Abschrift der Kriegstagebücher von Sergeant Fritz Apsel, item 18

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...linke Seite

streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


Zwei Kreuze !

Bei den kampferprobten Kriegern

gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.
Eins gibt es für tapf´re Sieger,
doch das andere gibt es nicht.
Das von Eisen kommt nach hinten,
denn für vorne ist`s zu schwer.
Zu den langen großen Flinten
drückte es wohl gar zu sehr,
doch die and´ren leichten Kreuze
können nur da vorne stehen,
bar von Schmuck und jedem Reize
kann man viele, viele sehen.
Einfachheit ziert vorn den Grauen,
auch im Tode ist er schlicht;
darum kann den Schmuck man schauen,
hinten wo der Tod nicht richt.
Bei Etappen, bei Kollonnen

kommt der Ordenssegen hin.
Hier kann im Verdienst sich sonnen,
wer da hat ein stolzen Sinn.
Drum verlangt ihr Männer draußen
nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,
Schmuck und Ruhm sind nur von außen,
innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Apsel]

Angefangen auf dem Kornvel. Vollendet am 6.9.17.

[Zeilenumbrüche entsprechen dem Versmaß der Originalhandschrift]

 

7.9.17.

Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses
ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den
Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,
bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.
Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten
Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur
vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.
8.9.17.

Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der
4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher.

15.9.17.

Ein Tag ist wie der andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


...rechte Seite
nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.
Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein
wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und
dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.
Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen
Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht
kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.
dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten
stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst
werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die
letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich
schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.
Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt
mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.
der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist.

28.9.17.

Um 15 [Uhr] abends
abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage
haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie
genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen
gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig
langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen
läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente
braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen
wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter
auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen
verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]

Jetzt hat das aber schon nachgelassen. -

Gestern am 27.9.17,

war Kaiserparade. Das Üben
vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war
um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis
Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch
einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]
Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der
oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches
die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die des
von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.





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...linke Seite

streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


Zwei Kreuze !

Bei den kampferprobten Kriegern

gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.
Eins gibt es für tapf´re Sieger,
doch das andere gibt es nicht.
Das von Eisen kommt nach hinten,
denn für vorne ist`s zu schwer.
Zu den langen großen Flinten
drückte es wohl gar zu sehr,
doch die and´ren leichten Kreuze
können nur da vorne stehen,
bar von Schmuck und jedem Reize
kann man viele, viele sehen.
Einfachheit ziert vorn den Grauen,
auch im Tode ist er schlicht;
darum kann den Schmuck man schauen,
hinten wo der Tod nicht richt.
Bei Etappen, bei Kollonnen

kommt der Ordenssegen hin.
Hier kann im Verdienst sich sonnen,
wer da hat ein stolzen Sinn.
Drum verlangt ihr Männer draußen
nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,
Schmuck und Ruhm sind nur von außen,
innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Apsel]

Angefangen auf dem Kornvel. Vollendet am 6.9.17.

[Zeilenumbrüche entsprechen dem Versmaß der Originalhandschrift]

 

7.9.17.

Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses
ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den
Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,
bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.
Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten
Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur
vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.
8.9.17.

Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der
4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher.

15.9.17.

Ein Tag ist wie der andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


...rechte Seite
nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.
Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein
wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und
dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.
Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen
Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht
kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.
dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten
stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst
werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die
letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich
schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.
Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt
mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.
der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist.

28.9.17.

Um 15 [Uhr] abends
abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage
haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie
genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen
gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig
langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen
läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente
braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen
wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter
auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen
verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]

Jetzt hat das aber schon nachgelassen. -

Gestern am 27.9.17,

war Kaiserparade. Das Üben
vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war
um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis
Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch
einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]
Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der
oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches
die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die des
von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.






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  • January 1, 2017 09:58:02 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.
    Eins gibt es für tapf´re Sieger,
    doch das andere gibt es nicht.
    Das von Eisen kommt nach hinten,
    denn für vorne ist`s zu schwer.
    Zu den langen großen Flinten
    drückte es wohl gar zu sehr,
    doch die and´ren leichten Kreuze
    können nur da vorne stehen,
    bar von Schmuck und jedem Reize
    kann man viele, viele sehen.
    Einfachheit ziert vorn den Grauen,
    auch im Tode ist er schlicht;
    darum kann den Schmuck man schauen,
    hinten wo der Tod nicht richt.
    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.
    Hier kann im Verdienst sich sonnen,
    wer da hat ein stolzen Sinn.
    Drum verlangt ihr Männer draußen
    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,
    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,
    innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Apsel]

    Angefangen auf dem Kornvel. Vollendet am 6.9.17.

