Deutsche Kriegszeitung von 1915, item 2
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Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Pulpe (deutscher Name einer lettischen Stadt?) und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Linsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen
Ereignisse zu melden. Man befindet
sich eben im ganzen Osten im Übergange
zur Winterrruhe, mit genügend
warmer Unterkunft für die Truppen und
einer rückwärtigen Verbindung, die
Sicherstellung der Verpflegung und des
Munitionsersatzes gewährleistet. Daß
bei dem Ausbau dieser Winternester hier
und da noch gekämpft wird, liegt auf der
Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei
der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
Bei der Heeresgruppe des
Prinzen Leopold von Bayern fand ein
derartiger Kampf am 27. November bei
Baranowitschi statt, wo die Russen einen
vergeblichen Vorstoß machten. Vor der
Heeresgruppe Linsingen regte sich vom
24. bis 28. November nichts, obgleich gerade
dort der Feind bisher mit seiner
Lage, in der am Styr versetzt worden
war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu
begeisternden Kundgebungen neigende
Große Hauptquartier dazu veranlaßt,
allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten
Truppen höchste Anerkennung
auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen
der letzten Woche Tag für Tag
folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient
dieses Lob war, und daß wir
wieder einmal stolz sein können auf unsere
tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch
weder natürliche noch künstliche Hindernisse
zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand
der serbischen Nordarmee gebrochen sei.
Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher
dafür als die Zahl der erbeuteten
Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande
des Amselfeldes Geschütze wegzubringen,
grenzte an das Unmögliche, es sei denn,
daß man sie vor oder während des
Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu
ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der
Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica
und 6 Geschützen bei Pristina war
daher wohl zu verstehen, während Text abgeschnitten
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Pulpe (deutscher Name einer lettischen Stadt?) und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Linsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen
Ereignisse zu melden. Man befindet
sich eben im ganzen Osten im Übergange
zur Winterrruhe, mit genügend
warmer Unterkunft für die Truppen und
einer rückwärtigen Verbindung, die
Sicherstellung der Verpflegung und des
Munitionsersatzes gewährleistet. Daß
bei dem Ausbau dieser Winternester hier
und da noch gekämpft wird, liegt auf der
Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei
der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
Bei der Heeresgruppe des
Prinzen Leopold von Bayern fand ein
derartiger Kampf am 27. November bei
Baranowitschi statt, wo die Russen einen
vergeblichen Vorstoß machten. Vor der
Heeresgruppe Linsingen regte sich vom
24. bis 28. November nichts, obgleich gerade
dort der Feind bisher mit seiner
Lage, in der am Styr versetzt worden
war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu
begeisternden Kundgebungen neigende
Große Hauptquartier dazu veranlaßt,
allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten
Truppen höchste Anerkennung
auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen
der letzten Woche Tag für Tag
folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient
dieses Lob war, und daß wir
wieder einmal stolz sein können auf unsere
tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch
weder natürliche noch künstliche Hindernisse
zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand
der serbischen Nordarmee gebrochen sei.
Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher
dafür als die Zahl der erbeuteten
Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande
des Amselfeldes Geschütze wegzubringen,
grenzte an das Unmögliche, es sei denn,
daß man sie vor oder während des
Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu
ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der
Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica
und 6 Geschützen bei Pristina war
daher wohl zu verstehen, während Text abgeschnitten
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Pulpe (deutscher Name einer lettischen Stadt?) und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Linsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen
Ereignisse zu melden. Man befindet
sich eben im ganzen Osten im Übergange
zur Winterrruhe, mit genügend
warmer Unterkunft für die Truppen und
einer rückwärtigen Verbindung, die
Sicherstellung der Verpflegung und des
Munitionsersatzes gewährleistet. Daß
bei dem Ausbau dieser Winternester hier
und da noch gekämpft wird, liegt auf der
Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei
der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
Bei der Heeresgruppe des
Prinzen Leopold von Bayern fand ein
derartiger Kampf am 27. November bei
Baranowitschi statt, wo die Russen einen
vergeblichen Vorstoß machten. Vor der
Heeresgruppe Linsingen regte sich vom
24. bis 28. November nichts, obgleich gerade
dort der Feind bisher mit seiner
Lage, in der am Styr versetzt worden
war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu
begeisternden Kundgebungen neigende
Große Hauptquartier dazu veranlaßt,
allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten
Truppen höchste Anerkennung
auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen
der letzten Woche Tag für Tag
folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient
dieses Lob war, und daß wir
wieder einmal stolz sein können auf unsere
tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch
weder natürliche noch künstliche Hindernisse
zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand
der serbischen Nordarmee gebrochen sei.
Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher
dafür als die Zahl der erbeuteten
Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande
des Amselfeldes Geschütze wegzubringen,
grenzte an das Unmögliche, es sei denn,
daß man sie vor oder während des
Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu
ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der
Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica
und 6 Geschützen bei Pristina war
daher wohl zu verstehen, während Text abgeschnitten
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Pulpe (deutscher Name einer lettischen Stadt?) und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Linsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen
Ereignisse zu melden. Man befindet
sich eben im ganzen Osten im Übergange
zur Winterrruhe, mit genügend
warmer Unterkunft für die Truppen und
einer rückwärtigen Verbindung, die
Sicherstellung der Verpflegung und des
Munitionsersatzes gewährleistet. Daß
bei dem Ausbau dieser Winternester hier
und da noch gekämpft wird, liegt auf der
Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei
der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
Bei der Heeresgruppe des
Prinzen Leopold von Bayern fand ein
derartiger Kampf am 27. November bei
Baranowitschi statt, wo die Russen einen
vergeblichen Vorstoß machten. Vor der
Heeresgruppe Linsingen regte sich vom
24. bis 28. November nichts, obgleich gerade
dort der Feind bisher mit seiner
Lage, in der am Styr versetzt worden
war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Pulpe (deutscher Name einer lettischen Stadt?) und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Linsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen
Ereignisse zu melden. Man befindet
sich eben im ganzen Osten im Übergange
zur Winterrruhe, mit genügend
warmer Unterkunft für die Truppen und
einer rückwärtigen Verbindung, die
Sicherstellung der Verpflegung und des
Munitionsersatzes gewährleistet. Daß
bei dem Ausbau dieser Winternester hier
und da noch gekämpft wird, liegt auf der
Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei
der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
Bei der Heeresgruppe des
Prinzen Leopold von Bayern fand ein
derartiger Kampf am 27. November bei
Baranowitschi statt, wo die Russen einen
vergeblichen Vorstoß machten. Vor der
Heeresgruppe Linsingen regte sich vom
24. bis 28. November nichts, obgleich gerade
dort der Feind bisher mit seiner
Lage, in der am ... versetzt worden
war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Pulpe und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Boschot Noack (Foto)
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht
als abgeschlossen betrachtet werden. Der
Ort befand sich allerdings fest in unserer
Hand, und die russischen Bemühungen,
ihn uns wieder zu entreißen, trugen
lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl
bei, die am 25. November auf 9 Offiziere
und 750 Mann gestiegen war.
Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre.
Auch am 25. November
erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe
bei Bersemünde, ehe sie zu der
Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde
zu halten entschlossen seien. -
Weitere kleinere Unternehmungen fanden
der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber
am 25. November an der Misse, bei
Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg
statt. Sie scheiterten an dem Widerstande
unserer Truppen. Am 27. November
wurde südwestlich von Jakobstadt
bei Buschhof ein feindliches Flugzeug
durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt.
Es fiel zwischen beiderseitigen
Stellungen und wurde in der Nacht von
deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
Der Kampf um Bersemünde (heute Berzmonte, Lettland)
konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings fest in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jakobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen und wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
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Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
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Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offizier.
LXIX.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen
Nation folgen, wollen wir die
Ereignisse im Westen und Osten näher
betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener
jedenfalls der Gedanke, noch in diesem
Jahre gewaltsam eine Veränderung der
Lage herbeizuführen, aufgegeben worden
ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge
mit Unternehmungen zu tun, über deren
Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin
in Paris keine befriedigende Auskunft
zu geben vermochte. Da war
immer noch die leidige Gallipoli-Expidition,
von der man nicht weiß, wie man
sie von der ungastlichen Halbinsel wieder
herunterbekommen soll. Da war auch
die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits
so viel Blut - wenigstens französisches -
gekostet hat und absolut nichts
erreichte. Unter diesen Umständen auch
noch im Westen eine neue Auflage der
verunglückten großen Offensive zu versuchen,
könnte das Verzeichnis der peinlichen
Situationen, in denen sich die Allierten
augenblicklich befinden, nur verlängern,
und so vertröstet man denn,
genau wie im vorigen Jahre um diese
Zeit, das Volk mit großen Versprechungen
für das nächste Frühjahr. Vorläufig
hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf
schläft natürlich niemals ganz ein,
und bei klarem Frostwetter wurde er
sogar am 28. November recht lebhaft.
Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit.
Am 27. November nahmen unsere Truppen
in der Gegend von Neuville, zwischen
Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung
vor und besetzten im Anschluß
daran den Sprengtrichter. - Auch an
anderen Stellen der Front kam es zu
Handgranaten- und Wurfminenkämpfen,
die natürlich nur lokale Bedeutung haben
konnten. In der Champagne und in den
Argonnen zeigte die feindliche Artillerie
zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine
Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem
nicht aus, und er unterblieb denn
auch. Am 29. November waren ebenfalls
nur Artillerie- und Minenkämpfe,
die steten Erscheinungen des Stellungskrieges,
zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am
28. November ein feindliches Flugzeug
zur Landung gezwungen und sodann
durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei
den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu
leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man
sollte denken, daß der Feind einigermaßen
darauf Rücksicht nehmen würde,
daß die Bewohner dieser unglücklichen
Orte seine Landsleute oder Verbündeten
sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht
zu nehmen. So wurden denn in dem
Orte Comines allein in zwei Wochen
22 Einwohner getötet und 8 verwundet.
Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Bild in der Mitte
General v. Winckler,
erhielt den Orden Pour le Merite
... Der Kampf um Bersemünde (today Berzemonte, Latvia)
konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings fest in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jakobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen und wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin in Paris keine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut - wenigstens französisches - gekostet hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westen eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Neuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Front kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündeten sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
... Der Kampf um Bersemünde (today Berzemonte, Latvia)
konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings fest in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jakobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen und wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
-
Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Preis 10 Pfennig
Kriegszeitung in rot
19 Bild eines Adlers 15
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin in Paris keine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut - wenigstens französisches - gekostet hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westen eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Neuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Front kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündeten sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Der Kampf um Bersemünde
konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings fest in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jakobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen und wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
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Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Kriegszeitung Preis 10 Pfennig
1915
Illustrierte Wochen-Ausgabe
herausgegeben vom
Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten.
Ruhe im Westen
zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmte Wahrsagerin in Paris keine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut - wenigstens französisches - gekostet hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westen eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Neuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprengung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Front kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verzeichnen.
Nördlich von St. Mihiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriefeuer zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündeten sind, aber er denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht.
Der Kampf um Bersemünde
konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings fest in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jakobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen und wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen
waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten im Übergange zur Winterrruhe, mit genügend warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartige Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert. Bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern fand ein derartiger Kampf am 27. November bei Baranowitschi statt, wo die Russen einen vergeblichen Vorstoß machten. Vor der Heeresgruppen Linsingen regte sich vom 24. bis 28. November nichts, obgleich gerade dort der Feind bisher mit seiner Lage, in der am ... versetzt worden war, sich wenig zufrieden gezeigt hatte.
Die großartigen Erfolge in Serbien
haben selbst das, in der Regel nicht zu begeisternden Kundgebungen neigende Große Hauptquartier dazu veranlaßt, allen an dem Niederwerfen Serbiens beteiligten Truppen höchste Anerkennung auszusprechen. Wenn wir den Ereignissen der letzten Woche Tag für Tag folgen, werden wir erkennen, wie wohlverdient dieses Lob war, und daß wir wieder einmal stolz sein können auf unsere tapferen Feldgrauen, deren Siegesmarsch weder natürliche noch künstliche Hindernisse zu hemmen vermochten.
