Erinnerungsbuch, item 131
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Der Bummel. (Frei nach Schillern)
Sei mir gegrüßt, mein Freund, mit dem rötlich strahlenden Haarwuchs,
Sei mir, Leterne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint.
Dich auch grüß' ich, Friedrichstraße, euch, säuselnde Linden,
Und den fröhlichen Chor, der so reizend belebt.
Dich auch, blendendes Licht, das unermeßlich sich ausgießt,
Auf der Menschen Gewühl, auf das bestaubte Geäst.
Auch auf mich, der endlich entfloh'n der Schule Gefängnis
Und dem Bleedsinn und Quatsch, freudig sich rettet zu dir.
Jetzo summt's mir im Kopf, und mühsam, mit zweifelndem Schritte,
Wankt auch der Zechgenoß über den glatten Asphalt.
Unabsehbar ergießt sich vor meinen Blicken die Ferne,
Und das Brandenburger Tor endigt die Linden im Duft.
Tief an des Bürgersteigs Fuß, der gählings unter mir abstürzt,
Wallet des grünlichen Stroms fließender Spiegel vorbei.
Doch jetzt braut's aus dem nahen Gebüsch; ich bin im Tiergarten,
Sparsames Licht verstreut erst der anbrechende Tag.
Eben erhebt sich die Lerche von ihrem nächtlichen Lager,
und "To - to - trix ", "Kikabau" wirbelt's in heiterer Luft.
Doch da glänzt von fern, von Menschen frei, eine Banke,
Und eine Stimme ertönt neben mir: " Setzen Se sich!"
Vor dem geistigen Auge, das keck und frei nun umherschaut,
Tauchen Gestalten auf, die - gottlob - vergangen jetzt längst sind.
Glückliches Volk der Lehrer, noch nicht zur Freiheit erwachet,
Teilst du mit deinem Amt freudig das enge Gesetz.
Deine Wünsche beschränkt der Schule ruhiger Kreislauf,
Wie dein Tagewerk, gleich, windet dein Leben sich ab.
Aber wer raubt mir den Anblick? Lehrer und Schüler!
Kaum noch liebend gemischt, sondern spröde sich ab.
Gruppen seh' ich gebildet und ungemütlich wird alles,
Und der Zank und der Streit kündet die "Neustadt" mir an.
Sechs Polizeibezirke umfaßt sie; es findet in ihnen-
Kann es doch anders nicht sein: mancher Prolete sich ein.
Grinsen, das kann er, falsch und heimtückisch, hinterlistig,
Seine Kumpanen und er. Aber sie haben's nicht leicht.
Denn da entbrennen im Streit die eifernden Kräfte,
Helden stürzen zum Kampf für Recht und Freiheit heraus.
Endlich doch einmal zerrinnt vor dem Blick der Nebel des Wahnes,
Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht.
Seine Fesseln zerbricht der Abiturient, der Beglückte,
Und von der Schule Zwang ringt er mit Wonne sich los.
O, so öffnet euch Mauern, und gebt den Gefangenen ledig!
Aber wo bin ich denn jetzt? richtig, auf dem Kommerse!
Reiner neh'm ich mein Leben von diesem reinen Altare,
Nehme den fröhlichen Mut hoffender Jugend mit mir.
Was, Ihr lacht? Ihr glaubt es mir nicht? Seht nur an den Himmel!
Seht die Sonne Homers! Aber weh, sie grinst auch!
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Der Bummel. (Frei nach Schillern)
Sei mir gegrüßt, mein Freund, mit dem rötlich strahlenden Haarwuchs,
Sei mir, Leterne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint.
Dich auch grüß' ich, Friedrichstraße, euch, säuselnde Linden,
Und den fröhlichen Chor, der so reizend belebt.
Dich auch, blendendes Licht, das unermeßlich sich ausgießt,
Auf der Menschen Gewühl, auf das bestaubte Geäst.
Auch auf mich, der endlich entfloh'n der Schule Gefängnis
Und dem Bleedsinn und Quatsch, freudig sich rettet zu dir.
Jetzo summt's mir im Kopf, und mühsam, mit zweifelndem Schritte,
Wankt auch der Zechgenoß über den glatten Asphalt.
Unabsehbar ergießt sich vor meinen Blicken die Ferne,
Und das Brandenburger Tor endigt die Linden im Duft.
Tief an des Bürgersteigs Fuß, der gählings unter mir abstürzt,
Wallet des grünlichen Stroms fließender Spiegel vorbei.
Doch jetzt braust's aus dem nahen Gebüsch; ich bin im Tiergarten,
Sparsames Licht verstreut erst der anbrechende Tag.
Eben erhebt sich die Lerche von ihrem nächtlichen Lager,
und "To - to - trix ", "Kikabau" wirbelt's in heiterer Luft.
Doch da glänzt von fern, von Menschen frei, eine Banke,
Und eine Stimme ertönt neben mir: " Setzen Se sich!"
Vor dem geistigen Auge, das keck und frei nun umherschaut,
Tauchen Gestalten auf,die - gottlob - vergangen jetzt längst sind.
Glückliches Volk der Lehrer, noch nicht zur Freiheit erwachet,
Teilst du mit deinem Amt freudig das enge Gesetz.
Deine Wünsche beschränkt der Schule ruhiger Kreislauf,
Wie dein Tagewerk, gleich, windet dein Leben sich ab.
Aber wer raubt mir den Anblick?Lehrer und Schüler!
Kaum noch liebend gemischt, sondern spröde sich ab.
Gruppen seh' ich gebildet und ungemütlich wird alles,
Und der Zank und der Streit kündet die "Neustadt" mir an.
Sechs Polizeibezirke umfaßt sie; es findet in ihnen-
Kann es doch anders nicht sein- mancher Prolete sich ein.
Grinsen, das kann er, falsch und heimtückisch, hinterlistig,
Seine Kumpanen und er. Aber sie haben's nicht leicht.
Denn da entbrennen im Streit die eifernden Kräfte,
Helden stürzen zum Kampf für Recht und Freiheit heraus.
Endlich doch einmal zerrinnt vor dem Blick der Nebel des Wahnes,
Seine Fesseln zerbricht der Abiturient,der Beglückte,
Und von der Schule Zwang ringt er mit Wonne sich los.
O, so öffnet euch Mauern, und gebt den Gefangenen ledig!
Aber wo bin ich denn jetzt? richtig, auf dem Kommerse!
Reiner neh'm ich mein Leben von diesem reinen Altare,
Nehme den fröhlichen Mut hoffender Jugend mit mir.
Was, Ihr lacht? Ihr glaubt es mir nicht? Seht nur an den Himmel!
Seht die Sonne Homers! Aber weh, sie grinst auch!
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Berlin
Location(s)
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- ID
- 1285 / 10874
- Contributor
- Rheinboldt, Sigrid
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- Remembrance
- Schüler
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Erstaunlich unpolitisch für einen Abiturienten in der Zeit, in der dieses Gedicht geschrieben wurde.