    [Zeilenumbrüche entsprechen dem Versmaß der Originalhandschrift]

     

    7.9.17.

    Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses
    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den
    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,
    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.
    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten
    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur
    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.
    8.9.17.

    Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der
    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher.

    15.9.17.

    Ein Tag ist wie der andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


    ...rechte Seite
    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.
    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein
    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und
    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.
    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen
    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht
    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.
    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten
    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst
    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die
    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich
    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.
    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt
    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.
    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist.

    28.9.17.

    Um 15 [Uhr] abends
    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage
    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie
    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen
    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig
    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen
    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente
    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen
    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter
    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen
    verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]

    Jetzt hat das aber schon nachgelassen. -

    Gestern am 27.9.17,

    war Kaiserparade. Das Üben
    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war
    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis
    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch
    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]
    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der
    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches
    die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die des
    von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.





  • January 1, 2017 08:12:14 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.
    Eins gibt es für tapf´re Sieger,
    doch das andere gibt es nicht.
    Das von Eisen kommt nach hinten,
    denn für vorne ist`s zu schwer.
    Zu den langen großen Flinten
    drückte es wohl gar zu sehr,
    doch die and´ren leichten Kreuze
    können nur da vorne stehen,
    bar von Schmuck und jedem Reize
    kann man viele, viele sehen.
    Einfachheit ziert vorn den Grauen,
    auch im Tode ist er schlicht;
    darum kann den Schmuck man schauen,
    hinten wo der Tod nicht richt.
    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.
    Hier kann im Verdienst sich sonnen,
    wer da hat ein stolzen Sinn.
    Drum verlangt ihr Männer draußen
    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,
    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,
    innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Apsel]

    Angefangen auf dem Kornvel. Vollendet am 6.9.17.

    [Zeilenumbrüche entsprechen dem Versmaß der Originalhandschrift]

     

    7.9.17.

    Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses
    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den
    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,
    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.
    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten
    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur
    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.
    8.9.17.

    Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der
    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher.

    15.9.17.

    Ein Tag ist wie der andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


    ...rechte Seite
    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.
    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein
    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und
    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.
    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen
    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht
    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.
    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten
    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst
    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die
    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich
    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.
    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt
    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.
    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist.

    28.9.17.

    Um 15 [Uhr] abends
    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage
    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie
    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen
    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig
    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen
    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente
    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen
    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter
    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen
    verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]. Jetzt hat das aber
    schon nachgelassen. -

    Gestern am 27.9.17,

    war Kaiserparade. Das Üben
    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war
    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis
    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch
    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]
    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der
    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches
    die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die des
    von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.






  • December 29, 2016 10:11:19 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern,

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.
    Eins gibt es für tapf´re Sieger,
    doch das andere gibt es nicht.
    Das von Eisen kommt nach hinten,
    denn für vorne ist`s zu schwer.
    Zu den langen großen Flinten
    drückte es wohl gar zu sehr,
    doch die and´ren leichten Kreuze
    können nur da vorne stehen,
    bar von Schmuck und jedem Reize
    kann man viele, viele sehen.
    Einfachheit ziert vorn den Grauen,
    auch im Tode ist er schlicht;
    darum kann den Schmuck man schauen,
    hinten wo der Tod nicht richt.
    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.
    Hier kann im Verdienst sich sonnen,
    wer da hat ein stolzen Sinn.
    Drum verlangt ihr Männer draußen
    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,
    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,
    innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Apsel]

    Angefangen auf dem Kornnel. Vollendet am 6.9.17.

    [Anm.. Zeilenumbrüche entsprechend dem Versmaß wie in der Originalhandschrift von Fritz Apsel]

     

    7.9.17. Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses
    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den
    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,
    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.
    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten
    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur
    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.
    8.9.17.  Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der
    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher. 15.9.17.  Ein Tag ist wie der
    andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.

    ...rechte Seite
    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.
    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein
    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und
    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.
    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen
    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht
    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.
    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten
    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst
    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die
    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich
    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.
    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt
    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.
    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist. 28.9.17. Um 15 [Uhr) abends
    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage
    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie
    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen
    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig
    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen
    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente
    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen
    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter
    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen
    verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]. Jetzt hat das aber
    schon nachgelassen. - Gestern am 27.9.17, war Kaiserparade. Das Üben
    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war
    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis
    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch
    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]
    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der
    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches
    die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die S.E. [Seiner Exzellenz]
    von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.