Nach der Eroberung von Mitrovica und Pristina
wurde es bald klar, daß der Widerstand der serbischen Nordarmee gebrochen sei. Die Zahl der Gefangenen sprach deutlicher dafür als die Zahl der erbeuteten Geschütze. Aus dem gebirgigen Rande des Umfelfeldes Geschütze wegzubringen, grenzte an das Unmögliche, es sei denn, daß man sie vor oder während des Kampfes in Sicherheit brachte, und dazu ist der Serbe ein zu guter Soldat. Der Verlust von 19 Geschützen bei Mitrovica und 6 Geschützen bei Pristina war daher wohl zu verstehen, während
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Nr. 49 - 5. Dezember 1915 Deutsche Kriegszeitung Preis 10 Pfennig
1915
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Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut -wenigstens französisches- gefordert hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westenn eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Reuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprenung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Frotn kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verstehen.
Nördlich von St. Michiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriekämpfen zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündete sind, aber denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht. Der Kampf um Bersemünde konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings stets in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jasobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten zum Übergange zur Winterrruhe, mit genügebd warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartiger Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
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Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut -wenigstens französisches- gefordert hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westenn eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Reuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprenung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Frotn kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verstehen.
Nördlich von St. Michiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriekämpfen zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündete sind, aber denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht. Der Kampf um Bersemünde konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings stets in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jasobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fiel zwischen beiderseitigen Stellungen wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
Bei den Heeresgruppen Bayern und Einsingen waren bis zum 28. November keine besonderen Ereignisse zu melden. Man befindet sich eben im ganzen Osten um Übergange zur Winterrruhe, mit genügebd warmer Unterkunft für die Truppen und einer rückwärtigen Verbindung, die Sicherstellung der Verpflegung und des Munitionsersatzes gewährleistet. Daß bei dem Ausbau dieser Winternester hier und da noch gekämpft wird, liegt auf der Hand. Wir haben derartiger Kämpfe bei der Heeresgruppe Hindenburg bereits erörtert.
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1915
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Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut -wenigstens französisches- gefordert hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westenn eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Reuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprenung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Frotn kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verstehen.
Nördlich von St. Michiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriekämpfen zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündete sind, aber denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht. Der Kampf um Bersemünde konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings stets in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt. Sie scheiterten an dem Widerstande unserer Truppen. Am 27. November wurde südwestlich von Jasobstadt bei Buschhof ein feindliches Flugzeug durch Maschinengewehrfeuer heruntergeholt. Es fuek zwischen beiderseitigen Stellungen wurde in der Nacht von deutschen Patrouillen geborgen.
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Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut -wenigstens französisches- gefordert hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westenn eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Reuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprenung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Frotn kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verstehen.
Nördlich von St. Michiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriekämpfen zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündete sind, aber denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Comines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht. Der Kampf um Bersemünde konnte auch am 25. November noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Der Ort befand sich allerdings stets in unserer Hand, und die russischen Bemühungen ihn uns wieder zu entreißen, trugen lediglich zur Erhöhung der Gefangenenzahl bei, die am 25. November auf 9 Offiziere und 750 Mann gestiegen war. Außerdem verloren die Russen 3 Maschinengewehre. Auch am 25. November erneuten die Russen ihre vergeblichen Angriffe bei Bersemünde, ehe sie zu der Überzeugung kamen, daß wir Bersemünde zu halten entschlossen seien. - Weitere kleinere Unternehmungen fanden der Heeresgruppe Hindenburg gegenüber am 25. November an der Misse, bei Bulpe und auf der Westfront von Dünaburg statt.
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Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut -wenigstens französisches- gefordert hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westenn eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Reuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprenung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Frotn kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verstehen.
Nördlich von St. Michiel wurde am 28. November ein feindliches Flugzeug zur Landung gezwungen und sodann durch Artilleriekämpfen zerstört. - Daß bei den Artilleriekämpfen auch offene Orte zu leiden haben, ist sehr bedeuerlich. Man sollte denken, daß der Feind einigermaßen darauf Rücksicht nehmen würde, daß die Bewohner dieser unglücklichen Orte seine Landsleute oder Verbündete sind, aber denkt nicht daran, Rücksicht zu nehmen. So wurden denn in dem Orte Gomines allein in zwei Wochen 22 Einwohner getötet und 8 verwundet. Ganz so ruhig, wie im Westen, war es im Osten nicht. Der Kampf um Bersemünde
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Berliner Lokal-Anzeiger
Aus großer Zeit.
