedensversicherungen
klingen zunächst ganz schön, ihnen stehen aber andere, weniger
friedlich anmutende Nachrichten gegenüber. Wie das Reutersche
Bureau erfährt, ist nämlich am Dienstag abend im Süden und
Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung
angeordnet worden.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
2. Spalte
Kriegsmanifesten, die im Lauf der Zeiten veröffentlicht wurden, hat
wohl keines dem Feind vor der ganzen Welt eine solche Anklage ins
Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesitteten
Menschen gekennzeichnet sei. Die Worte des Kaisers werden einen
starken Widerhall in der Monarchie haben und einen tiefen Eindruck
in Europa machen.
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Das
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokuments edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
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-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung der österreichischen Note, schließlich die
Frist vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der
formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische
Regierung habe demnach Serbien vor Beginn der Feindseligkeiten
wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des
Friedens gegeben. - Die Kriegserklärung und das Manifest
Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie
begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller bürgerlichen
Parteien in flammenden Worten zum Ausdruck kommt. Dass
"Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben
sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokumentes edelster monarchischer
Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nicht vergessen
werden. Als kostbares Vermächtnis sei es den kommenden Geschlechtern
überantwortet. Ein Reich, das Kaiser Franz Josef I.
regiert, steht einzig da in der Welt, und Ehre und Macht und Ruhm sind
ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen
Monarchen; er ist der Glanz, die mächtigste Kraft des Reiches, er
ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der
Kaiser! - In der "Neuen freien Presse" heißt es: Von sämtlichen
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Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
Die Feindseligkeiten zwischen Österreich-
Ungarn und Serbien haben nunmehr begonnen. Das
Wiener Telegraphen-Bureau veröffentlichte am Mittwoch folgendes
Telegramm: die Serben haben heute um 1 Uhr 30 Minuten früh
die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie
und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donaumonitoren
die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die
Serben haben sich nach kurzem Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste
sind ganz unbedeutend. - Gestern gelang es einer kleinen
Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwachen,
zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen
waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten
nach kurzem aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene
serbische Schiffsbesatzung, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren
gefährlicher Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer
wegschleppen. - Die amtliche "Wiener Zeitung" schreibt: In guter
und gerechter Sache greift Österreich-Ungarn zum Schwert. Die
Verantwortung für die Folgen trifft allein das Haupt des Schuldigen.
In bewundernswerter Einmütigkeit scharen
sich die Völker der Monarchie um ihren heißgeliebten
Herrscher und um das ruhmvolle alte Panier. Doch auch von jenseits
der Reichsgrenzen treffen herzerfreuende Kundgebungen
verständnisvoller Sympathie ein. Zahllose begeisterte Zustimmungen,
die dem ursprünglichsten Volksempfinden entstammen,
kommen insbesondere aus dem verbündeten Deutschen
Reich, und sie bezeugen in Verbindung mit der wertvollen feierlichen
Zusage der italienischen Regierung, daß
unsere Freunde und Verbündeten die lautere Gerechtigkeit unseres
Kampfes vollauf würdigen. Das Blatt schließt: Das Ziel des uns
aufgezwungenen Kampfes ist die dauernde und gewährleistete Erhaltung
eines ehrenvollen Friedens. - Das "Fremdenblatt" konstatiert
gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen
Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet
werden können, wenn Österreich-Ungarn für die Verantwortung
seiner Note Serbien eine Fristerstreckung gewährt hätte, daß
die serbische Regierung drei Fristen verstreichen
ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes
zu benutzen, nämlich die Frist vom Serajewoer [sic] Mordtag
bis zur Überreichung der Note am 23. Juli, sodann die 48stündige
Frist zur Beantwortung
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen,
um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck
zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder
daß durch Österreich-Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen
vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten
zwischen Österreich-Ungarn und einem Balkanstaat ist natürlich eine
sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen
unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf
den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten
sein, die Ausdehnung des Kampfes auf die Großmächte zu
verhindern."
-
item 18
1. Spalte
Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben noch
die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung
von den übrigen Mächten bestätigt würde, sollte das
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Berlin, Saalfeld, Leipzig
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- 15725 / 166528
- Contributor
- Karl Döbling
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