  • December 29, 2016 10:08:46 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern,

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.

    Eins gibt es für tapf´re Sieger,

    doch das andere gibt es nicht.

    Das von Eisen kommt nach hinten,

    denn für vorne ist`s zu schwer.

    Zu den langen großen Flinten

    drückte es wohl gar zu sehr,

    doch die and´ren leichten Kreuze

    können nur da vorne stehen,

    bar von Schmuck und jedem Reize

    kann man viele, viele sehen.

    Einfachheit ziert vorn den Grauen,

    auch im Tode ist er schlicht;

    darum kann den Schmuck man schauen,

    hinten wo der Tod nicht richt.

    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.

    Hier kann im Verdienst sich sonnen,

    wer da hat ein stolzen Sinn.

    Drum verlangt ihr Männer draußen

    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,

    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,

    innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Apsel]


    Angefangen auf dem Kornnel. Vollendet am 6.9.17.

    [Anm.. Zeilenumbrüche entsprechend dem Versmaß wie in der Originalhandschrift von Fritz Apsel]


    7.9.17. Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses

    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den

    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,

    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.

    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten

    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur

    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.

    8.9.17.  Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der

    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher. 15.9.17.  Ein Tag ist wie der

    andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


    ...rechte Seite

    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.

    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein

    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und

    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.

    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen

    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht

    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.

    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten

    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst

    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die

    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich

    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.

    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt

    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.

    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist. 28.9.17. Um 15 [Uhr) abends

    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage

    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie

    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen

    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig

    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen

    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente

    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen

    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter

    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen

    verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]. Jetzt hat das aber

    schon nachgelassen. - Gestern am 27.9.17, war Kaiserparade. Das Üben

    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war

    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis

    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch

    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]

    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der

    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches

    die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die S.E. [Seiner Exzellenz]

    von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.






  • December 29, 2016 10:07:23 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern,

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.

    Eins gibt es für tapf´re Sieger,

    doch das andere gibt es nicht.

    Das von Eisen kommt nach hinten,

    denn für vorne ist`s zu schwer.

    Zu den langen großen Flinten

    drückte es wohl gar zu sehr,

    doch die and´ren leichten Kreuze

    können nur da vorne stehen,

    bar von Schmuck und jedem Reize

    kann man viele, viele sehen.

    Einfachheit ziert vorn den Grauen,

    auch im Tode ist er schlicht;

    darum kann den Schmuck man schauen,

    hinten wo der Tod nicht richt.

    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.

    Hier kann im Verdienst sich sonnen,

    wer da hat ein stolzen Sinn.

    Drum verlangt ihr Männer draußen

    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,

    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,

    innen ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Anspel]


    Angefangen auf dem Kornnel. Vollendet am 6.9.17.

    [Anm.. Zeilenumbrüche entsprechend dem Versmaß wie in der Originalhandschrift von Fritz Anspel]


    7.9.17. Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses

    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den

    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,

    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.

    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten

    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur

    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.

    8.9.17.  Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der

    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher. 15.9.17.  Ein Tag ist wie der

    andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


    ...rechte Seite

    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.

    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein

    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und

    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.

    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen

    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht

    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.

    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten

    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst

    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die

    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich

    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.

    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt

    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.

    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist. 28.9.17. Um 15 [Uhr) abends

    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage

    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie

    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen

    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig

    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen

    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente

    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen

    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter

    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen

    verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck war [umgangssprachlich: nicht gesund fühlte]. Jetzt hat das aber

    schon nachgelassen. - Gestern am 27.9.17, war Kaiserparade. Das Üben

    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war

    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis

    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch

    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]

    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der

    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches

    die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die S.E. [Seiner Exzellenz]

    von Conta [preußischer General der Infanterie und Oberbefehlshaber der deutschen Südarmee] folgte, die mit 3 Hurras endigte.






  • December 28, 2016 22:58:01 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern,

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.

    Eins gibt es für tapf´re Sieger,

    doch das andere gibt es nicht.

    Das von Eisen kommt nach hinten,

    denn für vorne ist`s zu schwer.

    Zu den langen großen Flinten

    drückte es wohl gar zu sehr,

    doch die and´ren leichten Kreuze

    können nur da vorne stehen,

    bar von Schmuck und jedem Reize

    kann man viele, viele sehen.

    Einfachheit ziert vorn den Grauen,

    auch im Tode ist er schlicht;

    darum kann den Schmuck man schauen,

    hinten wo der Tod nicht richt.

    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.

    Hier kann im Verdienst sich sonnen,

    wer da hat ein stolzen Sinn.

