Maria von Stutterheim dokumentiert den Krieg, item 27
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"Feldzeitung der 5. Armee."
Neueste Nachrichten No. 145.
= Funk-Sprüche von Coeln und Norddeich (Zeitungsdienst). =
A.H. Qu., den 17. Februar 1915.
Grosses Hauptquartier, 16.2.15. Feindliche Angriffe gegen die von bei St. Eloi genommenen englischen Schützengraeben wurden abgewiesen. Sonst ist nichts Neues zu melden.
Die Verfolgungskämpfe an und jenseits der ostpreussischen Grenze nehmen weiter sehr günstigen Verlauf. -
In Polen, noerdlich der Weichsel, besetzten wir nach kurzem Kampfe Plozk. Etwa 1000 Gefangene
fielen in unsere Hand.
In Polen, südlich der Weichsel, hat sich nichts Wesentliches ereignet.
In der auslaendischen Presse haben die abenteuerlichsten Gerüchte über unermessliche Verluste
der Deutschen in den Kaempfen oestlich Bolimow (Anfang Februar) Aufnahme gefunden. Es wird festgestellt,
dass die deutschen Verluste bei diesen Kaempfen im Verhaeltnis zu dem erreichten Erfolge
gering waren.
Lyck. Ueber die masurische Winterschlacht wird gemeldet: Einen wichtigen Abschnitt bildeten
die Kaempfe um Lyck, das den Russen einen festen Stützpunkt bot. Den Deutschen gelang es, unter den
Augen ihres Kaisers am 14.2. den Feind aus der Stadt zu werfen; unmittelbar darauf erschien der Kaiser
in den Strassen der Stadt. Die Krieger draengten sich jubelnd um den Kaiser, der viele Mannschaften und
Offiziere ansprach. Ploetzlich erscholl die Nationalhymne und "Deutschland, Deutschland, über alles".
Später traf der Kaiser am Ausgang der Stadt zwei Bataillone Pommersche Grenadiere, an die er, nachdem
sie ein Viereck gebildet hatte, eine begeisterte Ansprache hielt.
Amsterdam. Am Sonnabend lief das Schiff "Luckenbochs" unter amerikanischer Flagge in
Ymuiden ein. Am Sonnabend strandete bei Falmouth der britische Segler "Andromeda" mit Getreide für
London. Schiff und Ladung sind verloren, die Besatzung ist bis auf einen Mann gerettet. Der englische
Dampfer "Hulltrader" ist im Kanal gesunken; 3 Mann gerettet.
London. Churchill brachte im Unterhaus den Flottenetat ein. Er hob hervor, dass England mit
der Kriegswirkung seiner Flotte zufrieden sein koenne ; er glaube nicht, dass durch die deutsche Blockade britische Lebensinteressen getroffen werden koennten.
Amtlich Grosses Hauptquartier, 16.2. abends. In der neuntaegigen
"Winterschlacht an den Masuren"
wurde die russische 10. Armee, die aus mindestens 11 Infanterie- und mehreren
Kavallerie-Divisionen bestand, nicht nur aus ihren stark verschanzten Stellungen
oestlich der masurischen Seenplatte vertrieben, sondern auch über die Grenze geworfen,
schliesslich in nahezu voelliger Einkreisung vernichtend geschlagen. Nur
Reste koennen in die Waelder oestlich Suwalki und Augustow entkommen sein, wo
ihnen die Verfolger auf den Fersen sind. Die blutigen Verluste des Feindes sind
sehr stark.
Die Zahl der Gefangenen steht noch nicht fest, betraegt aber
sicher weit ueber 50 000. Mehr als 40 Geschütze, 60 Maschinengewehre
sind genommen, unuerbersehbares Kriegsmaterial ist
erbeutet.
Seine Majestaet der Kaiser wohnte den entscheidenden Gefechten inmitten unserer
Schlachtlinie bei. Die Schlacht wurde durch Teile alter Osttruppen und durch junge für diese
Aufgabe herangeführte Verbaende, die sich den altbewaehrten Kameraden ebenbürig erwiesen,
errungen. Die Leistungen unserer Truppen bei der Ueberwindung widrigster Witterungs-
und Wegeverhaeltnisse in Tag und Nacht fortgesetztem Marsch und Gefecht gegen einen zaehen
Gegner sind über jedes Lob erhaben. Generalfeldmarschall von Hindenburg war Leiter
der Operationen, die von Generaloberst von Eichhorn und General der Infanterie von Below in
glaenzender Weise durchgeführt wurden, mit alter Meisterschaft. Oberste Heeresleitung.
Wien. Die allgemeine Lage in Russisch-Polen und Westgalizien ist unveraendert; es fanden nur
Artilleriekaempfe statt. An der Karpathenfront wird heftig gekaempft. Mehrere Tag- und Nachtangriffe
der Russen gegen unsere Stellungen wurden unter grossen Verlusten des Feindes, der hierbei auch 400 Gefangene verlor, zurückgeschlagen. Die Operationen in der Bukowina verlaufen günstig. Die Serethlinie
wurde überschritten, die Russen unter fortwaehrendem Gefecht gegen den Pruth zurückgedraengt. Südlich
Kolomea, wo sich groessere Kaempfe entwickelten, machten wir gestern über 500 Gefangene.
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"Feldzeitung der 5. Armee."
Neueste Nachrichten No. 145.
= Funk-Sprüche von Coeln und Norddeich (Zeitungsdienst). =
A.H. Qu., den 17. Februar 1915.