Von einem alten preussischen Offzier.
69.
Das Ende der serbischen Armee.
Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu geben vermochte. Da war immer noch die leidige Gallipoli-Expidition, von der man nicht weiß, wie man sie von der ungastlichen Halbinsel wieder herunterbekommen soll. Da war auch die neue Saloniki-Unternehmung, die bereits so viel Blut -wenigstens französisches- gefordert hat und absolut nichts erreichte. Unter diesen Umständen auch noch im Westenn eine neue Auflage der verunglückten großen Offensive zu versuchen, könnte das Verzeichnis der peinlichen Situationen, in denen sich die Allierten augenblicklich befinden, nur verlängern, und so vertröstet man denn, genau wie im vorigen Jahre um diese Zeit, das Volk mit großen Versprechungen für das nächste Frühjahr. Vorläufig hält man also Ruhe. Der Artilleriekampf schläft natürlich niemals ganz ein, und bei klarem Frostwetter wurde er sogar am 28. November recht lebhaft. Dasselbe galt von der Fliegertätigkeit. Am 27. November nahmen unsere Truppen in der Gegend von Reuville, zwischen Arras und Lens, eine erfolgreiche Sprenung vor und besetzten im Anschluß daran den Sprengtrichter. - Auch an anderen Stellen der Frotn kam es zu Handgranaten- und Wurfminenkämpfen, die natürlich nur lokale Bedeutung haben konnten. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie zwar eine rege Tätigkeit, aber wie eine Vorbereitung zum Angriff sah es trotztdem nicht aus, und er unterblieb denn auch. Am 29. November waren ebenfalls nur Artillerie- und Minenkämpfe, die steten Erscheinungen des Stellungskrieges, zu verstehen.
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Bevor wir den letzten Kämpfen der serbischen Nation folgen, wollen wir die Ereignisse im Westen und Osten näher betrachten. Ruhe im Westen zeigte, daß von Seiten unserer Gegener jedenfalls der Gedanke, noch in diesem Jahre gewaltsam eine Veränderung der Lage herbeizuführen, aufgegeben worden ist. Man hatte ja auch ganz zur Genüge mit Unternehmungwen zu tun, über deren Ausgang selbst die berühmten Wahrsagerin in Paris seine befriedigende Auskunft zu
Description
Save description- 50.7666132||3.0076133||
Comines, Nordfrankreich
- 56.8226165||24.3312276||
Bersemünde/Bērzmente, Lettland
- 56.7068883||23.7867698||
Misse/Misa (Fluss), Lettland
- 55.875||26.535556||
Dünaburg/Daugavpils, Lettland
- 56.499444||25.878333||
Jakobstadt/Jēkabpils, Lettland
- 56.4086807||25.7754264||
Buschhof/Birži, Lettland
- 53.133333||26.016667||
Baranowitschi/Баранавічы, Weißrussland
- 52.10756||26.58288||
Styr/Стир (Fluss), Ukraine, Weißrussland
- 42.883333||20.866667||
Mitrovica, Kosovo
- 42.666667||21.166667||
Pristina, Kosovo
- 52.5234051||13.4113999||||1
Berlin
Location(s)
Story location Berlin
Document location Comines, Nordfrankreich
-
Additional document location Bersemünde/Bērzmente, Lettland
-
Additional document location Misse/Misa (Fluss), Lettland
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Additional document location Dünaburg/Daugavpils, Lettland
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Additional document location Jakobstadt/Jēkabpils, Lettland
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Additional document location Buschhof/Birži, Lettland
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Additional document location Baranowitschi/Баранавічы, Weißrussland
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Additional document location Styr/Стир (Fluss), Ukraine, Weißrussland
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Additional document location Mitrovica, Kosovo
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Additional document location Pristina, Kosovo
- ID
- 2251 / 30201
- Contributor
- Anneliese Hösl
December 5, 1915
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- Deutsch
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- Eastern Front
- Western Front
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- Zeitungen
Notes and questions
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“Pulpe” lässt sich nicht verifizieren. Klingt nach einer Stadt oder einem Fluss. Ich finde nur Infos zu Eduard Pulpe, lettisches Fliegerass, gefallen 1916:
http://www.firstworldwar.com/bio/pulpe.htm