    Drum verlangt ihr Männer draußen

    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,

    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,

    immer ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Anspel]


    Angefangen auf dem Kornnel. Vollendet am 6.9.17.

    [Anm.. Zeilenumbrüche nach der Originalhandschrift von Fritz Anspel]


    7.9.17. Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses

    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den

    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,

    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.

    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten

    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur

    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.

    8.9.17.  Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der

    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher. 15.9.17.  Ein Tag ist wie der

    andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


    ...rechte Seite

    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.

    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein

    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und

    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.

    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen

    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht

    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.

    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten

    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst

    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die

    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich

    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.

    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt

    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.

    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist. 28.9.17. Um 15 [Uhr) abends

    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage

    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie

    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen

    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig

    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen

    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente

    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen

    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter

    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen

    verdorben, so daß ich eine Zeit ein richtig auf Deck ...war. Jetzt hat das aber

    schon nachgelassen. - Gestern am 27.9.17, war Kaiserparade. Das Üben

    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war

    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis

    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch

    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]

    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der

    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches

    die Front ab.- Danach hielt S.M. eine Ansprache, worauf die S.E. [Seiner Exzellenz]

    von Conta folgte, die mit 3 Hurras endigte.






  • December 28, 2016 22:47:02 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern,

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.

    Eins gibt es für tapf´re Sieger,

    doch das andere gibt es nicht.

    Das von Eisen kommt nach hinten,

    denn für vorne ist`s zu schwer.

    Zu den langen großen Flinten

    drückte es wohl gar zu sehr,

    doch die and´ren leichten Kreuze

    können nur da vorne stehen,

    bar von Schmuck und jedem Reize

    kann man viele, viele sehen.

    Einfachheit ziert vorn den Grauen,

    auch im Tode ist er schlicht;

    darum kann den Schmuck man schauen,

    hinten wo der Tod nicht richt.

    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.

    Hier kann im Verdienst sich sonnen,

    wer da hat ein stolzen Sinn.

    Drum verlangt ihr Männer draußen

    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,

    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,

    immer ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Anspel]


    Angefangen auf dem Kornnel. Vollendet am 6.9.17.

    [Anm.. Zeilenumbrüche nach der Originalhandschrift von Fritz Anspel]


    7.9.17. Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses

    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den

    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,

    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.

    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten

    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur

    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.

    8.9.17.  Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der

    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher. 15.9.17.  Ein Tag ist wie der

    andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u. exerziert u.


    ...rechte Seite

    nachts müssen die Leute ebenfalls den Spaten schwingen. Das 1.

    Batl. dem wir hier unterstellt sind nutzt uns so richtig aus. Es ist ein

    wunderbares Gefühl, so nachts aus dem Schlaf geweckt zu werden und

    dann bei dem herrlichsten Regenwetter in die dunkle Nacht hinauszuwandern.

    Der Soldat lernt eben alles im Felde. Sämtliche häuslichen

    Arbeiten muß er selbst verrichten. Es gibt kein handwerk, das er nicht

    kann, die groben Arbeiten der Gelegenheitsarbeiter beherrscht er ebenfalls u.

    dazu ist er stets von gefahren umgeben. dabei sind die meisten

    stets lustig u. zufrieden. 15.9.  Heute abend sollen wir wieder abgelöst

    werden u. weiter nach hinten kommen. Schanzen eben die

    letzten 3 Stunden v. 2 - 5. Schreibe währenddessen diese Zeilen. Freue mich

    schon auf das Exerzieren u. auf die stundenlangen Appelle dort hinten.

    Lt. [Leutnant] Stock ist zu den "Nazis" gekommen u. Lt. Hehner Komp.Führ. Er gefällt

    mir besser als Stock. Dann haben wir noch einen k. u. k. Oberltn.

    der aber noch nicht in den Vordergrund getreten ist. 28.9.17. Um 15 [Uhr) abends

    abgelöst. Sind in "Ruhe" nach Baynze gekommen. Die ersten Tage

    haben wir ein Übungswerk gebaut. Den ganzen Tag geschanzt und doch nie

    genug. Ein reines Elend. Die Leute wollen sich ausruhen und kommen

    gar nicht zur Besinnung. Dann kam das schöne Exerzieren u. die Appelle blödsinnig