Grosses Hauptquartier, 16.12.15. Feindliche Angriffe gegen die von bei St. Eloi genommenen englischen Schützengraeben wurden abgewiesen. Sonst ist nichts Neues zu melden.
Die Verfolgungskämpfe an und jenseits der ostpreussischen Grenze nehmen weiter sehr günstigen Verlauf. -
In Polen, noerdlich der Weichsel, besetzten wir nach kurzem Kampfe Plozk. Etwa 1000 Gefangene
fielen in unsere Hand.
In Polen, südlich der Weichsel, hat sich nichts Wesentliches ereignet.
In der auslaendischen Presse haben die abenteuerlichsten Gerüchte über unermessliche Verluste
der Deutschen in den Kaempfen oestlich Bolimow (Anfang Februar) Aufnahme gefunden. Es wird festgestellt,
dass die deutschen Verluste bei diesen Kaempfen im Verhaeltnis zu dem erreichten Erfolge
gering waren.
Lyck. Ueber die masurische Winterschlacht wird gemeldet: Einen wichtigen Abschnitt bildeten
die Kaempfe um Lyck, das den Russen einen festen Stützpunkt bot. Den Deutschen gelang es, unter den
Augen ihres Kaisers am 14.2. den Feind aus der Stadt zu werfen; unmittelbar darauf erschien der Kaiser
in den Strassen der Stadt. Die Krieger draengten sich jubelnd um den Kaiser, der viele Mannschaften und
Offiziere ansprach. Ploetzlich erscholl die Nationalhymne und "Deutschland, Deutschland, über alles".
Später traf der Kaiser am Ausgang der Stadt zwei Bataillone Pommersche Grenadiere, an die er, nachdem
sie ein Viereck gebildet hatte, eine begeisterte Ansprache hielt.
Amsterdam. Am Sonnabend lief das Schiff "Luckenbochs" unter amerikanischer Flagge in
Ymuiden ein. Am Sonnabend strandete bei Falmouth der britische Segler "Andromeda" mit Getreide für
London. Schiff und Ladung sind verloren, die Besatzung ist bis auf einen Mann gerettet. Der englische
Dampfer "Hulltrader" ist im Kanal gesunken; 3 Mann gerettet.
London. Churchill brachte im Unterhaus den Flottenetat ein. Er hob hervor, dass England mit
der Kriegswirkung seiner Flotte zufrieden sein koenne ; er glaube nicht, dass durch die deutsche Blockade britische Lebensinteressen getroffen werden koennten.
Amtlich Grosses Hauptquartier, 16.2. abends. In der neuntaegigen
"Winterschlacht an den Masuren"
wurde die russische 10. Armee, die aus mindestens 11 Infanterie- und mehreren
Kavallerie-Divisionen bestand, nicht nur aus ihren stark verschanzten Stellungen
oestlich der masurischen Seenplatte vertrieben, sondern auch über die Grenze geworfen,
schliesslich in nahezu voelliger Einkreisung vernichtend geschlagen. Nur
Reste koennen in die Waelder oestlich Suwalki und Augustow entkommen sein, wo
ihnen die Verfolger auf den Fersen sind. Die blutigen Verluste des Feindes sind
sehr stark.
Die Zahl der Gefangenen steht noch nicht fest, betraegt aber
sicher weit ueber 50 000. Mehr als 40 Geschütze, 60 Maschinengewehre
sind genommen, unuerbersehbares Kriegsmaterial ist
erbeutet.
Seine Majestaet der Kaiser wohnte den entscheidenden Gefechten inmitten unserer
Schlachtlinie bei. Die Schlacht wurde durch Teile alter Osttruppen und durch junge für diese
Aufgabe herangeführte Verbaende, die sich den altbewaehrten Kameraden ebenbürig erwiesen,
errungen. Die Leistungen unserer Truppen bei der Ueberwindung widrigster Witterungs-
und Wegeverhaeltnisse in Tag und Nacht fortgesetztem Marsch und Gefecht gegen einen zaehen
Gegner sind über jedes Lob erhaben. Generalfeldmarschall von Hindenburg war Leiter
der Operationen, die von Generaloberst von Eichhorn und General der Infanterie von Below in
glaenzender Weise durchgeführt wurden, mit alter Meisterschaft. Oberste Heeresleitung.
Wien. Die allgemeine Lage in Russisch-Polen und Westgalizien ist unveraendert; es fanden nur
Artilleriekaempfe statt. An der Karpathenfront wird heftig gekaempft. Mehrere Tag- und Nachtangriffe
der Russen gegen unsere Stellungen wurden unter grossen Verlusten des Feindes, der hierbei auch 400 Gefangene verlor, zurückgeschlagen. Die Operationen in der Bukowina verlaufen günstig. Die Serethlinie
wurde überschritten, die Russen unter fortwaehrendem Gefecht gegen den Pruth zurückgedraengt. Südlich
Kolomea, wo sich groessere Kaempfe entwickelten, machten wir gestern über 500 Gefangene.
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Berlin-Lichterfelde
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Story location Berlin-Lichterfelde
- ID
- 12746 / 160873
- Contributor
- Wilfried Schulze-Weser
February 14, 1915 – February 17, 1915
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- Deutsch
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- Western Front
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- Remembrance


























































































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