    langweilig. Herr Lt. Helmer läßt uns Stellung üben. Im übrigen

    läßt es sich sonst einigermaßen leben. Einmal haben wir eine Ente

    braten lassen, die wir mit gutem Appetit verzehrten. Milch u. Eier bekommen

    wir auch zu kaufen. Mache mir jeden Abend Milchsuppe a la Mutter

    auf deutsch Milchmus. Schmeckt zur Zeit großartig. Habe mir nun den Magen

    verdorben, so daß ich eine Zeit nie richtig auf Deck ...war. Jetzt hat das aber

    schon nachgelassen. - Gestern am 27.9.17, war Kaiserparade. Das Üben

    vorher war schrecklich. Nun ist es Gott sei dank vorüber. - Gestern war

    um 6 Uhr Antreten. Die letzte Besichtigung bis 7 Uhr. Dann gings bis

    Alt Fratantz, hier nahmen wir Paradeaufstellung. Es wurde noch

    einmal durchgeübt u. dann gewartet. Endlich um 11 Uhr kam S.M. [Seine Majestät]

    Stillgestanden ! - Das Gewehr über ! - Augen rechts ! - Drei Hurras u. der

    oberste Kriegsherr schritt, unter u. den Klängen des Präsentiermarsches

    die Front ab.- Danach hält S.M. eine Ansprache, worauf die des Ex.

    von Conta folgte, die mit 3 Hurras endigte.






  • December 28, 2016 21:38:22 Rolf Kranz

    ...linke Seite

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten.

    Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten

    sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der

    Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen

    schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden

    geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.


    Zwei Kreuze !

    Bei den kampferprobten Kriegern,

    gibts zwei Ehrenzeichen schlicht.

    Eins gibt es für tapf´re Sieger,

    doch das andere gibt es nicht.

    Das von Eisen kommt nach hinten,

    denn für vorne ist`s zu schwer.

    Zu den langen großen Flinten

    drückte es wohl gar zu sehr,

    doch die and´ren leichten Kreuze

    können nur da vorne stehen,

    bar von Schmuck und jedem Reize

    kann man viele, viele sehen.

    Einfachheit ziert vorn den Grauen,

    auch im Tode ist er schlicht;

    darum kann den Schmuck man schauen,

    hinten wo der Tod nicht richt.

    Bei Etappen, bei Kollonnen

    kommt der Ordenssegen hin.

    Hier kann im Verdienst sich sonnen,

    wer da hat ein stolzen Sinn.

    Drum verlangt ihr Männer draußen

    nicht nach Schmuck und eitlem Ruhm,

    Schmuck und Ruhm sind nur von außen,

    immer ist das Heldentum !            F.A. [Fritz Anspel]


    Angefangen auf dem Kornnel. Vollendet am 6.9.17.

    [Anm.. Zeilenumbrüche nach der Originalhandschrift von Fritz Anspel]


    7.9.17. Heute abend sollen wir vom I. Batl. [Bataillon] abgelöst werden. Nun ist dieses

    ja eigentlich eine erfreuliche Tatsache. Es soll aber gleich weiter nach den

    Karpathen gehen. Uns gehts immer so. Wir greifen an, rücken in Stellung,

    bauen diese aus, werden abgelöst u. dann gehts wieder von vorn.

    Die andern Batl. schneiden stets besser ab. Die haben ja auch die ältesten

    Offiziere. Das muß natürlich berücksichtigt werden. Mir graut nur

    vor den langen Märschen. Na wollen ja sehen, wo wir hinkommen.

    8.9.17.  Gestern Abend doch abgelöst. Haben Quartier in den Unterständen der

    4. Komp. bezogen. Ganz elende Löcher. 15.9.17.  Ein Tag ist wie der

    andere vergangen. Am Tage wird geschanzt u.



  • August 15, 2016 12:50:16 Constanze Seifert

    streng bestraft. In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aushalten. Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches Wort fällt. Nur angepfiffen bekommt man. So wird die Liebe z. Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger Sozialdemokraten sein werden? Doch ich will Schluß machen; denn der Soldat hat nicht zu denken u. bei den meisten ist das Denkvermögen schon sehr abgestumpft: Möge Gott der Menschheit bald den Frieden geben, daß dieses Leid u. dieser Jammer aufhört.

    Im Schützengraben v. Rumänien am 6.9.17.
  • June 27, 2016 11:17:12 PLG Gruppe3

    In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aus-

    halten.  Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angegriffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem Soldaten eingeimpft. Wird sich die deutsche Regierung

    wundern, wenn die meisten der früheren Vaterlandsverteidiger So-

    zialdemokraten sein werden? Doch ich will Schluß machen;


  • June 27, 2016 11:03:19 PLG Gruppe3

    In Ruhe hinter der Front ist es kaum zum aus-

    halten.  Von morg. bis zum Abend nichts als Dienst. Kein freundliches

    Wort fällt. Nur angegriffen bekommt man. So wird die Liebe z.

    Vaterlande dem S


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